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Kultur

20 Jahre Ozonschutz - doch das Ozonloch bleibt

Vor 20 Jahren wurde in Montréal der Grundstein zum Schutz der Ozonschicht gelegt, die Konferenz gilt als Meilenstein im Umweltschutz. Jetzt wird wieder dort getagt - aber die Ozonschicht macht nur langsam Fortschritte.

hand mit spraydose sprüht auf globus.

FCKW-Gas greift die Ozonschicht an, ab spätestens 2030 ist den Industrieländern die Produktion verboten

Im Kampf gegen die Zerstörung der Ozonschicht veranstaltet das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) diese Woche eine internationale Konferenz im kanadischen Montréal. Von Montag (17.09.2007) bis Freitag (21.09.2007) sollen die unterschiedlichen Vorschläge von neun Industrie- und Schwellenländern zur Verringerung von ozonschädigenden Gasen diskutiert werden.

Zugleich erinnert das Treffen an den Abschluss des Montrealer Protokolls am 16. September 1987 zum fortschreitenden Verzicht auf Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen. Das Protokoll sieht ein vollständiges FCKW-Verbot für Industriestaaten bis 2030 sowie für Entwicklungsländer bis 2040 vor. Derzeit prüfen Wissenschaftler und einige Regierungen jedoch ein früheres Ende der Produktion und des Einsatzes von FCKW-Gas, das insbesondere bei der Herstellung von Sprays sowie Kühl- und Löschmitteln verwendet wird. Denn die 1987 beschlossenen Maßnahmen wirken nur langsam auf ein Schließen des Ozon-Loches hin.

Satellitenfoto vom Ozonloch

Das Ozonloch über der Antarktis erreichte 2006 Rekordgröße

"Das Ozonloch misst derzeit 23 Millionen Quadratkilometer - eine Fläche so groß wie Nordamerika", sagt Geir Braathen, norwegischer Atmossphärenchemiker und Ozon-Spezialist. "Das Ozonloch bedeckt nicht nur den antarktischen Kontinent, sondern auch noch große Bereiche des Meeres drum herum", fügt der Wissenschaftler, der für die Weltmeteorologieorganisation WMO in Genf arbeitet, hinzu.

Das Ozonloch sei zwar in diesem Jahr früher aufgebrochen als sonst, aber das Wachstum hat sich inzwischen verlangsamt. Deshalb geht der Wissenschaftler nicht davon aus, dass das Ozonloch in diesem Jahr so groß wird, wie im vergangenen.

Im Jahr 2006 hatte das Ozonloch Rekordgröße erreicht, obwohl die Industrieländer die Herstellung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen und der als Feuerschutzmittel verwendeten Halonen schon lange eingestellt hatten. Beide Industrieprodrodukte wurden, da sie die Ozonschicht angreifenden Elemente Brom und Chlor enthalten, im Zuge des Montreal-Protokolls verboten. Deutschland produziert beispielsweise seit 1994 keine FCKW mehr. Da die Gase sehr langlebig sind, wirkt sich eine Veränderung in der 20-25 Kilometer hoch gelegenen Stratossphäre erst mit großer Zeitverzögerung aus.

"Der Chlor- und Brom-Gehalt in der Stratosphäre hat sein Maximum vor sieben Jahren erreicht", sagt der WMO-Experte. Seither würden die Konzentrationen nur sehr langsam wieder abnehmen. "Auf jeden Fall ist noch immer genug Chlor und Brom da, um das ganze Ozon über der Antarktis zu zerstören", sagt Braathen. Der WMO-Experte glaubt, dass wir uns noch bis zum Jahr 2025 gedulden werden müssen. Erst dann könne die Heilung der Ozonschicht wirklich einsetzen.

Gletscher in der Antarktis

Das Ozonloch in der Arktis könnte 2060 wieder geschlossen sein, prognostizieren Forscher

Auch über der Arktis sind in der Vergangenheit größere Ozonverluste beobachtet wurden. Neil Harris, Leiter der europäischen Koordinierungsstelle für Ozonforschung an der Universität Cambridge in England, beobachtete gravierende und wachsende Ozonverluste, während die Stratossphäre kälter wird. Für die Abkühlung könnte der Klimawandel verantwortlich sein, da Treibhausgase wie CO2 die Wärmerückstrahlung in Bodennähe zurückhalten und diese die darüber liegende Stratossphäre nicht mehr erreichen kann.

"Wir denken, dass sich das antarktische Ozonloch um das Jahr 2060 herum wieder geschlossen haben könnte", meint Harris. "In der Arktis aber ist die Situation komplizierter. Das Wetter ist hier viel unbeständiger und prägt auch die Stratosphäre stark. Der Klimawandel hat in der Arktis deshalb einen viel größeren Einfluß darauf, wie die Situation 2060 sein wird."

Ein Eisberg schmilzt in Ost-Grönland.

Auch über der Arktis, hier Grönland, hat die Ozonschicht gravierend abgenommen

Obwohl sich der Patient also nur äußerst langsam erholt: Der Erfolg des Montreal-Protokolls zum Schutz der Ozonschicht steht außer Frage. Mehr als 190 Staaten der Erde haben es bis heute ratifiziert.

"Das Montrealer Protokoll wirkt", sagt der deutsche Ozonforscher Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. "Das ist ein beeindruckender Erfolg von internationaler Zusammenarbeit in der Umweltpolitik. Wir können sagen, dass unsere Enkel die Erholung der Ozonschicht mit Sicherheit erleben werden, wenn sich alle Vertragsstaaten an dieses Protokoll halten."

Auch das Kyotoprotokoll wurde nach dem Vorbild von Montréal entworfen. In dem einen Fall verpflichteten sich die Industriestaaten, aus der Produktion einer schädlichen Stoffklasse auszusteigen. Im anderen Fall vereinbarten sie, den Ausstoß von Treibhausgasen zu drosseln. Doch das erweist sich als ungleich schwieriger.

Ersatzstoffe für FCKW zu finden, gelang Chemikern binnen eines Jahrzehntes. Doch beim Klimaschutz sind ganz andere Kunststücke gefragt: Hier geht es darum, das Lebenselixier der ganzen Welt zu ersetzen. Die Menschheit soll sich von Öl und Gas verabschieden, fossile durch regenerative Energieträger ersetzen. Doch so, wie es aussieht, werden die Industriestaaten ihre Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll nicht einhalten können.

Am Ende könnte der Mensch vielleicht die Ozonschicht gerettet haben, das Klima der Erde aber nicht.

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