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Politik

17 Tsunami-Helfer in Sri Lanka "hingerichtet"

In Sri Lanka sind 17 Mitarbeiter einer Hilfsorganisation regelrecht hingerichtet worden. Die tamilischen Rebellen beschuldigen die Regierung. Unterdessen erlitten die Friedensbemühungen einen Rückschlag.

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Regierungssoldaten in Muttur

Im Nordosten Sri Lankas sind die Leichen von zwei weiteren Mitarbeitern der französischen Hilfsorganisation "Aktion gegen Hunger" aufgefunden worden. Dies bringe die Gesamtzahl der ermordeten Helfer auf 17, teilte die Organisation am Dienstag (8.8.) mit. Die 13 Männer und vier Frauen waren in der Küstenstadt Muttur im Einsatz. Dort haben sich srilankische Regierungstruppen und Kämpfer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in den letzten Tagen heftige Gefechte geliefert. Von den Ermordeten gehörten 16 der tamilischen Minderheit an.

Der Vorsitzende Konsortiums der Hilfsorganisationen in Sri Lanka (CHA), Jeevan Thiagarajah, hatte am Sonntagabend erklärt, die Tsunami-Helfer der "Action contre la faim" seien in der umkämpften Stadt Muttur "hingerichtet" worden. "Sie wurden in ihrem Büro gefunden, mit dem Gesicht nach unten - hingerichtet." Nach seinen Angaben ist unklar, wer für die Tat verantwortlich ist.

Armee beschuldigt

Sri Lanka - Familie in Flüchtlingscamp

Flüchtlingscamp in Kantale

Der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet bezichtigte die Armee der Tat. Das Verteidigungsministerium wies das zurück. Die Soldaten in Muttur hätten sich Gefechte mit Rebellen geliefert, aber zu keiner Zeit auf Zivilisten geschossen. Die "Befreiungstiger" hatten sich am Samstag nach tagelangen Gefechten mit der Armee wieder aus Muttur zurückgezogen. Die Gefechte in der Region dauern aber an. Beim Beschuss von Rebellenstützpunkten wurden am Wochenende mindestens 15 weitere Zivilpersonen getötet, wie es auf einer Website mit Verbindungen zur LTTE hieß. Die Armee hatte LTTE-Stellungen im Osten des Landes mit dem schwersten Artillerie-Feuer seit Tagen belegt. Die Regierung meldete unterdessen den Tod eines ranghohen Polizeioffiziers. Er sei einem Bombenanschlag zum Opfer gefallen.

Die LTTE bezeichneten den Beschuss ihres Gebiets als Kriegserklärung. "Wenn der Beschuss weitergeht, werden wir vielleicht eine defensive Haltung einnehmen müssen", sagte der politische Chef der Gruppe, S. P. Thamilselvan, am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. "Darüber ist noch nicht entschieden worden", sagte er durch einen Übersetzer. So lange der norwegische Sondergesandte Jon Hanssen-Bauer noch in der Rebellen-Hochburg Kilinochchi sei, könne noch verhandelt werden. Hanssen-Bauer sollte am Montag abreisen.

Rückschlag für Friedensbemühungen

Die Bemühungen um einen Waffenstillstand hatten jedoch am Sonntag (6.8.) einen schweren Rückschlag erlitten. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Kampf ums Wasser: Am 20. Juli hatten die LTTE die Wasserzufuhr zu mehreren Dörfern in der Nähe gekappt, die von der Regierung kontrolliert werden. Colombo reagierte mit einer Militäroffensive, die in den vergangenen zwei Wochen Dutzende Menschen das Leben gekostet hat. Nachdem die Rebellen sich zunächst bereit erklärten, die seit über zwei Wochen andauernde Blockade der Wasserzufuhr für 60.000 Menschen zu beenden, nahmen Soldaten das Gebiet erneut unter Artilleriefeuer. Das Wasserreservoir blieb daraufhin geschlossen.

Der Artillerieangriff begann genau in dem Moment, als der Chef der Mission zur Überwachung des Waffenstillstands (SLMM), Ulf Henricsson, gemeinsam mit Vertretern der Rebellen das Schleusentor öffnen wollte. Militärsprecher Upali Rajapakse erklärte, mit dem Angriff sollten die Rebellen aus dem Gebiet vertrieben werden.

Aufkündigung des Waffenstillstands?

Nur wenige Stunden zuvor hatten die Rebellen nach einem Treffen mit dem Vermittler Jon Hanssen-Bauer zugesagt, die Blockade des Stausees im Rebellengebiet im Nordosten Sri Lankas aufzuheben. Im Gegenzug müsse die Regierung allerdings die Wasserversorgung der tamilischen Bevölkerung verbessern und ihre Militäroffensive beenden.

Ein Regierungssprecher äußerte sich skeptisch zu der Ankündigung der LTTE. Die Rebellen sollten nicht nur das Schleusentor öffnen, sondern die Kontrolle über das gesamte Wasserreservoir abgeben, sagte Regierungssprecher Keheliya Rambukwella der Nachrichtenagentur AP. "Die Terroristen sollten das Gebiet verlassen."

Der 2002 vereinbarte Waffenstillstand wurde in den vergangenen Jahren immer wieder verletzt, seit Dezember ist die Gewalt jedoch zunehmend eskaliert und hat mindestens 900 Menschen das Leben gekostet. Dem Bürgerkrieg von 1983 bis 2002 fielen 65.000 Menschen zum Opfer. Zudem hat der Konflikt schätzungsweise 800.000 Menschen zu Binnenflüchtlingen gemacht. (stu)

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