Kommentar: Endlich ein Bekenntnis | Deportes | DW | 08.08.2016
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Deportes

Kommentar: Endlich ein Bekenntnis

Der Entschluss des Internationalen Paralympischen Komitees, russische Athleten von den Spielen in Rio komplett auszuschließen, ist ein Affront gegenüber dem Olympischen Komitee. Gut so, meint DW-Redakteur Matt Pearson.

Philip Craven.

Philip Craven.

Nach Wochen der Verwirrung, dem Abwälzen der Verantwortung auf andere und den vielen Verzögerungen hat endlich eine wichtige Sportinstitution den Mut gefunden, eine Entscheidung zu treffen - eine schwere, aber unumgängliche. Leider kommt der Entschluss des Internationalen Paralympischen Komitees einige Tage nachdem sein großer Bruder, das Internationale Olympische Komitee, eine gegensätzliche Richtung eingeschlagen hat.

Die zwei Organisationen, welche die gleiche Funktion inne haben, hatten dieselben Beweise vor sich liegen: die für staatlich-gelenktes Doping in Russland. Zwei derart konträre Schlussfolgerungen verhöhnen sich gegenseitig. Kein Zweifel, das IOC kommt in den Augen der Athleten, der Anti-Doping-Agenturen und der Öffentlichkeit wesentlich schlechter weg.

Thomas Bach.

Thomas Bach.

"Die 'Medaille-über-Moral-Mentalität' widert mich an"

Um die moralischen Abgründe deutlich zu machen, ist es nötig, auf die Erklärungen ihrer zwei Präsidenten zu schauen. "Tragischerweise, geht es hierbei nicht darum, dass Athleten ein System betrügen, sondern das ein staatlich-gelenktes System seine Athleten betrügt", begründet IPC-Präsident Sir Philip Craven seinen Entschluss am Sonntag.

"Ihre Gier nach Ruhm unter allen Umständen hat die Integrität und das Image des Sports schwer beschädigt.", erklärt Sir Craven weiter und endet mit deutlichen Worten, wie es sich bisher kein anderer Verantwortlicher getraut hat: "Deren 'Medaillen-über-Moral-Mentalität' widert mich an."

Thomas Bach und Wladimir Putin in Sotschi.

Thomas Bach und Wladimir Putin in Sotschi.

Verantwortung für die Athleten und Spiele übernehmen

Sir Craven ist dafür weltweit gelobt worden. Auch, weil er zu gibt, dass die Entscheidung unfair gegenüber einigen sauberen Athleten sein wird. Aber er akzeptiert, dass es der Verantwortlichkeit einer Sportinstitution obliegt, die Bedürfnisse vieler und die Integrität des Wettkampfes über die Gefühle einiger weniger zu stellen.

IOC-Präsident Bach dagegen sagte vergangene Woche: "Der komplette Ausschluss des Russischen Olympischen Komitees wurde von einigen als atomare Möglichkeit bezeichnet. Demnach müssten die unschuldigen Athleten als Kollateralschaden angesehen werden". Bach, ein enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, weiter: "Abgesehen davon, dass dieser Vergleich nicht tragbar ist, lassen Sie uns für einen Moment die Konsequenzen einer nuklearen Möglichkeit überdenken. Das Ergebnis wäre Tod und Zerstörung." Dass er mit seiner Entscheidung die olympische Idee beerdigt, scheint ihm nicht in den Sinn zu kommen.

Ein trauriges Vermächtnis des deutschen IOC-Präsidenten

Jedes Mal, wenn ein Athlet einen Dopingtest verpasst, ist dies ein Rückschlag für die Olympische Idee, für die sich das IOC mehr als jede andere Sportorganisation, für Fairplay und Respekt hochleben lässt. Wenn nun eine ganze Nation, und dann noch eine so große, seine Athleten dopt, ist es schwer, zu einer anderen Schlussfolgerung zu kommen, als dass jene Idee verkommen ist. Bis jetzt, ist dies genau Bachs Vermächtnis.

Die Paralympischen Spiele in Rio beginnen am 7. September - 287 russische Athleten aus 18 Sportarten werden nicht dabei sein. Für die, die sauber sind, ist es schwer zu ertragen. Aber für jene, die die olympsichen Idee lieben, ist es wesentlich einfacher zu akzeptieren, als der Anblick eines russischen Athleten auf dem Podium in Rio in den jetzigen drei Wochen.