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Filme

Zwischen Star Wars und Buchkunst: Regisseur J. J. Abrams

Er liebt digitale Spezialeffekte, wenn es knallt und kracht. Star Wars-Regisseur Abrams kann aber auch anders: Er experimentiert - ganz analog - mit Büchern. Das Resultat: ein Roman, der von Kreativität nur so strotzt.

Würde man in Deutschland nach den derzeit aktuellen Erfolgsgaranten Hollywoods fragen, so fielen wahrscheinlich eine ganze Menge Namen bekannter Schauspieler-Stars: Top-Verdiener Tom Cruise oder Brad Pitt, Angelina Jolie oder Jennifer Lawrence. Erfolgreiche und innovative US-Regisseure wie Christopher Nolan und David Fincher würden den Kennern des modernen Hollywood-Kinos vielleicht auch noch einfallen.

Der Name "J. J. Abrams" jedoch dürfte hierzulande viel weniger bekannt sein. Sieht man einmal ab von eingefleischten Fans, die sich auch für die Macher von Blockbustern wie "Star Trek" oder "Mission: Impossible" interessieren, die J. J. Abrams schon inszenierte. Auch dort stehen meistens die Special Effects und die neusten Trends hypermoderner Computeranimation im Vordergrund. Vermutlich auch noch die Darsteller, die sich in diesen Zukunfts- und Abenteuerszenerien bewegen. Nicht aber die Regisseure.

Ein Regisseur taucht aus dem Dunkeln auf

Für Fans der "Star Wars"-Saga, die jetzt den siebenten Teil des Weltraum-Epos "Das Erwachen der Macht" heiß und innig erwarten, ist der Name des Regisseurs möglicherweise auch nur eine Randnotiz - Obi-Wan Kenobi oder Han Solo sind da viel wichtiger. Aber wer ist dieser J. J. Abrams?

Er gilt in Hollywood schon seit rund 20 Jahren als überaus erfolgreich. Doch weil der 1966 in New York geborene und in Los Angeles aufgewachsene US-Amerikaner auf so vielen unterschiedlichen Feldern mitmischt und Abrams keiner ist, der sich auf dem roten Teppich in den Vordergrund drängelt, ist der Mann einer der "großen Unbekannten" des US-amerikanischen Filmgeschäfts.

Mission Impossible III - Filmszene (Foto: Mary Evans Picture Library)

Abrams ließ es schon in "Mission Impossible III" kräftig knallen

Begonnen hat Abrams zu Beginn der 1990er Jahre als Drehbuchautor. Für Harrison Ford schrieb er bereits 1991 das Buch für dessen Anwalts-Thriller "In Sachen Henry". 1998 wurde der von Abrams geschriebene Weltraum-Katastrophenfilm "Armageddon" ein Kassen-Hit. Große Erfolge hatte Abrams auch mit seinen Drehbüchern für die TV-Serien "Felicity", "Alias" und vor allem "Lost". Letztere schildert die Abenteuer einer Gruppe von Menschen, die nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel in allerlei mysteriöse Geschehnisse hineingezogen werden.

J. J. Abrams: Sprung auf den Regiesessel

Neben dem Drehbuchschreiben begann J. J. Abrams auch TV-Serien und Kinofilme zu produzieren. 2006 inszenierte er dann erstmals auch einen großen Kinofilm. Weil Superstar Tom Cruise einen Regisseur für den neusten Teil seiner "Mission: Impossible"-Reihe suchte und ihm Abrams' TV-Serien so gut gefielen, fragte er bei ihm nach. Der sagte zu, "Mission: Impossible III" spielte anschließend viele Millionen Dollars ein.

J. J. Abrams habe dem Blockbuster-Kino neues kreatives Leben eingehaucht, meinten damals viele Experten - was zur Folge hatte, dass der Amerikaner auch für Kino-Folgen der "Star Trek"-Saga (Raumschiff Enterprise) als Regisseur verpflichtet wurde. Jetzt also auch noch "Star Wars".

Filmszene aus Star Wars VII (Foto: Disney/Lucasfilm)

Auch im neuesten "Star Wars"-Film gibts viele digitale Explosionen auf der Leinwand

J. J. Abrams hat sich inzwischen den Ruf erarbeitet, große, schon etwas angegraute Hollywood-Blockbuster mit neuem Leben zu erfüllen, dabei künstlerische Impulse zu setzen und gleichzeitig kommerziell erfolgreich zu sein. Kein schlechtes Zeugnis in der US-Kinometropole, die nach Erfolg, aber auch neuen Ideen lechzt.

J. J. Abrams und die Geschichte eines wundersamen Buches

Vor zwei Jahren dann auch noch das: In den USA erschien ein Buch, das vom Kritiker der "New York Times" als "das schönste Buch", das er "je gesehen habe", vorgestellt wurde. Der Roman mit dem Titel "S" ist kurz vor dem Start des neuen "Star Wars"-Films auch in Deutschland erschienen. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde es schon als Vorreiter einer historischen Gegenbewegung auf dem von der Digitalisierung und dem E-Book bedrohten Buchmarkt gefeiert.

Buchcover: Das Schiff des Theseus (Foto: Verlag KIWI)

Ein Wunderwerk der Buchdruckkunst: "Das Schiff des Theseus" von J. J. Abrams und Doug Dorst

"S" ist tatsächlich ein Wunderwerk moderner Buchdruckkunst. Eigentlich sind es drei Bücher in einem. J. J. Abrams hat den schwergewichtigen Roman gemeinsam mit dem US-amerikanischen Schriftsteller Doug Dorst herausgebracht. Beide verstecken sich allerdings hinter dem fiktiven Autorennamen V. M. Straka und dessen Roman "Das Schiff des Theseus". Angeblich hält der Leser also einen Roman des geheimnisumwitterten Schriftstellers Straka in den Händen. Erzählt wird in der Tradition von Autoren wie Edgar Allen Poe oder Jules Verne eine klassische Abenteuer-Story eines Mannes, der sein Gedächtnis verloren hat und in einen Strudel geheimnisvoller wie gefährlicher Ereignisse gerät. Das ist die erste Ebene des Buches.

"Das Schiff des Theseus": Experiment in Sachen Buchdruck

Doch Abrams und Dorst haben den Roman auch als pseudo-wissenschaftliche Edition gestaltet: Der Text wird von einem (ebenfalls fiktiven) Herausgeber mit zahlreichen Anmerkungen begleitet.

Als dritte Textebene hat das Autoren-Duo das Buch mit unzähligen handschriftlichen und zum Teil farbigen Kommentaren versehen. Ein Studentenpärchen unterhält sich in diesen neben dem eigentlichen Text abgedruckten Anmerkungen über das Romangeschehen, schweift aber auch ab, kommentiert dieses und jenes. Die beiden kommen sich näher, flirten miteinander, machen das Buch so zu einem Sammelsurium aus Textbausteinen, Verweisen und Kommentaren.

Buchseiten von: Das Schiff des Theseus (Foto: Verlag KIWI)

Sogar eine beschriftete Serviette fällt aus dem Band

Zurück ins analoge Zeitalter: "S./Das Schiff des Theseus"

Das Ganze wird gekrönt vom Einfall der Herausgeber, den dicken Band zusätzlich noch mit Ansichtskarten, Notizzetteln und anderen Papieren zu bestücken. Sogar eine bekritzelte Serviette findet sich in jeder Buchausgabe des Romans. Zudem sind Bucheinband und die einzelnen Seiten auf Alt getrimmt, fleckig und vergilbt. Auf dem hinteren Buchumschlag ist ein Leihfrist-Stempel einer Bibliothek abgedruckt.

Herausgekommen ist so also eine Art Gesamtkunstwerk: Ein Buch, das mit dem Medium spielt, das den Leser auf viele unterschiedliche Arten einlädt, einzusteigen in ein Universum aus Literatur und Buchkunst. Dass dieses seltsame wie faszinierende Buchexperiment ausgerechnet aus der Feder eines erfolgreichen Hollywood-Regisseurs stammt, dessen "Star Wars"-Episode nur so strotzt mit computeranimierten, digitalen Spezialeffekten, ist bemerkenswert. Und sollte ein weiterer Grund sein, auch in Zukunft die Karriere dieses J. J. Abrams aufmerksam zu verfolgen.

J. J. Abrams/Doug Dorst: "S"/"V.M.Straka: Das Schiff des Theseus", in Deutschland beim Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen, 524 Seiten im Schuber, ISBN 978-3-462-04726-4. Der neueste Regie-Streich des Regisseurs "Star Wars VII - Das Erwachen der Macht" feierte am Montag (14.12.) in den USA Weltpremiere und startet am Donnerstag (17.12.) in den deutschen Kinos.

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