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Filme

Zwischen Kinoregie und Kunstinstallation: Peter Greenaway wird 75

Greenaway begann beim Film, wandte sich dann aber mehr und mehr anderen Künsten zu. Wir blicken zurück - auf einen aufregenden Filmregisseur der 1980er Jahre und einen anregenden Welt-Künstler mit großem Anspruch.

Die 1980er Jahre waren sein Jahrzehnt. Exakt von 1982 bis 1989, mit genau fünf Filmen, stand Peter Greenaway ganz oben auf dem Kino-Olymp. In diesem Jahrzehnt zählte der Brite zu den großen Namen des Films. Die Zuschauer, zumindest der aufgeschlossene, intellektuelle Teil des Publikums, begeisterten sich an den kühnen und klugen filmischen Visionen des Briten.

Greenaways Filme wurden immer verkopfter

Doch plötzlich war es vorbei mit dem Zauber. Genauso überraschend wie Greenaway 1982 auf der internationalen Kinobühne aufgetaucht war, genauso tief war sein Absturz im folgenden Jahrzehnt - zumindest aus dem Blickwinkel der eingefleischten Cineasten. Es ist nicht so, dass Greenaway aufgehört hätte Filme zu inszenieren, doch diese waren plötzlich nicht mehr angesagt. Die Kritiker, die ihm zuvor noch begeistert gefolgt waren, fanden sein Kino nun verkopft und intellektuell überfrachtet. Und auch sein Publikum wurde immer überschaubarer.

Peter Greenaway und seine Frau bei der Ausstellung «Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen» (picture-alliance/dpa/M. Gambarini)

Peter Greenaway und seine Frau bei der Ausstellung "Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen" 2015 in Berlin

Es hat wohl selten einen Kinoregisseur nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben, der für so einen fest umrissenen Zeitraum so groß und angesehen war, der dann aber später kaum noch eine Rolle spielte. Greenaway selber wird das natürlich anders sehen. Er wandte sich ganz bewusst ab vom herkömmlichen Kino. Wobei "herkömmlich" bei Greenaway immer schon eine relative Größe war. Auch seine Erfolgsfilme wie "Der Kontrakt des Zeichners", "Der Bauch des Architekten" oder "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" waren ja alles andere als konventionell erzähltes Kino. Mit Mainstream hatte der Brite nie etwas zu schaffen.

Interesse am doppelten Boden des Kinos

"Greenaway ist im Grunde ein Modernist, der sich den Schafspelz der Postmoderne umgehängt hat", charakterisierte der Filmwissenschaftler Thomas Elsässer den Briten einmal. Der am 5. April 1942 in Newport, Wales, geborene Peter Greenaway war immer an den doppelten Böden des Kinos interessiert: "Mich interessiert, woraus das Vokabular des Kinos besteht. Und letztendlich interessiert mich wohl in Anbetracht der neuen technischen Möglichkeiten und der offenbaren Gebrechlichkeit der alten, wie wir das Kino neu erfinden können."

Deutschland, Berlinale 2015 Peter Greenaway (DW/E. Usi)

Greenaway bei der Berlinale mit seinen Darstellern Elmer Bäck und Luis Alberti aus dem Eisenstein-Film

Vom Ende des Kinos raunte der Regisseur später auch und präsentierte im letzten Vierteljahrhundert seine Vorstellungen von Kunst, in der das Kino nur noch eine Nebenrolle einnahm. Aufwendige Installationen, Kunst und Film, Malerei und Musik, alte Kultur und neue Techniken, das wurde bunt gemixt in den nun entstehenden Gesamtkunstwerken des Konzept-Künstlers Peter Greenaway.

Rückkehr zum Kino?

Die Cineasten hatten sich da schon lange abgewandt von dem philosophierenden Künstler auf dem Regiesessel. Ein internationales, sehr intellektuelles Kunstpublikum wurde zu seinem neuen Klientel. Dass Greenaway aber doch nicht ganz vom "alten" Medium Film lassen kann, wurde vor zwei Jahren bei den Berliner Filmfestspielen sichtbar, als er seinen Spielfilm "Eisenstein in Guanajuato" präsentierte - eine Verbeugung vor einem klassischen Filmregisseur, dem großen Russen Sergej M. Eisenstein.

 

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