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Asien

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Der Taifun Haiyan hat nicht nur Häuser umgeworfen und Bäume entwurzelt. Hunderttausenden hat er die Lebensgrundlage genommen. Viele Menschen müssen nun wieder bei Null anfangen.

Auf der Hühnerfarm von Robert Almodia hört man kein Gackern mehr. In engen Käfigen sitzen seine Tiere in der Sonne und rühren sich kaum. Zu heiß ist es eigentlich für die Hühner, das weiß auch Almodia. "Der Taifun hat unsere Ställe zerstört. Wir konnten die Käfige nur notdürftig abdecken", erklärt er.

Almodia hatte einmal 80.000 Hühner. Ein Drittel davon hat den Taifun nicht überlebt. "Und der Rest stirbt auch langsam, vor Stress und wegen der Sonne." Eigentlich würde Almodia gerne sofort seine Ställe im Örtchen San Augustin auf der Insel Bantayan wieder aufbauen, aber an Baumaterial kommt er derzeit nicht, die Nachfrage ist zu groß.

Kampf ums Überleben

Robert Almodia, Hühnerfarmbesitzer auf den Philippinen (Foto: Peter Hille/DW)

Robert Almodia würde seine Hühnerfarm am liebsten sofort wieder aufbauen

Zumindest genug Hühnerfutter hat er noch in der Lagerhalle, deren Wellblechdach glücklicherweise nicht fortgerissen wurde. Aber weil die meisten Bauern auf der Insel ihre Vorräte verloren haben, ist er jetzt darauf angewiesen, Futter von der großen Nachbarinsel Cebu per Schiff kommen zu lassen, und das kann auf Dauer teuer werden. In der Lagerhalle sortieren seine Arbeiter gerade die heute gelegten Eier nach Größe. Sie zählen nur wenige Tausend, ein Bruchteil der Menge vor dem Sturm.

Trotzdem hat Almodia seinen Mut noch nicht verloren. Auch wegen seiner 50 Arbeiter möchte er weiter machen, so sagt er. "Wir werden überleben. Nach und nach werden wir unsere Farm wieder aufbauen."

Verlorenes Paradies

Gefällte Bäume eines Trobenwaldes (Foto: Peter Hille/DW)

Bantayan war einmal ein kleines Touristenparadies

Nur wenige Kilometer südöstlich von Almodias Farm erstreckt sich weißer Sandstrand. Wasser und Himmel strahlen blau. Dahinter beginnt ein Wald aus Kokospalmen, schlanke Bäume. Viele Palmen allerdings hat der Sturm umgeworfen und entwurzelt. Von einigen ragt nur noch die Hälfte des Stamms Richtung Himmel, der Taifun hat sie auf halber Höhe abgeknickt.

Bantayan war einmal ein kleines Touristenparadies. Nicht viele Menschen kamen vor dem Sturm hierher, um Urlaub zu machen. Für die Einwohner allerdings waren die Besucher eine wichtige Einkommensquelle, neben der Eierproduktion und dem Fischfang. Im Städtchen Santa Fe im Süden der Insel kamen sie gerne ins "Caffe del Mare", wo Hariette Carnabucis Nudelgerichte guten Absatz fanden. "In der Hochsaison während des europäischen Winters von November bis Januar war es hier voll", erzählt die junge Philippinerin, die das Restaurant gemeinsam mit ihrem italienischen Mann betreibt.

Weiter, trotz Taifun

Viele Wasserflaschen (Foto: Peter Hille/DW)

Wasser muss auf die Insel Bantayan gebracht werden

Jetzt sitzen nach Sonnenuntergang immerhin drei Gäste auf den Bambushockern an der Bar, hinter der Carnabuci steht. Ein paar Glühbirnen, vom Generator angetrieben, erhellen ihr Gesicht. "Es gibt kein fließendes Wasser hier, keinen Strom und es sieht nach Zerstörung aus." Das müsse man schnell ändern, damit wieder Ausländer kämen. Wolfgang Knabe ist nicht nur hierher gekommen, er ist sogar nach dem Sturm geblieben. Seit zwei Jahren lebt der Rentner auf Bantayan, eigentlich kommt er aus Frankfurt. Im Caffe del Mare erzählt er, dass auch Haiyan ihn nicht vertreiben wird. "Man wurde nie mehr gebraucht als jetzt", sagt er und entschuldigt sich dafür, dass er einen Moment innehalten muss, um die Tränen zu unterdrücken. Derzeit unterstützt er Hilfsorganisationen auf der Insel, am Vortag habe man gemeinsam 3500 Portionen Essen ausgeteilt. "Es ist schön zu sehen, dass die Leute wieder anfangen. Man hört überall schon wieder die Hämmer; die Nägel werden ins Holz getrieben."

Keine Arbeit, keine Motivation

Jugendliche Philippinnen (Foto: Peter Hille/DW)

Warten auf Hilfe: Jugendliche auf den Philippinen

Doch die Aufräumarbeiten sind auf Bantayan noch nicht abgeschlossen, vom Wiederaufbau ganz zu schweigen. Auf den asphaltierten Straßen ist der Verkehr zwar wieder voll im Gange. Auf den kleineren Wegen jedoch ragen immer noch Baumstämme auf die Fahrbahn, und Nägel und Scherben sorgen für Zwangspausen. So dauert es länger als geplant, bis der Ort Madridejos an der Nordspitze der Insel in Sicht kommt. Auch hier haben noch längst nicht alle Häuser wieder ein Dach, auch hier liegt die Wirtschaft, schwach schon vor dem Sturm, am Boden.

An der Straße sitzt eine Gruppe Jugendlicher im Schatten. Wortführer Michael Babaylo bestätigt, dass es auch hier weder Wasser noch Strom gibt. "Wir haben keine Arbeit, nicht genug Baumaterialien", so erzählt er. "Deshalb werden wir jetzt erst einmal hier sitzen und warten, bis der nächste Hilfstransport kommt."

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