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Politik

Zwischen den Konflikten

In Camp David wollen US-Präsident Bush und Jordaniens König Abdallah II. über den Irak und den Nahost-Konflikt beraten. Peter Philipp beleuchtet aus diesem Anlass die schwierige Rolle Jordaniens in Nahost.

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Abdallah II. ersucht amerikanische Unterstützung bei Präsident Bush

Der jordanische Monarch König Abdallah II. wird bei seinen Gesprächen mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush auf dem Präsidenten-Landsitz in Camp David am 18. und 19. September versuchen, die Früchte seiner Solidarität mit den USA zu ernten. Diese Solidarität führte unter anderem dazu, dass das offizielle Jordanien trotz breiter Sympathien in der Bevölkerung für Saddam Hussein - oder doch zumindest einer verbreiteten Stimmung gegen einen amerikanischen Angriff auf den Irak - sich klar auf die Seite Washingtons schlug. Jordanien diente amerikanischen Einheiten als Basis für deren Operationen im Irak und beherbergt auch jetzt noch rund 3000 GIs, darunter "Special Forces".

Gleichzeitig unterstützte und unterstützt Jordanien - mit einer palästinensischen Bevölkerungsmehrheit - die in letzter Zeit gefährdeten Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern. Und es war kein Zufall, dass die Parteien sich Anfang Juni im jordanischen Rotmeerhafen Akaba trafen, um die Befolgung der "road map" zu beschließen - der "Straßenkarte zum Frieden", die von Amerikanern, Europäer, Russen und Vereinten Nationen propagiert worden war.

Liberal aber pragmatisch

Unter König Abdallah blieb das Haschemitenreich damit der Rolle treu, die es bereits unter Abdallahs Vater, Hussein, gespielt hatte: Gemäßigt, einigermaßen liberal, aber auch pragmatisch. In die letzte Kategorie gehört das Verhältnis zwischen Amman und Bagdad zur Zeit Saddam Husseins: Obwohl Jordaniens Führung kaum Sympathien für den Diktator zeigte, war das Land doch lange Jahre wichtigster Nachschub- und Versorgungsweg für den Irak. Und es diente ihm als Tor zur Welt, als es keinen Flugverkehr in den Irak gab und die meisten anderen Grenzen geschlossen waren.

Für Jordanien zahlte sich dies auch aus: Aus dem Irak erhielt es täglich 100.000 Barrel Erdöl - die eine Hälfte geschenkt, die andere zum Vorzugspreis -, der in jordanischen Exporten statt in Devisen entrichtet wurde. Diese Exporte und der Erlös aus dem Weiterverkauf irakischen Erdöls brachten Jordanien jährlich eine halbe Milliarde Dollar ein. Mit dem Irakkrieg ging dies zu Ende und in Amman sieht man mit Bangen dem Tag entgegen, an dem auch die bisher kostenlosen Ersatzlieferungen aus verschiedenen Golfstaaten aufhören.

"Ausgewogene Kritik"

Washington hat Jordanien zwar eine knappe Dreiviertel Milliarde Dollar als Hilfe zugesagt, in Amman weiß man aber, dass solche Hilfszusagen nur ein Tropfen auf den heißen Stein und - vor allem - nur von begrenzter Dauer sind. Als "Konfrontationsstaat" hatte Jordanien vor seinem Friedensschluss mit Israel (1994) immer wieder Hilfszusagen anderer arabischer Staaten erhalten, von denen dann aber nur ein kleiner Teil eingehalten wurde.

Und als es sich voll hinter den Friedensprozess stellte, da gratulierte man Jordanien zwar im Westen und auch in den USA - vergass das Land dann aber auch wieder: Die Wirtschaftshilfe, die in der Zeit nach Oslo in den Nahen Osten floss, ging in erster Linie an die Palästinenser. Und das, obwohl Jordanien eine palästinensische Bevölkerungsmehrheit hat und selbst immer unter dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu leiden hatte. Jordanien hatte auch die Folgen des Kuwait-Krieges zu tragen, weil es einen Großteil der von dort ausgewiesenen Palästinenser aufnehmen und integrieren musste. An sich schon eine schwere Aufgabe, die noch erschwert wurde dadurch, dass die monatlichen Überweisungen dieser Menschen ausblieben, die in Kuwait zuvor viel besser verdient hatten.

König Abdallah hat deswegen jeden Grund, sich für eine Regelung zwischen Israelis und Palästinensern einzusetzen. Unter anderem, indem er sein Land mehr als bisher in den stagnierenden Friedensprozess - vielleicht auch als Vermittler - einzubringen versucht. Immer in der Hoffnung, hiermit nicht nur den Konflikt selbst zu lösen, sondern auch die verheerenden Folgen zu lindern, die dieser Konflikt immer wieder auch für Jordanien hatte.

In der gegenwärtigen Phase des Nahost-Konflikts versucht Jordanien sich denn auch mit "ausgewogener Kritik" an Israelis wie Palästinensern: Sie hätten beide nicht genug getan, um die "road map" zum Erfolg zu führen. Gegenüber Washington ist man zurückhaltender, aber Jordanien ist auch über die mangelnde amerikanische Unterstützung für den Friedensprozess enttäuscht. Das aber wird George W. Bush kaum von seinem Gast zu hören bekommen. Denn dieser will - und muss - sich ja verstärkter amerikanischer Unterstützung versichern. König Abdallah dürfte wissen, dass Kritik an Washington dazu kaum der richtige Weg ist.

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