1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Amerika

Zweikampf in Florida

Der vierte Vorwahlkampf der Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur findet in Florida statt - einem Bundesstaat, der repräsentativ für das gesamte Land ist. Mitt Romney und Newt Gingrich kämpfen um die Wähler.

Die republikanischen Kandidaten Newt Gingrich und Mitt Romney kämpfen um Wählerstimmen (Foto: Christina Bergmann)

Kopf an Kopf Rennen: Newt Gingrich (r.) und Mitt Romney kämpfen um jede Stimme

Es geht um viel im Sonnenscheinstaat Florida. 50 Wahlmännerstimmen im Kampf um die Nominierung der republikanischen Partei sind zu vergeben. Der Gewinner der Vorwahl bekommt sie alle. "The Winner takes it all" heißt die Regel, die hier gilt. Kein Wunder, dass in dieser vierten Vorwahl mit harten Bandagen gekämpft wird. Von den vier verbliebenen Kandidaten wird der Kampf um die Spitze zwischen dem vor allem von den konservativen Evangelikalen geliebten Newt Gingrich und dem liberaleren Mitt Romney ausgetragen.

Carol und Clyde Crumpler, bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Republikaner (Foto: Christina Bergmann)

Carol und Clyde Crumpler unterstützen den Wahlkampf von Newt Gingrich

Carol Crumpler und ihr Mann Clyde sind zu einer Wahlkampfveranstaltung von Newt Gingrich in den Hangar eines Luftfahrtunternehmens am Rande des Flughafens von Tampa gekommen. Carol hat gerade einen Button mit dem Konterfei von Newt Gingrich erstanden und sich an ihr rot-weiß gestreiftes Oberteil gesteckt. Gingrich sei der qualifizierteste Kandidat sagt sie, und empört sich über die Angriffe gegen ihn. "Ich hoffe, dass er gewinnt, aber ich weiß durch die vielen Postkarten und Briefe, die sie mir schicken, dass viel Müll über ihn im Umlauf ist und dass er es schwer hat, dagegen anzukommen, weil er nicht so viel Geld wie Romney hat."

"Macht des Volkes gegen die Macht des Geldes"

Auch Newt Gingrich selbst beschwert sich über die Kampagne "voller Lügen" seines Rivalen. Gleichzeitig präsentiert er sich als die konservative Alternative mit viel politischer Erfahrung. Seine beiden Vorredner an diesem Tag sind Michael Reagan, Sohn von Präsident Ronald Reagan, der Republikaner-Ikone, und Herman Cain, der Tea-Party-Liebling, der ebenfalls Ambitionen auf die Kandidatur hatte, bevor ihn mehrere Frauen bezichtigten, sie in der Vergangenheit sexuell belästigt zu haben. Mitt Romney, erklärt Gingrich, sei zu liberal, um gegen Barack Obama zu gewinnen, und gibt sich optimistisch. "Ich liebe die Macht des Volkes und nicht des Geldes und ich glaube, die Macht des Volkes wird gewinnen."

Mitt Romney darf mit der Unterstützung der Führung seiner Partei rechnen (Foto: Reuters)

Gute Aussichten für Mitt Romney

Doch könnte Romney, der Multimillionär und ehemalige Gouverneur von Massachusetts, nach den jüngsten Umfragen hier im Sonnenscheinstaat gewinnen. Er kann unter anderem auf die Unterstützung der Führung der republikanischen Partei setzen, die mit Gingrich, der in Washington viel verbrannte Erde hinterlassen hat, eine Wahlschlappe fürchtet. Romney spürt, dass er Oberwasser hat und macht sich bei einem seiner Wahlkampfauftritte ebenfalls in Tampa über seinen Rivalen lustig: "Sprecher Gingrich ist nicht besonders begeistert in diesen Tagen, ich weiß, das ist traurig: Er rudert ein bisschen hilflos mit den Armen."

Florida - der umkämpfte Wechselstaat

Dabei sah es nach Gingrichs Sieg in dem Südstaat South Carolina zunächst nach einem Durchmarsch auch in Florida aus. Rick Santorum, dem Erzkonservativen, der in Iowa gewann, werden hier keine Chancen auf einen ersten Platz eingeräumt, ebenso wenig dem libertären Ron Paul, der noch kein Rennen gewonnen hat. Denn was bei den pragmatischen Floridianern zählt, erklärt Professor Susan MacManus von der Universität Süd-Florida vor ausländischen Journalisten, sind die Chancen gegen Barack Obama. Dafür aber sind auch die Stimmen der Unabhängigen notwendig und: "Unabhängige tendieren eher zu Romney als Gingrich." Die "cleveren republikanischen Wähler Floridas" würden das berücksichtigen.

Florida ist ein bisschen wie die USA im Kleinen, erklärt die Politikwissenschaftlerin weiter. Weder Republikaner noch Demokraten haben hier eine eindeutige Mehrheit: "Wir sind groß, vielfältig, umkämpft - ein Wechselstaat." Auch demografisch ähnelt Florida dem ganzen Land: Die Weißen machen hier zwar die größte Bevölkerungsgruppe aus, aber Lateinamerikaner sind mit 16 Prozent vertreten, Afro-Amerikaner mit 12 Prozent, Asiaten mit fünf Prozent. "Die Republikaner in Florida verstehen", so MacManus, "dass kein Kandidat das Weiße Haus gewinnen kann, wenn er Florida nicht gewinnt."

Lateinamerikaner sind ein wichtiger Faktor

Noch schlimmer als im Rest des Landes ist allerdings die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote lag lange über zehn Prozent, noch immer beträgt sie 9,9 Prozent, im Vergleich zu 8,5 Prozent landesweit. Bei der Zahl der zwangsversteigerten Häuser, erklärt MacManus, liege Florida noch immer unter den fünf mit den höchsten Zahlen. "Ich habe keine Meinungsumfrage in den letzten drei Jahren in Florida gesehen, wo die Wirtschaft oder ein finanzpolitischer Aspekt nicht dominierend war."

Besonders heftig hat es - wie überall im Land - die Latinos getroffen. Sie sind machen elf Prozent der republikanischen Wähler aus, ihre Zahl wächst. Sie hielten die "Zukunft der Partei in ihren Händen", so MacManus. Doch sind sie keine homogene Gruppe, erklärt die Professorin: "Latino-Gruppen, die eher republikanisch wählen, kommen aus Kuba, Kolumbien und Nicaragua, und stellen hier um Tampa die größere Anzahl; Mexikaner und Puerto-Ricaner neigen eher zu den Demokraten."

Demokraten und Republikaner könnten Stimmen bei "Latinos" holen

Patrick Manteiga, Redakteur und Herausgeber der englisch-spanisch-italienischen Zeitung La Gaceta (Foto: Christina Bergmann)

Patrick Manteiga, Herausgeber der englisch-spanischen Zeitung "La Gaceta"

Patrick Manteiga ist Redakteur und Herausgeber der englisch-spanisch-italienisch-sprachigen Zeitung "La Gaceta". Sein Großvater ist 1913 aus Kuba eingewandert. Manteiga ist Demokrat - im Konferenzraum der Zeitung hängt eingerahmt sein Ticket für die Inauguration von Präsident Obama. Die Migrationserfahrungen der verschiedenen Latino-Gruppen seinen höchst unterschiedlich. "Und das bedeutet, dass es sehr schwierig ist, die lateinamerikanischen Wähler zu erreichen," sagt er. Es bedürfe "Zeit, Geduld und harter Arbeit", etwas, "was die Präsidentschaftswahlkämpfer nicht haben." Die Demokraten seien bisher nicht in der Lage gewesen, die Puerto-Ricaner zu einer verlässlichen Größe für sich zu machen. Die Republikaner würden sich vor allem auf die Exil-Kubaner konzentrieren.

Der Unternehmer Henry Gonzalez gehört zu dieser Gruppe, wenn auch in dritter Generation. Seine Großeltern kamen aus Kuba. Er werde vermutlich Mitt Romney wählen, erklärt er pragmatisch: "Newt Gingrich spricht eher den Durchschnittsbürger an, aber seine Vergangenheit ist zu belastet." Mitt Romney sei ein bisschen abgehoben, aber er könne Barack Obama schlagen. Die scharfen Ansichten der Kandidaten in Sachen Immigration gefallen ihm nicht - aber sie spielten auch keine besondere Rolle, erklärt er. Die Wirtschaftslage sei es eben, die alle hier beschäftige.

Ein langer Kampf?

Im Flugzeug-Hangar meint Gingrich-Anhängerin Carol Crumpler, der Polit-Profi werde wohl zweiter werden. Aber das sei immer noch gut, eben weil es schwer sei, in Florida ohne viel Geld zu gewinnen. Sie hofft, dass Gingrich weitermacht – bis zum Parteitag im August, auch um es dem republikanischen Establishment zu zeigen. "Die Leute mit dem vielen Geld, das ist das republikanische Establishment, das ich meine, " erklärt sie. Gegen Leute an der Basis wie Carol und ihr Mann würde Gingrich sich nicht wenden, im Gegenteil, er würde für sie kandidieren.

Carol Crumpler ist nicht die einzige auf der Wahlkampfveranstaltung in Tampa, die es auf eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag ankommen lassen würde, wenn also weder Gingrich noch Romney die nötige Zahl der Delegiertenstimmen erreichen. Dann müssten beide Kandidaten wieder nach Florida zurückkommen. Der Parteitag im August findet ebenfalls in Tampa statt.

Autorin: Christina Bergmann, Tampa, Florida

Redaktion: Sonila Sand

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema