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Welt

Gingrich besiegt Romney in South Carolina

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hat der Favorit Mitt Romney eine herbe Niederlage einstecken müssen. In der Vorwahl in South Carolina kam Newt Gingrich auf den ersten Platz.

Newt Gingrich und Anhänger (Foto: REUTERS)

Nahm seinem Konkurrenten die Führung ab: Newt Gingrich

Newt Gingrich und Ehefrau Callista (Foto: AP/dapd)

Newt Gingrich (mit Ehefrau Callista) gab sich versöhnlich

Newt Gingrich hat es tatsächlich geschafft: Innerhalb einer Woche ist es dem ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses gelungen, Mitt Romney die sicher geglaubte Führung bei den Vorwahlen in South Carolina abzunehmen. Zwei starke Auftritte bei den Fernsehdebatten in der vergangenen Woche und eine intensive Wahlkampagne in den letzten Tagen in dem Südstaat bescherten ihm einen deutlichen Sieg. Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, wurde Zweiter, der erzkonservative Rick Santorum Dritter und der libertäre Ron Paul Letzer in dem noch verbliebenen Kandidatenfeld.

In seiner Siegesrede gab sich der 68-Jährige versöhnlich und gratulierte allen seinen Konkurrenten – auch Mitt Romney. Dieser sei ein "gutes Beispiel für Amerika: hart arbeitend, sehr erfolgreich, er kann organisieren und hat einen hervorragenden Job (als Organisator der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City) gemacht", sagte Gingrich. Das hörte sich ganz anders an als vor dem Wahltag, als er Romneys Vergangenheit als Manager eines Private-Equity-Fonds heftig kritisiert hatte.

Romney greift Gingrich an

Mitt Romney mit Familie (Foto: REUTERS)

Angriff gegen Gingrich: Mitt Romney

Mitt Romney griff Gingrich in seiner Rede am Abend auch deswegen an. "In den letzten Wochen", so Romney, "haben wir einen Frontalangriff auf das freie Unternehmertum gesehen". Das habe man von Präsident Obama erwartet, aber nicht aus den Reihen der Republikaner. "Das ist ein Fehler für unsere Partei und für unsere Nation", fuhr er fort, denn die Republikaner seien die Partei "des freien Unternehmertums und des freien Marktes, in der die Verbraucher freie Wahl haben". Die Republikanische Partei würde "Wohlstand nicht dämonisieren, sondern Erfolg feiern".

Dieser direkte Angriff Romneys auf Gingrich stand in starkem Kontrast zu seiner Ansprache nach seinem Gewinn in New Hampshire, wo er sich siegessicher und präsidial gegeben hatte und ausschließlich Präsident Barack Obama kritisierte. Jetzt präsentierte er Newt Gingrich als einen Kandidaten, der Obama in der Präsidentschaftswahl nicht schlagen könne.

Gingrich zieht Kontrast zu Obama

Die mehrheitlich konservativen Wähler in South Carolina sahen das aber offensichtlich anders und ließen sich auch nicht von den jüngsten Enthüllungen über Gingrichs Privatleben – er ist in dritter Ehe verheiratet – beeindrucken. So war es diesmal an Gingrich, den Kontrast zum amtierenden Präsidenten zu zeichnen. Die Amerikaner hätten die Wahl zwischen "zwei Amerikas": "Das Amerika der Unabhängigkeitserklärung und das Amerika (des linken Bürgerrechtlers) Saul Alinskys, das Amerika von Lohnzetteln und das von Lebensmittelkarten, das von Unabhängigkeit und von Abhängigkeit, das Amerika außenpolitischer Stärke und das außenpolitischer Schwäche." Obama werde in seiner zweiten Amtszeit noch "radikaler" sein, erklärte Gingrich und bezeichnete "Obamas Amerika" als "säkulares, bürokratisches, sozialistisches System nach europäischen Stil", das im Gegensatz stehe zu dem historischen Amerika, das "mehr Menschen verschiedenster Herkunft Chancen gegeben hätte als jedes andere Land".

Anhänger von Newt Gingrich (Foto: REUTERS)

Die Wähler in South Carolina ließen sich nicht von den jüngsten Enthüllungen über Gingrichs Privatleben beeindrucken

Gingrich, der als gewiefter Taktiker gilt, hatte seine Wahlkampfstrategie ganz auf South Carolina ausgerichtet. Er hatte die Republikaner 1994 in den Kongresswahlen zum Erfolg geführt und den Demokraten damals während der Präsidentschaft von Bill Clinton die Mehrheit im Repräsentantenhaus abgenommen. Sein umstrittener Führungsstil führte aber vier Jahre später dazu, dass er von dem Amt zurücktreten musste. In republikanischen Führungskreisen gibt es viel Kritik an dem 68-Jährigen und große Skepsis, ob er gegen Präsident Obama eine Chance hat.

Santorum denkt voraus, Paul bleibt drin

Der erzkonservative Rick Santorum, der sich bisher als konservative Alternative vor allem zu Gingrich und Romney präsentiert hatte, schlug diesmal in seiner Rede neue Töne an und gab sich populistisch: "So gerne wir auch als Konservative sagen, wir müssen nur die Steuern senken und Ausgaben reduzieren und alles wird gut – das stimmt nicht." Der ehemalige Senator aus Pennsylvania, einem Staat mit einem hohen Anteil an Arbeitern, erklärte: "Wir müssen eine Atmosphäre in diesem Land schaffen, in dem die Menschen die Ausbildung und das Training bekommen, das sie brauchen." Möglicherweise will sich Santorum damit als Vizepräsidentschaftskandidat empfehlen, mit dem man auch liberale und unabhängige Wähler gewinnen kann.

Ron Paul, der libertäre Abgeordnete aus Texas, und letztplatzierte, versprach seinen Anhängern, im Rennen zu bleiben, um seinen Anliegen weiter Gehör zu verschaffen. Dazu gehört unter andere die Abschaffung der US-Notenbank Fed, eine Kürzung des US-Haushalts um eine Billion Dollar sowie der Abzug der US-Truppen aus vielen Stützpunkten weltweit. Vor allem seine außenpolitischen Ansichten machen ihn unter den Republikanern zum Außenseiter, der dennoch viel Unterstützung vor allem bei jungen Leuten genießt.

Das Rennen geht weiter

Rick Santorum mit Anhängern (REUTERS)

Einer von vier verbliebenen Kandidaten: Rick Santorum

Der Sieg von Newt Gingrich bringt nach Rick Santorum in Iowa und Mitt Romney in New Hampshire den dritten Kandidaten auf den ersten Platz. Und auch wenn Gingrich noch am Abend seine Anhänger per Twitter aufforderte, ihm zu helfen in Florida am 31. Januar zum "KO-Schlag" auszuholen, wird es immer unwahrscheinlicher, dass das Rennen nach den nächsten Vorwahlen dort schon beendet sein wird. Mitt Romney jedenfalls erklärte am Abend, es werde wohl einen langen Vorwahlkampf geben, auch Rick Santorum äußerte sich entsprechend.

In Florida werden die Karten wieder neu gemischt. Der Staat ist größer als alle bisherigen Schauplätze der Vorwahlen, die Bevölkerung ist heterogener und etwas weniger konservativ, was dem liberaleren Romney helfen könnte. Letztlich zählen auch nicht Siege in einzelnen Staaten, so wichtig sie für die Moral und die Spendenbereitschaft der Anhänger sind. Entscheidend sind die Delegiertenstimmen, die die jeweiligen Kandidaten für sich gewinnen können. Wer als erster 1144 Stimmen holt wird Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Bisher sind gerade mal ein paar Dutzend Delegierte vergeben.

Autorin: Christina Bergmann, Washington, DC
Redaktion: Pia Gram

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