Zwei verhängnisvolle Fehler | Aktuell Deutschland | DW | 29.03.2016
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Aktuell Deutschland

Zwei verhängnisvolle Fehler

Das Zugunglück von Bad Aibling geht nach neuen Erkenntnissen der Landesregierung auf mehrere Irrtümer des Fahrdienstleiters zurück. Womöglich hätte die Katastrophe noch verhindert werden können.

Erst habe er ein falsches Signal gesendet, dann auch noch die falsche Notruftaste gedrückt. Diese beiden Fehler des zuständigen Fahrdienstleiters sind nach Angaben der bayerischen Landesregierung für das schwere Zugunglück am 9. Februar in Bad Aibling verantwortlich. "Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) in einem Zeitungsinterview zu den jüngsten Erkenntnissen.

Zuerst gab der Mann die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig frei. Als er den Irrtum bemerkt hatte, sei ihm noch ein weiterer verhängnisvoller Fehler unterlaufen. Bei dem Versuch, einen Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer zu schicken, habe er - womöglich vor Aufregung - die falsche Taste gedrückt. Der Funkspruch sei an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung gegangen, die sich daraufhin bei ihm gemeldet hätten. Erst dann habe der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer geschickt. Die Warnung erreichte sie jedoch zu spät.

Tragische Verkettung

"Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können. Das ist ganz besonders tragisch", bilanzierte Hermann. Nun laufe es auf eine Anklage des Fahrdienstleiters wegen fahrlässiger Tötung hinaus. Einen technischen Defekt schließt der Innenminister mittlerweile aus: "Die Züge waren technisch völlig in Ordnung, inklusive der Bremsen. Das Funknetz hat funktioniert, ebenso alle Stellwerk-Funktionen."

Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim starben am 9. Februar elf Menschen, 85 weitere Passagiere erlitten teils lebensgefährliche Verletzungen. Das Bahnunglück gilt als eines der schwersten in der Geschichte der Bundesrepublik.

djo/jj (afp, dpa)