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Europa

Nach Bad Aibling: Zugsicherheit in Europa

Nach dem Unglück in Bayern wird das Thema Zugsicherheit wieder diskutiert. In der EU gibt es keine einheitlichen Standards. Das "ETCS-System" soll das ändern. Wir erklären es und blicken auf Zugunglücke in Europa zurück.

Das Zugunglück von Bad Aibling, das zehn Menschen das Leben kostete, hat das Vertrauen in den Zugverkehr erschüttert. Viele Politiker bekundeten ihr Entsetzen und ihr Beileid, wie zum Beispiel Frankreichs Premierminister Manuel Valls und der russische Präsident Wladimir Putin. "Ich bedaure den tragischen Verlust von Menschenleben bei diesem Zugunglück in Süddeutschland", sagte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc am Dienstag.

Generell ist Zugfahren in Europa immer noch eine sehr sichere Art zu reisen. Nach EU-Statistiken gibt es von Jahr zu Jahr weniger Unfälle. Ihre Anzahl hat sich von 1990 bis 2012 um 70 Prozent verringert. Dazu haben etliche technische Verbesserungen beigetragen.

Zugwrack Bad Aibling (Foto: picture-alliance/dpa/P. Kneffel)

Die Ermittlungen darüber, was genau zu der Kollision der zwei Züge bei Bad Aibling führte, dauern an

Beispielsweise Signalsysteme. Leider aber gibt es derzeit noch kein einheitliches Signalsystem, das für alle Züge auf Europas Gleisen gilt. Von Land zu Land ist es daher verschieden, wie genau die Notbremsung eines Zuges funktioniert, wenn ein Haltesignal ausfällt. Dies ist zum Beispiel eine Frage, die auch bei dem Zusammenstoß in Bad Aibling eine Rolle gespielt haben könnte. Diese Sicherheitssysteme haben sich historisch unterschiedlich auf Länderebene entwickelt und eben nicht EU-weit.

Das Ziel ist es, für alle Schienennetze die gleichen Lösungen zu entwickeln und den Zugverkehr in allen EU-Mitgliedsstaaten gleich sicher zu machen. Das soll das europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem "European Train Control System" (ETCS) schaffen.

Eine günstigere Software als Lösung?

Das ETCS soll die verschiedenen Systeme ersetzen, die den Zugverkehr in den Mitgliedsstaaten regeln und nicht zusammenpassen.

Die Grundidee eines einheitlichen Systems kam schon vor Jahrzehnten auf. Mit dem ETCS gibt es zwar schon eine einheitliche europäische Spezifikation, aber auch noch jede Menge nationale Besonderheiten. Einen gemeinsamen Standard in allen Zügen zu integrieren, die von Rom nach Stockholm und von Lissabon nach Bukarest fahren, ist ein schwieriges und kostspieliges Unterfangen.

Ein Expertenteam, das daran mitarbeitet, ist das deutsche Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS). Seine Forscher sind an einem Projekt der Deutschen Bahn beteiligt, bei dem es um die Entwicklung einer frei verfügbaren Software für ETCS geht.

"OpenETCS" soll die flächendeckende Einführung des einheitlichen Zugsicherheitssystems günstiger und weniger aufwendig machen. Noch gibt es keine Züge, die mit ETCS so ausgestattet sind, dass sie für alle relevanten Strecken in Europa uneingeschränkt zugelassen sind. Die Entwickler von "openETCS" hoffen, dass ihre frei zugängliche Software in allen neuen Zügen installiert wird.

Zugunglücke in Europa

Das größere Ziel ist es, so viele Zugunglücke wie möglich auf Europas Gleisen zu verhindern. In den vergangenen Jahren hat es einige Katastrophen mit vielen Toten gegeben.

Zugunglück bei Eschede (Foto: picture alliance/Holger)

Bei Eschede entgleiste der ICE und prallte gegen eine Brücke, die den Zug teilweise unter sich begrub

Das schlimmste Zugunglück in der jüngeren deutschen Geschichte geschah im norddeutschen Eschede. Am 3. Juni 1998 entgleiste hier ein ICE wegen eines gebrochenen Radreifens. Der Zug sprang mit 200 Kilometern pro Stunde aus den Gleisen. 101 Menschen an Bord starben.

Am 6. Februar 2000 entgleiste ein Zug, der von Basel auf dem Weg nach Amsterdam war, kurz vor dem Bahnhof Brühl in Deutschland. Neun Passagiere starben, fast 150 wurden verletzt. In der spanischen Stadt Chinchilla starben 19 Menschen, als am 3. Juni 2003 ein Passagierzug mit einem Güterzug zusammenstieß.

In Santiago de Compostela in Nordspanien verloren 79 Menschen ihr Leben, als ihr Zug am 24. Juli 2013 entgleiste. Mehr als die Hälfte der 222 Menschen an Bord wurden verletzt, als der Zug aus den Gleisen sprang - mit einer Geschwindigkeit, die mehr als doppelt so hoch lag wie die erlaubten 80 Kilometer pro Stunde. Der Lokführer wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Was oder wer für den Zusammenstoß bei Bad Aibling verantwortlich war und ob menschliches Versagen eine Rolle gespielt hat, steht noch nicht fest. Nach einigen Medienberichtenn heisst es zwar, es sei "menschliches Versagen" gewesen, gesichert ist das bisher nicht. Die Deutsche Bahn kommentierte entsprechende Berichte auch nicht.

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