1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Frankreich

Zwei Tote bei Messerangriff in Marseille

Am Hauptbahnhof in Marseille hat ein Mann mit einem Messer zwei junge Frauen angegriffen und getötet. Soldaten erschossen den Attentäter. Die Terrormiliz IS reklamierte die Tat in der südfranzösischen Metropole für sich.

Das französische Innenministerium teilte mit, der Angreifer habe mit einem Messer zwei junge Frauen getötet. Soldaten der Anti-Terror-Operation Sentinelle, die unter anderem an wichtigen Bahnhöfen in Frankreich patrouillieren, eröffneten demnach das Feuer auf den Angreifer. Er sei "neutralisiert" worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. 

Nach Angaben aus Polizeikreisen handelt es sich wahrscheinlich um einen Terroranschlag. Der Angreifer habe "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen. Inzwischen reklamiert die terroristische IS-Miliz den Angriff für sich. Die für alle Terrorfälle in Frankreich zuständige Pariser Staatsanwaltschaft hat den Fall an sich gezogen. Auch Innenminister Gerard Collomb hält einen Terrorakt für wahrscheinlich. Mehrere Zeugen würden verhört.

Aus Polizeikreisen verlautete am Abend, der Täter habe keine Ausweispapiere mitgeführt, sei aber in der Vergangenheit wegen gemeinrechtlicher Delikte aufgefallen. Die beiden Opfer seien 17 beziehungsweise 20 Jahre alt gewesen. Eine Frau habe einen Stich in den Hals, die andere in den Bauch erhalten. Der etwa 30-jährige Angreifer habe ein Schlachtermesser bei sich getragen. 

Frankreich - Messerangriff am Bahnhof St. Charles in Marseille (picture alliance/dpa/A. Gebert)

Der Tatort: Der Bahnhof Saint Charles in Marseille

Sicherheitskräfte räumten umgehend das Bahnhofsgelände. Die Polizei rief auf Twitter dazu auf, den Bereich des Bahnhofs Saint Charles zu meiden. Der Bahnverkehr in Marseille wurde zeitweise umgeleitet. Am Abend wurde der Zugverkehr teilweise wieder aufgenommen. 

Politiker würdigten die rasche Reaktion der Soldaten. Staatspräsident Emmanuel Macron zeigte sich "zutiefst empört über diesen barbarischen Akt". Er trauere mit den Opfern, schrieb er auf Twitter. Premierminister Edouard Philippe erklärte ebenfalls auf Twitter: "Wut und Trauer für die Opfer. Unterstützung für die Soldaten und Polizisten von 'Sentinelle', die uns schützen." Zugleich versicherte der Regierungschef: "Wir werden nicht in unserer Wachsamkeit nachlassen." Die Marseiller Abgeordnete Samia Ghali sagte, wenn das Militär nicht so rasch zur Stelle gewesen wäre, "hätten wir viel mehr Tote gehabt", sagte sie dem Hörfunksender France Bleu. Regionalpräsident Renaud Muselier sagte: "Die Sicherheitskräfte haben extrem schnell reagiert."

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von islamistischen Terroranschlägen. Dabei sind seit 2015 zusammen 239 Menschen getötet worden. Der Inlandseinsatz "Sentinelle" war nach den islamistischen Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 in Paris gestartet worden. Etwa 7000 Soldaten patrouillieren seitdem vor Synagogen, Flughäfen, Bahnhöfen oder Touristenattraktionen wie dem Pariser Eiffelturm, um Anschläge zu verhindern. 

Frankreich Marseille Messerattacke Bahnhof Saint-Charles (picture-alliance/AP Photo/C. Paris)

Sicherheitskräfte haben den Hauptbahnhof von Marseille abgeriegelt

Zuletzt hatte es Mitte September in der Pariser U-Bahn eine Messerattacke auf einen Soldaten gegeben, der aber unverletzt blieb. Seit Monaten kommt es in Frankreich vermehrt zu Anschlägen auf Sicherheitskräfte. Anfang August war ein Auto in einem Pariser Vorort in eine Gruppe Soldaten gerast. Dabei waren sechs Militärangehörige verletzt worden.

Der neuerliche Angriff ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentsabstimmung über einen umstrittenen Entwurf für ein Anti-Terrorgesetz. Demnach sollen bestimmte Maßnahmen des geltenden Ausnahmezustands in normales Recht überführt werden. Den Ausnahmezustand hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten François Hollande nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten verhängt. 

kle/uh (rtr, afp, dpa, ap)

Die Redaktion empfiehlt