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Asien

Zwei Deutsche wegen Graffiti in Singapur vor Gericht

In Singapur drohen zwei Deutschen jeweils drei Stockschläge, weil sie Graffitis an mehrere U-Bahnwaggons gesprayt haben. Eine Anhörung endete am Mittwoch ohne Ergebnis.

Changi -Gefängnis in Singapur. (Foto: dpa)

Changi -Gefängnis in Singapur

Offenbar war es eine Mutprobe der beiden 21-jährigen Deutschen, als sie im November 2014 in das U-Bahndepot Bishan in Zentral-Singapur einbrachen und mehrere Waggons mit dem Schriftzug ihrer Leipziger Graffiti-Crew besprühten. Eigentlich lebten die beiden Leipziger in Australien und waren nur zum Urlaub im Stadtstaat Singapur. Doch aus dem geplanten Kurztrip wurde unfreiwillig ein langer Aufenthalt.

Denn in Singapur wird Vandalismus hart bestraft. Seit ihrer Verhaftung sitzen sie in Untersuchungshaft im Singapurer Gefängnis Changi und werden aller Wahrscheinlichkeit nach je drei Stockschläge auf das blanke Hinterteil erhalten. "An der Prügelstrafe kommen sie nicht vorbei. Drei Stockschläge sind bei Vandalismus zwingend vorgeschrieben", hatte ihr Anwalt Christopher Bridges bereits vor der Verhandlung an diesem Mittwoch gesagt. Verhandelt werde nur noch über die Dauer der Gefängnisstrafe. Nach Informationen der Deutschen Welle konnten sich die Streitparteien bislang aber noch nicht einigen, so dass es am kommenden Montag eine weitere Anhörung geben wird.

Prügelstrafen: Normalität in Singapur

Der asiatische Stadtstaat Singapur. (Foto: Reuters)

Der asiatische Stadtstaat Singapur

Dass Singapur kompromisslos gegen Sprayer vorgeht und selbst diplomatische Bemühungen meist ins Leere laufen, haben vergleichbare Fälle aus der Vergangenheit gezeigt. Auch der US-Schüler Michael Fay und der Schweizer Oliver Fricker wurden in Singapur wegen Graffiti verurteilt und konnten der Prügelstrafe nicht entgehen. Im Fall des Amerikaners Michael Fay hatte sich sogar der damalige Präsident Bill Clinton eingeschaltet, der letztendlich aber auch nur dafür sorgen konnte, dass die Anzahl der Schläge von sechs auf vier reduziert wurde. Auf Anfrage der Deutschen Welle wollte das Auswärtige Amt weder bestätigen noch dementieren, dass es im aktuellen Fall der beiden Leipziger diplomatische Bemühungen gibt, die Prügelstrafe abzuwenden.

In den vergangenen Jahren sind pro Jahr zwischen 2000 und 2500 Prügelstrafen vollstreckt worden. Für Andreas Fulda von Amnesty International eine sehr hohe Quote: "Im internationalen Vergleich ist die Anzahl der Prügelstrafen in Singapur sehr hoch, vor allem gemessen an der geringen Bevölkerungszahl. Mir sind wenige andere Länder bekannt, die ähnlich intensiv die Prügelstrafe vollziehen. "

Stockschläge grenzen an Folter

Auch in anderen Ländern wird die Prügelstrafe praktiziert wie hier in Pakistan. (Foto:Abdul Sabooh)

Auch in anderen Ländern wird die Prügelstrafe praktiziert wie hier in Pakistan

Bei mehr als 30 Delikten drohen Gesetzesbrechern in Singapur drei bis 24 Stockschläge: beispielsweise Drogenschmugglern, Vergewaltigern, aber auch Ausländern, die ihr Visum überzogen haben. Sogar Jugendliche unter 18 Jahren können zu maximal zehn Stockschlägen verurteilt werden, dann allerdings mit einem dünneren Stock. Verurteilte berichten, dass die Schmerzen mindestens eine Woche angedauert haben, da die Vollzugsbeamten so ausgebildet werden, dass sie den 1,20 Meter langen Rohrstock genau in dem Moment an sich heran ziehen, wenn er auf der Haut auftrifft, so dass sie aufreißt. Teil der Bestrafung ist es, dass man keine Schmerzmittel bekommt. Stattdessen bleiben Narben.

"Obwohl wir uns seit Jahren in Singapur gegen die Prügelstrafe einsetzen, sehen wir realistisch betrachtet wenig Chancen auf eine Abschaffung in den nächsten Jahren ", sagt Andreas Fulda von Amnesty International. Dazu passt, dass die Singapurer Regierung immer wieder betont, dass die strengen Regeln und Gesetze einer der Gründe dafür sind, warum die Kriminalitätsrate in Singapur im internationalen Vergleich so gering ist. An dem 'Erfolgsrezept' - Strenge im Tausch gegen Sicherheit und Ordnung - wird sich daher so schnell nichts ändern.