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Zumwinkel gesteht Steuerhinterziehung

Der frühere Postchef Klaus Zumwinkel hat in seinem Steuerstrafverfahren vor dem Bochumer Landgericht ein Geständnis abgelegt. Er räumte ein, knapp eine Million Euro hinterzogen zu haben.

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Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Post, Klaus Zumwinkel, links, im Gerichtssaal des Bochumer Landgerichts.

Der ehemalige Top-Manager Klaus Zumwinkel gestand am Donnerstag (22.1.2008) vor dem Bochumer Landgericht ein: "Es war der größte Fehler meines Lebens. Zu diesem Fehler stehe ich." Die Anklage wirft dem 65-Jährigen vor, zwischen 2002 und 2006 knapp eine Million Euro Steuern hinterzogen zu haben. Dabei soll es sich um Einkünfte aus Kapitalvermögen von Zumwinkels Liechtensteiner Stiftung "Devotion Family Foundation" handeln. Zumwinkel betonte, dass er inzwischen alle Steuerschulden mit Zinsen beglichen habe.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Mittrup hatte zum Verhandlungstag klar gestellt, dass es in dem Prozess gegen Zumwinkel "keine Sonderbehandlung" geben werde. Er trat damit Gerüchten entgegen, dass es zwischen dem Gericht und der Verteidigung einen "Deal" über das Strafmaß geben könnte. Nach seinem Geständnis könnte das Gericht schon am Montag (26.01.2009) ein Urteil fällen.

Offenlegung zum Auftakt

Zum Auftakt des Prozesses hatte der langjährige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post dem Gericht seine derzeitige finanzielle Situation geschildert. Er halte Aktien und Beteiligungen im Wert von acht Millionen Euro und besitze eine Immobilie am Gardasee im Wert von fünf Millionen Euro. Auch erwarte er für dieses Jahr ein Nettoeinkommen von etwa 600.000 Euro, obwohl er alle Funktionen niedergelegt habe.

Gestohlene Daten brachten den Stein ins Rollen

Zumwinkel von Polizei abgeholt

Klaus Zumwinkel wird von der Polizei und der Bochumer Staatsanwaltschaft in seinem Kölner Haus abgeholt.

Die Staatsanwaltschaft war Zumwinkel auf die Spur gekommen, weil eine gestohlene Datensammlung der Liechtensteiner LTG-Bank dem Bundesnachrichtendienst angeboten worden war. Am 14. Februar 2009 bekam er dann in früher Morgenstunde in seinem Kölner Haus Besuch von der Bochumer Staatsanwaltschaft. Zur gleichen Zeit durchsuchten die Fahnder das Büro des Post-Chefs ganz oben im Bonner Post-Tower. Einen Tag später trat Zumwinkel zurück und legte zugleich den Vorsitz in den Aufsichtsräten von Telekom und Postbank nieder. Die Karriere eines der erfolgreichsten deutschen Managers ist mit einem Schlag zu Ende.

Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rückte Zumwinkel, als er im Herbst 1989 zum Vorstandsvorsitzenden des neu geschaffenen Staatsunternehmens Deutsche Bundespost berufen wurde. Sein Auftrag: die Post privatisieren und an die Börse bringen. Mit Erfolg. Im Jahr 2000 geht der Konzern an die Börse, die Aktie "Gelb" wird ein Erfolg. Das "Denkmal" Zumwinkel bekommt erst einen Kratzer, als sich das USA-Engagement mit dem zugekauften Logistiker DHL letztlich als falsche Strategie erweist.

Zumwinkel machte sich zuletzt als Postchef angreifbar

Auch persönlich macht sich Zumwinkel angreifbar. Im Dezember 2007 verkauft er eigene Post-Aktien für fast fünf Millionen Euro, nachdem er einen Mindestlohn durchgesetzt hat, den die Post-Konkurrenten nicht zahlen können. Der Kurs der Post-Aktie steigt, Zumwinkel kassiert.

Dann kommen die Steuerfahnder und beenden die Karriere von Zumwinkel. Aber um seine Zukunft muss man sich wohl keine Sorgen machen. Nach seinem Geständnis ist wohl mit einer Bewährungsstrafe zu rechnen. Seinen Lebensabend wird er wohl auf seiner mittelalterlichen Burg oberhalb des Gardasees in Italien verbringen. (la/hb)

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