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Kultur

Zeit zum Handeln

Vom 7. bis 12. Juli findet in Barcelona die Internationale Aids-Konferenz statt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind zur Zeit 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Zwei Drittel davon leben in Afrika.

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Aids: Tödlicher Virus

In Ländern wie Botswana, Sambia, Simbabwe, Tansania und Südafrika ist Aids inzwischen die Todesursache Nummer eins. Armut, mangelnde Bildung, fehlende Aufklärung, Wanderarbeit, Bürgerkrieg und Flucht, die dominante Rolle der Männer sowie vorangehende Epidemien von Geschlechtskrankheiten, machen es dem Virus leicht, sich rasend schnell auszubreiten. Aber auch die schlechte medizinische Infrastruktur und die fehlenden Medikamente machen die stille Epidemie im südlichen Afrika so sichtbar.

Tuberkulose häufigste Begleiterkrankung

In Kenia sterben täglich 700 Menschen an Aids oder opportunistischen HIV-Erkrankungen. Mindestens 20 HIV positive Patienten kommen pro Tag in die Aids-Ambulanz von Doktor John Wasonga. Die meisten sind im Endstadium ihrer HIV-Infektion, also im Vollbild von "Aids". Ihr Immunsystem ist so geschwächt, dass schwere begleitende Infektionen wie zum Beispiel Durchfall, Pilzerkrankungen und Herpes gleichzeitig auftreten. Häufigste Infektion in den Slums ist die Tuberkulose.

Aber auch andere Atemwegs-Erkrankungen. "Viele Patienten leiden zum Beispiel unter einer Lungeninfektion, die zuerst bei HIV-Patienten in Amerika und Europa aufgetaucht ist und inzwischen als Pneumocystis Carinii bekannt ist. Und dazu kommen dann die anderen Lungenentzündungen durch Tröpfchenübertragung. Und Hauterkrankungen, weil das Immunsystem schwach ist", so der Mediziner.

Aufforderung zur Spezialisierung

Die Ambulanz von Doktor John Wasonga liegt gleich neben Kibera. Das ist die größte Slum-Siedlung der Hauptstadt. Hier lebt über eine halbe Million Menschen auf engstem Raum und mindestens jeder fünfte ist HIV positiv.

In den vergangenen Jahren mussten sich Mediziner wie Dr. Wasonga viel mehr mit Infektionskrankheiten auseinandersetzen. Die traditionellen medizinischen Fälle haben an Bedeutung verloren. Die HIV-Epidemie habe einfach alles überrollt, so der Mediziner: "Und deshalb fände ich es richtig, wenn es auch zum Komplex HIV und Aids eine klinische Spezialdisziplin gäbe."

Diagnosen ohne Behandlung

Dr. John Wasonga hat in Eigeninitiative auf die Behandlung von HIV-Patienten spezialisiert, aber er kann sein Fachwissen nicht umsetzen: "Denn alles, was ich meinen Patienten rate, bleibt auf der theoretischen Ebene. Wenn ich eine antiretrovirale Therapie vorschlage, dann müssen die mich doch für total verrückt halten, weil ich überhaupt nicht berücksichtige, woher sie kommen und wie sie leben. Das sind Menschen aus den Slums. Die haben kein sauberes Wasser und sie sind schlecht ernährt."

Regelmäßige Blutuntersuchungen sind entscheidend für den Erfolg der Therapie. Aber es fehlen Labore, und den Leuten aus den Slums das Geld. Die Patienten können sich die einfache Prophylaxe mit Septra oder Co-Trimoxasol nicht leisten. Diese Antibiotika sind in der Lage, den Ausbruch von opportunistischen HIV-Infektionen hinauszuzögern.

Dringende Aufklärung

Aufklärungskampagnen seien dringend nötig, so der Aids-Experte: "Und die müssen dann begleitet werden durch unsere Kampagnen für den Zugang zu den lebenswichtigen Medikamenten." Doch auch wenn die Aufklärungskampagnen noch so gut und die Medikamente noch so effektiv sind, fährt der Arzt aus Kenia fort, sei es schwer menschliches Verhalten zu ändern. Es geht um Intimität und um Sex. Also um etwas, was nicht öffentlich ist. Und deshalb sage ich als Arzt, dass wir uns auf die Entwicklung eines präventiven Impfstoffs konzentrieren müssen.