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Welt

Zehn Fragen zu Vietnam

Eine Frau bei der Ernte: Reis ist eines der wichtigsten Exportgüter Vietnams

Reis ist eines der wichtigsten Exportgüter Vietnams

1. Warum ist der Beitritt in die Welthandelsorganisation WTO überhaupt wichtig für Vietnam?

Die Sozialistische Republik Vietnam ist ab Januar 2007 das 150. WTO-Mitglied, zuvor hatte sie einen Beobachterstatus. "Es geht auch um die grundsätzliche Anerkennung und Aufnahme in die internationale Gemeinschaft. Dies ist auch eine Prestigefrage", sagt Mathias Haase. Er ist beim Ostasiatischen Verein (OAV), einem Wirtschaftsverband deutscher Unternehmen, die in Asien und der Pazifikregion aktiv sind, zuständig für die Region Südostasien. Konkret bekommt Vietnam vor allem besseren Zugang zu den Märkten der anderen WTO-Staaten. Denn innerhalb der WTO muss jedes Land allen Mitgliedern die gleichen Handelsbedingungen gewähren. Das ist vor allem für die vietnamesische Textilbranche von Vorteil, für die bislang Einfuhrquoten unter anderem auf dem amerikanischen Markt gelten. Fühlt Vietnam sich als WTO-Land trotzdem einmal handelsrechtlich benachteiligt, kann es sich beschweren und die WTO-Schlichtungsstelle anrufen. Das könnte beispielsweise passieren, wenn die Regierung in Hanoi sich gegen die EU-Strafzölle für vietnamesische Schuhe wehren will. Um WTO-Mitglied zu werden, musste Vietnam eine Vielzahl von Voraussetzungen erfüllen oder muss sie in einer festgelegten Übergangszeit von wenigen Jahren erreichen. Der Wegfall von heimischen Subventionen oder der Abbau von Importschranken für ausländische Waren machen das Land zu einem attraktiveren Handelspartner. Das vorläufige Scheitern der Welthandelsrunde 2006 hat das Ansehen der WTO zwar geschwächt. Nach Ansicht von Haase lohnt es sich für Vietnam trotzdem beizutreten: "Nur durch eine Mitgliedschaft profitiert Vietnam vom erreichten Liberalisierungsstand der WTO." Um bilaterale Abkommen auszuhandeln, ist Vietnam allein zu schwach.

2. Wer wird in Vietnam vom WTO-Beitritt profitieren?

Alle Branchen, die jetzt schon stark im Export sind, werden ihre Marktstellung verbessern können, weil sie mit Handelserleichterungen rechnen können. Das sind der Textil- und Schuhsektor, gilt aber auch für die Ausfuhr bestimmter Lebensmittel wie Reis, Kaffee und Meeresfrüchte. Wenn wichtige Branchen profitieren, nütze das auch dem Wohlstand des ganzen Landes, meint Haase vom OAV. "Wenn die Unternehmen gute Geschäfte machen, bessern sich damit auch Einkommen und Arbeitsbedingungen der Arbeiter", sagt er.

3. Für wen wirkt sich die WTO-Mitgliedschaft vermutlich nachteilig aus?

Diejenigen Branchen, in denen China ein direkter Konkurrent ist, werden es schwerer haben – vor allem im Handel zwischen den beiden Ländern. Denn das WTO-Land China wird leichteren Zugang auf den vietnamesischen Markt bekommen und den Wettbewerb verstärken. Noch sind die meisten Betriebe in der Sozialistischen Republik Staatsunternehmen. Der Druck wird auf Betriebe in allen vietnamesischen Branchen zunehmen, sie müssen dann effizienter arbeiten und produzieren. Nicht allen wird das gelingen, es wird auch Entlassungen geben.

4. Was ist Doi Moi?

Doi Moi bedeutet Erneuerung. Seit 1986 verfolgt die vietnamesische Führung ihre Doi-Moi-Strategie zur Erneuerung der Wirtschaft, aber auch der Politik. Die Regierung will seitdem die zentralistische Planwirtschaft nach und nach in eine sozialistische Marktwirtschaft umwandeln. Die Erneuerung sieht vor, dass die Wirtschaft des Landes immer weiter liberalisiert wird, privates Unternehmertum und Wettbewerb sind erwünscht. Im Zuge der Aufnahme in die WTO musste Vietnam einige Rechtsreformen durchführen, die dem freien Handel zugute kamen. Unternehmens- und Investitionsgesetze wurden so umgeschrieben, dass private Unternehmen und ausländische Investitionen möglich sind.

5. Ist Vietnam noch ein Entwicklungsland?

Ja, das Pro-Kopf-Einkommen (Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner) liegt derzeit lediglich bei 700 US-Dollar pro Jahr. Auch das wesentlich weiter entwickelte Nachbarland China gilt noch als Entwicklungsland – mit entsprechender Unterstützung von Industriestaaten. Vietnam ist zwar ein Musterland bei der Armutsbekämpfung – innerhalb von 15 Jahren wurde der Anteil der armen Bevölkerung mehr als halbiert – doch noch immer sind fast 20 Prozent der Vietnamesen arm. Sie müssen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Experten schätzen, dass es noch mindestens zehn Jahre dauert, bis Vietnam kein Entwicklungsland mehr ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie kommunistisch und demokratisch Vietnam eigentlich ist und welche Beziehungen das Land zu den USA und zu Deutschland hat.

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