Zahl der Salafisten steigt in Deutschland auf Rekordhoch | Aktuell Deutschland | DW | 10.12.2017
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Extremismus

Zahl der Salafisten steigt in Deutschland auf Rekordhoch

Beunruhigende Botschaft zum zweiten Advent: In Deutschland halten sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes derzeit mehr Salafisten auf als je zuvor. Ihre Zahl klettert auf ein "Allzeit-Hoch".

Die Zahl der Salafisten in Deutschland ist nach Angaben des Kölner Bundesamtes für Verfassungsschutz von 9700 im Dezember 2016 auf derzeit 10.800 gewachsen. "Das zeigt die anhaltende Attraktivität der salafistischen Ideologie", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Sonntag. Nach seinen Worten ist neben diesem "Allzeit-Hoch" eine "Fragmentierung und Privatisierung" des Salafismus in der Bundesrepublik zu beobachten. Das mache die Beobachtung der Szene nicht gerade einfacher. Maaßen spricht von einer "besonderen Herausforderung für den Verfassungsschutz".

Öffentlich sichtbare Straßenmissionierung wie etwa die Koran-Verteilungen findet nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes nur noch selten statt. Das verbuchen die Verfassungsschützer auch als Erfolg der staatlichen Ermittlungen. Die Radikalisierung findet nach ihren Erkenntnissen inzwischen weniger in Moscheen oder in größeren überregionalen salafistischen Organisationen als vielmehr in kleinen konspirativen Zirkeln statt - die sich vor allem im Internet bilden. Zudem beobachtet der Inlandsgeheimdienst immer häufiger Frauennetzwerke, zu denen die Nachrichtendienste nur schwer Zugang bekommen.

Nährboden für Radikalisierung

Salafisten sind Anhänger einer fundamentalistischen Strömung des Islam, die einen mit der westlichen Demokratie unvereinbaren Gottesstaat anstreben. Die Sicherheitsbehörden sehen das von Salafisten verbreitete Gedankengut als Nährboden für eine islamistische Radikalisierung, die Anhänger zu Terroranschlägen oder Zahl im Kampf für die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien bewegen kann.

Ein besonderes Augenmerk legt der Verfassungsschutz derzeit auch auf Islamisten aus dem Nordkaukasus. Sie wiesen eine Affinität zu Gewalt, Kampfsport und Waffen auf, erklärte Maaßen. "Extremistische Nordkaukasier waren, neben dem Tschetschenienkrieg in ihrer Heimat, aktuell auch an den Kämpfen in Syrien und Irak maßgeblich beteiligt."

Die islamistischen Nordkaukasier entfalten nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auch in der Bundesrepublik extremistische Aktivitäten, verfügen dabei jedoch nicht über feste Strukturen. Die Zahl der Angehörigen der nordkaukasischen islamistischen Szene liegt demnach "im mittleren dreistelligen Bereich". Schwerpunkte sind ostdeutsche Bundesländer, vor allem Brandenburg und Berlin. Aber auch in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bremen sind sie demnach zu beobachten. Die Szene ist europaweit vernetzt, nach außen aber stark abgeschottet.

kle/qu (afp, dpa)