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Kultur

Wunschtraum vom eigenen Buch

Einmal ein Buch schreiben. Ein Lebenstraum der endet, wenn keiner das Buch verlegen will. Hier hilft der Autorenverlag. Da kostet das Publizieren zwar Geld. Proust und Tolstoi haben's aber auch so gemacht.

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Irgendwo hier ist auch mein Buch

"Nicht lesen, sondern selber schreiben" - scheint die Devise immer mehr Menschen in Deutschland zu sein. Auf dem Schreibtisch der Lektoratsassistentin des Eichbornverlags, Tina Bröckel, türmen sich die Manuskripte. "Bei uns gehen zwischen 200 und 300 Einsendungen im Monat ein, sowohl Romane als auch Sachbuch-Exposés." Vor fünf Jahren waren das eher 100 bis 200.

Lebenswerke werden Altpapier

Der deutschen Schreibelust können die Verlage nicht gerecht werden. Sie suchen zwar immer neue Super-Autoren, die sie vermarkten können. "Die Chance, über ein unverlangt eingesandtes Manuskript entdeckt zu werden ist jedoch eher gering", sagt Alexander Roesler, Leiter der Edition Suhrkamp. Besonders im Bereich Belletristik sei das schwierig. "Das kommt höchstens alle paar Jahre vor", sagt er. Bei Sachbüchern sei die Situation ein bisschen besser.

Manche Verlage versuchen der Bücherflut im Vorfeld Herr zu werden. Bei den Frankfurter Fischer-Verlagen heißt es auf der Internetseite: "Bitte keine handschriftlichen Texte, keine Disketten, keine E-Mails! Es genügen ein Exposé, ein Probekapitel und eine Inhaltsangabe. Erst auf Anfrage das gesamte Manuskript." Manche Verlage schreiben nur zurück, wenn ein Rückumschlag beiliegt. Andere bemühen sich immer um Antwort, ob das Material nun gesichtet werden konnte oder nicht.

Enttäuschungen vermeiden

Für den fleißigen Schreiberling bedeutet eine Absage oder das lange vergebliche Warten immer eine herbe Enttäuschung. Die ist aber meist schon vorprogrammiert, wenn zu viele den konventionellen Weg über die großen Verlage gehen. Aber es gibt da ja noch Alternativen: Neben dem Internet, durch eine eigene Website oder eine Veröffentlichung in einem Internet-Journal, gibt es auch die Möglichkeit, in einem Autorenverlag zu publizieren.
Ein Beispiel für einen solchen dienstleistungsorientierten Verlag ist der private "Frieling & Huffmann" Verlag in Berlin. 180 bis 200 Bücher verlegt Johann-Friedrich Huffmann im Jahr. Die Hobbyautoren sind glücklich, denn ihr Projekt "Buch" muss nicht dem Themenschwerpunkt eines bestimmten Verlages folgen. Hier folgt der Verlag dem Autor.

Natürlich gibt es stilistische Hilfestellungen und inhaltliche Korrekturen, wenn etwas missverständlich ist. Wenn aber die Inhalte seriös und rechtlich vertretbar sind, verlegt Huffman so ziemlich alles. Denn die Kosten der Erstauflage trägt der Autor selbst. Zwischen 3500 und 10.000 Euro kostet eine kleine Auflage von 500 bis 1000 Exemplaren.

Eigeninitiative mit Tradition

Marcel Proust

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871-1922)

Für den Buchdruck auf eigene Kosten braucht sich niemand zu schämen. Schließlich haben sich vielen Größen der Literaturgeschichte auf diese Weise einen Namen gemacht. Lew Tolstoi musste tief in die eigene Tasche greifen, um "Krieg und Frieden", einen der berühmtesten Romane der Weltliteratur herauszubringen. Auch der französische Autor Marcel Proust finanzierte seinen großen Romanzyklus "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" selbst.

Bei solchen Vorbildern sollte der Traum vom eigenen literarischen Opus nicht in dem Manuskriptberg viel beschäftigter Lektoren ersticken. Denn die suchen ja nur die eine Nadel im Heuhaufen.

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