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Nahost

Wo ist Schahram Amiri?

Das Verschwinden eines iranischen Atomforschers gibt Rätsel auf. Ist er verschleppt worden, ist er übergelaufen - und wenn ja, hat er über das iranische Atomprogramm geplaudert? Außenminister Mottaki beschuldigt die USA.

Symbolfoto Grafik Iran Atompläne Flagge und Atomsprengköpfe (Grafik: DW)

Rätselraten über Irans Atomprogramm

Schahram Amiri war am 31. Mai zur Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien gereist, wie seine Frau nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur ISNA sagte. Zuletzt habe sie am 3. Juni von ihm gehört, als er sie aus Medina angerufen habe. Er habe am Telefon berichtet, dass er bei der Ankunft in Saudi-Arabien auf dem Flughafen von der Polizei eingehend befragt worden sei, "mehr als alle anderen Passagiere".

Amiri verschwand wenige Monate bevor die Existenz einer zweiten Uran-Anreicherungsanlage im Iran bekannt wurde. Daher fragen sich Fachleute, ob der Atomforscherdem Westen Informationen darüber oder andere Aspekte des Atomprogramms geliefert hat. Die Entdeckung der Anreicherungsanlage bei Kom gilt als Coup westlicher Geheimdienste. US-Beamte führten die Entdeckung auf Erkenntnisse aus verschiedenen nachrichtendienstlichen Quellen, vor allem auf Spionagesatelliten zurück. Ob zu diesen Quellen auch iranische Informanten gehörten, führten sie nicht näher aus. Der Iran bestreitet, dass er sie geheim halten wollte; nach seiner Darstellung war er noch nicht zur Anmeldung bei der Atomenergiebehörde verpflichtet.

Schahram Amiri: Mediziner oder Atomforscher?

Außenminister Mottaki (Foto: AP)

Außenminister Mottaki beschuldigt die USA, für das Verschwinden Amiris verantwortlich zu sein

Über Amiri ist nicht viel bekannt und was aus ihm geworden ist, bleibt vier Monate danach ein Rätsel. Der Iran habe Saudi-Arabien um Auskunft über seinen Verbleib gebeten, aber keine Antwort erhalten, erklärte Außenministeriumssprecher Hassan Kaschkawi. Amiris Angehörige demonstrierten mehrmals vor der saudischen Botschaft in Teheran.

Im offiziellen iranischen Sprachgebrauch wurde der verschollene Schahram Amiri nicht einmal als Nuklearwissenschaftler, sondern lediglich als iranischer Staatsbürger bezeichnet. Nach Angaben seiner Frau forschte er an einer Universität über medizinische Anwendungen der Nukleartechnologie und hatte mit dem international umstrittenen Atomprogramm nichts zu tun. Im amtlichen englischsprachigen Nachrichtensender Press TV hieß es, Amiri habe als Forscher an der Teheraner Malek-Aschtar-Universität gewirkt. Die Universität gilt bei den UN als Atomforschungsstätte; sie soll unter Kontrolle der Revolutionsgarden stehen. Auf der den iranischen Konservativen nahestehenden Webseite Dschahannews hieß es ohne Quellenangabe, Amiri habe in der Anlage bei Kom gearbeitet und habe sich in Saudi-Arabien abgesetzt.

Welche Rolle spielen die Vereinigten Staaten?

Außenminister Mottaki erklärte vergangenen Woche, Amiri sei auf Betreiben der USA festgenommen worden. "Wir haben Dokumente erhalten, die beweisen, dass die Vereinigten Staaten am Verschwinden Amiris beteiligt sind", sagte er. Berichte, dass Amiri Mitarbeiter der iranischen Atomenergieorganisation gewesen sei, bezeichnete er laut ISNA als "Spekulationen westlicher Medien". Das US-Außenministerium weiß nach Angaben eines Sprechers nichts von dem Fall.

Die Zeitung "Al-Shark Al-Ausat" berichtete, Mottaki habe sich bei Ban förmlich wegen des Verschwindens von Amiri und anderen Iranern in den letzten Jahren beschwert, da bei einigen von denen zu befürchten sei, dass sie nukleartechnische Informationen an den Westen gegeben hätten. Eine UN-Sprecherin bestätigte ohne weitere Einzelheiten, dass das Thema bei einem vertraulichen Gespräch behandelt wurde.

Autorin: Sarah Mersch (dpa/ap/afp)
Redaktion: Diana Hodali

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