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Fokus Osteuropa

Wo ist Aleksandr Lukaschenko?

Das belarussische Präsidialamt teilte mit, Lukaschenkos Amtseinführung finde am 8. April statt. Geplant war ein früherer Termin. Seit mehr als zwei Wochen ist Lukaschenko verschwunden. Gerüchten zufolge ist er krank.

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Aleksandr Lukaschenko am 20. März. Die Pressekonferenz war sein bisher letzter Auftritt.

Am 3. April teilte die Administration des belarussischen Präsidenten mit, die Feierlichkeiten anlässlich des Amtsantritts von Aleksandr Lukaschenko würden am 8. April stattfinden. Zuvor hatte die Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission des Landes, Lidija Jermoschina, den 31. März als Tag von Lukaschenkos Amtseinführung genannt. Aber an jenem Tag fand sie nicht statt.

Weder im Fernsehen noch im Radio

Seit einer Pressekonferenz, die Lukaschenko am Tag nach den Präsidentschaftswahlen gegeben hatte, ist der belarussische Staatschef im belarussischen Fernsehen nicht wieder aufgetaucht. Noch nie war Lukaschenko im belarussischen Fernsehen so lange nicht zu sehen. Bereits seit über zwei Wochen fragen sich die Menschen in Belarus, wo der Präsident sich aufhält und was mit ihm geschehen ist. Bereits vor einigen Jahren verschwand Lukaschenko schon einmal, aber nur für eine Woche. Später wurde bekannt, dass er sich zu einem Skiurlaub in Österreich aufgehalten hatte.

Die Situation heute ist aber anders. Die Wahlen sind vorbei. Eine Woche lang fanden in der Hauptstadt und in anderen Orten des Landes Protestaktionen statt. In der neueren belarussischen Geschichte hat es bisher noch nie solche Massen-Verhaftungen gegeben. Die Gerichte sprachen strengste Urteile. In zahlreichen Erklärungen westlicher Staaten und internationaler Organisationen heißt es, dass die Wahlen und deren Ergebnis nicht anerkannt werden. Und der Präsident ist verschwunden und schweigt. Er wird nicht im Fernsehen gezeigt und er ist auch nicht im Radio zu hören.

Schock durch Gaspreis-Erhöhung?

Lukaschenko reiste auch nicht anlässlich des 10. Jahrestages der Staatenunion zwischen Russland und Belarus nach Moskau, obwohl noch vor wenigen Tagen die staatlichen Medien den geplanten Besuch bei Präsident Wladimir Putin angekündigt hatten. Dies hat nun dazu geführt, dass in Minsk darüber spekuliert wird, was mit Lukaschenko passiert sein könnte.

Der ehemalige Vorsitzende des Obersten Rates, Stanislaw Schuschkewitsch, sagte im Gespräch mit der Deutschen Welle über Lukaschenkos ungewöhnliches Fehlen: "Gestern war der 10. Jahrestag der sogenannten Union. Alle neun Jahre davor trat er zu diesem Jahrestag auf. Und gestern trat er anlässlich des 10. Jahrestags nicht auf. Entweder überdenkt er irgendetwas oder er ist krank."

Schuschkewitsch meint, dass möglicherweise die Ankündigung der russischen Gesellschaft Gasprom, den Gaspreis für Belarus ab dem Jahr 2007 an das europäische Preisniveau anzugleichen, den Präsidenten hart getroffen habe: "Das könnte einer der Gründe dafür sein, dass unser, man kann sagen illegitimer Präsident das Bewusstsein verloren hat, weil er geglaubt hatte, es sei nur ihm zu verdanken, dass die Preise so niedrig sind. Jetzt muss er die Rechnung für die Militärbasen, für den Transport präsentieren. Russland drängt zum Markt und das ist richtig so."

Regierung weist Gerücht zurück

In Belarus kursieren inzwischen Gerüchte über den Gesundheitszustand des neuen und alten Präsidenten. Vertreter der Regierung bemühen sich, solche Gerüchte zu dementieren.

Am 3. März wies der Leiter der Präsidentenadministration, Gennadij Newyglas, Meldungen zurück, wonach das Staatsoberhaupt krank sei. Er sagte vor Journalisten: "Am Samstag haben wir mit dem Präsidenten Hockey gespielt und er hat haushoch gewonnen. Deswegen kann ich Ihnen versichern, dass der Präsident bei bester Gesundheit ist."

Gennadij Konstantionow
DW-RADIO/Russisch, 4.4.2006, Fokus Ost-Südost

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