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Wirtschaft

Wirtschaft in Nahost in der Pflicht?

Aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist der Nahe Osten zweigeteilt: großen Chancen stehen immensen Risiken gegenüber. Der Nah- und Mittelost-Verein warnt davor, krisengeschüttelte Länder im Stich zu lassen.

2010 und 2011 war die Hoffnung in Nordafrika groß. Mit dem arabischen Frühling, mit den Aufständen in Tunesien und Ägypten wuchs die Aussicht auf eine demokratische und pluralistische Wende. Inzwischen herrscht Ernüchterung. In Nordafrika müssen die Menschen mit ihren enttäuschten Hoffnungen fertig werden und gerade die Jugend leidet vielfach unter Perspektivlosigkeit. In Libyen eskaliert die Lage. "Es ist erschütternd, wie das Land leidet", sagt Rainer Seele, Vorsitzender des Nah- und Mittelost-Vereins NUMOV und Vorstand des Öl- und Gaskonzerns Wintershall.

Libyen - Berber blockieren Gas und Ölförderplätze

Berber blockieren Gas- und Ölförderplätze in Libyen

Libyen habe es bislang nicht geschafft, die Verwerfungen nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi zu überwinden. Seele berichtet von Stammeskonflikten, von Gefechten zwischen Milizen, die Sicherheitslage sei schlecht und die Regierung schaffe es nicht, etwas zu verändern und die Wirtschaft wieder zu beleben. Das hat auch Konsequenzen für Wintershall. Vor der Revolution förderte der Konzern in Libyen bis zu 100.000 Barrel Öl pro Tag. Seit 2013 ist die Produktion gestoppt, weil die Exportanlagen an der Küste blockiert sind. "Kurzfristig gehe ich nicht davon aus, dass sich die Lage stabilisiert", zeigt sich Seele pessimistisch.

Nicht wegsehen

Trotzdem hält er nichts davon, die Geschäftsbeziehungen zu beenden. Im Gegenteil. "In guten Zeiten ist es leicht, ein Freund und Partner zu sein, aber in schwierigen Zeiten müssen sich Freundschaft und Vertrauen wirklich bewähren." Das Unternehmen engagiert sich humanitär in Libyen, Seele sucht aber auch immer wieder das politische Gespräch vor Ort.

Als Vorsitzender des Nah- und Mittelost-Vereins wirbt der Manager dafür, dass es ihm andere nachtun. Deutsche Unternehmen dürften sich gerade aus den instabilen Ländern der Region nicht verabschieden. "Als langjähriger Partner muss auch die deutsche Wirtschaft Verantwortung übernehmen. Auch wenn geschäftliche Beziehungen derzeit schwierig sind, müssen wir die Gespräche fortsetzen. Vertrauen und Unterstützung übermitteln." Wirtschaftliches Engagement könne für gesellschaftliche Stabilität sorgen und umgekehrt.

Anker für die Region

In Ländern wie Libyen, Syrien und dem Irak ist das angesichts der schlechten Sicherheitslage sehr schwierig, das weiß auch Seele. "Die militärischen Erfolge der militanten Islamisten um IS beunruhigen uns und zeigen, wie fragil doch die Sicherheitslage dort ist."

Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender des Öl- und Gaskonzerns Wintershall, Foto: Uwe Zucchi/dpa

Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender des Öl- und Gaskonzerns Wintershall

Chaos und Leid würden der Bevölkerung jede Perspektive nehmen. "Bis heute scheint meines Erachtens keine Lösung in Sicht." Davon ausgenommen sei aber die autonome Provinz Kurdistan. Sie erlebe seit Jahren einen Boom und bleibe auch für die deutsche Wirtschaft "ein Markt mit viel Potenzial".

Das gilt nach Ansicht des NUMOV-Vorsitzenden noch viel mehr für die Golfregion. Die sechs Länder des Golfkooperationsrates waren 2013 der drittwichtigste Markt für deutsche Exporte außerhalb Europas. Die Ausfuhren nach Saudi-Arabien stiegen von 2012 bis 2013 um mehr als 12 Prozent. Entscheidend wird nach Ansicht von Seele sein, ob es Saudi Arabien und Katar gelingen wird, seine Spannungen beizulegen. "Die Interaktion beider Staaten ist entscheidend für die Sicherheit der ganzen Region." Hier könne sich eine neue regionale Ordnung bilden, mit den Golf-Staaten als Anker.

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