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USA

Wird Richard Grenell US-Botschafter?

Glaubt man Medienberichten, heißt der nächste US-Botschafter in Berlin Richard Grenell. Der 50-jährige Kommunikationsprofi ist zwar kein Karriere-Diplomat, hat aber Erfahrung. Und eine schwierige Mission.

Richard Grenell mit anderen Personen im Foyer des Trump Towers (Foto: Picture Alliance)

Richard Grenell kam im Dezember 2016 in den Trump Tower in New York

Es ist eine fast unmögliche Mission: Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika muss in Deutschland nicht nur sein Land repräsentieren, sondern auch einen Präsidenten, der hierzulande äußerst unbeliebt ist. Wen wird sich US-Präsident Donald Trump für diese "mission impossible" aussuchen?  

Die Anzeichen verdichten sich, dass es sich bei dem nächsten US-Botschafter um den 50-jährigen Kommunikationsberater Richard Grenell handelt. Die Zeit drängt: Schon ein halbes Jahr lang ist der Chefsessel der US-Botschaft in der Nähe des Brandenburger Tores vakant.

Zwar stehen die offizielle Nominierung durch US-Präsident Trump und die Bestätigung durch den Senat noch aus. Und auch auf der Liste der US-Botschafter (letzte Aktualisierung dort: 21. Juli 2017) ist die Stelle in Deutschland noch als "unbesetzt" angegeben.

Doch seit wenigen Tagen kreisen in US-Medien entsprechende Gerüchte unter Berufung auf Mitarbeiter des Weißen Hauses, die anonym bleiben wollen. Nicht zuletzt Grenell selbst heizte Diskussionen an, als er am 12. Juli mit den Worten "Danke, Herr Präsident" ein Foto auf Twitter veröffentlichte, das ihn mit Trump im Oval Office zeigt.

Dass der 50-Jährige auf Trumps Kandidatenliste steht, ist nicht neu. Grenell hat - entgegen einiger anderer Besetzungen in der Trump-Administration - bereits diplomatische Erfahrung. Unter Präsident George W. Bush war er sieben Jahre lang Sprecher der US-Delegation bei den Vereinten Nationen. Dort vertrat er in Sitzungen des Sicherheitsrats wiederholt den Botschafter - nach eigenen Angaben mit uneingeschränktem Stimmrecht.

Richard Grenell mit einem Kaffeebecher in der Hand geht hinter John Bolton (Foto: Picture Alliance)

Richard Grenell im Jahr 2006 mit dem US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton (rechts)

Seine Arbeit bei den Vereinten Nationen fiel in eine Zeit, in der die USA eine militärisch ausgerichtete Außenpolitik verfolgten. Sie führten Krieg im Irak und Afghanistan, der Umgang mit den nuklearen Programmen Nordkoreas und des Iran stand auf der Agenda ebenso wie die mutmaßliche syrische Einmischung in libanesische Politik.

Dass Grenell "wenigstens eine gewisse Basis" in der Diplomatie hat, wird in Berlin positiv gesehen, sagt Jan Techau, Direktor des "Richard C. Holbrooke Forum for the Study of Diplomacy and Governance" an dem Forschungs- und Kulturinstitut "American Academy" in Berlin.

Jahrelange Medienerfahrung

Grenell beriet in seiner Karriere verschiedene republikanische Politiker. Nach seiner Arbeit für die Bush-Regierung gründete der Harvard-Absolvent seine eigene Firma. Wie er auf seiner Webseite schreibt, kommen seine Auftraggeber aus den USA und Europa sowie Ländern wie China, Australien, Iran, Kasachstan, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo. Regelmäßig tritt er als außenpolitischer Experte in US-Medien auf, darunter vor allem dem konservativen Sender Fox News.

Die Fähigkeiten als Kommunikator werden Grenell in seiner Position als Botschafter in Deutschland nutzen, meint Amerikaexperte Jan Techau. Grenell müsse aber lernen, mit der deutschen Medienlandschaft zurechtzukommen. "Deutsche Medien arbeiten etwas anders als US-amerikanische. Es ist eine andere Kultur", sagt der Experte.

Genau wie Trump gehört auch Grenell zu den frenetischen Nutzern des Twitter-Netzwerks. In den vergangenen siebeneinhalb Jahren veröffentlichte er rund 71.400 Tweets - durchschnittlich 25 pro Tag. Aktuell schreibt Grenell dort angesichts seiner eigenen Heilung vor einigen Jahren viel zum Thema Krebs. Twitter ist für ihn aber auch das Medium der Wahl, wenn er politische Ereignisse kommentiert oder über Medien und Personen herzieht. 

Das Gebäude der US-Botschaft, im Hintergrund das Brandenburger Tor (Foto: Imago)

Die US-Botschaft in Deutschland direkt am Brandenburger Tor: der neue Arbeitsplatz für Grenell? (Archivbild)

Seine bissigen Tweets wurden Grenell bereits einmal zum Verhängnis. Als er 2012 zum außen- und sicherheitspolitischen Sprecher des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Mitt Romney ernannt wurde, führten Berichte über seine Tweets dazu, dass er 800 "verletzende", wie er es nannte, Botschaften löschen musste. Nach nur zwei Wochen gab er seinen Posten auf. Eine Rolle spielten dabei auch Kritik und Anfeindungen, die ihm als erstem offen lebenden homosexuellen Sprecher aus den eigenen Partei-Reihen entgegen schlugen.

Grenell unterstützte Trump schon im Wahlkampf und verteidigt ihn gegen die angeblich falsche Berichterstattung der Medien über die Russland-Affäre.

Kürzlich bescheinigte er dem Präsidenten mit Blick auf Nordkorea eine "kraftvolle Außenpolitik". Im März 2016 noch schrieb er öffentlich an eine Twitternutzerin: "Wenn du denkst, dass Trump Ahnung von außenpolitischen Themen hat, dann bist du dumm, durchaus." Dieser Tweet ist inzwischen nicht mehr verfügbar.

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