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Europa

Wird die EU ein Rettungsanker?

Noch lehnen die meisten Norweger einen EU-Beitritt ab. Dem Land geht wirtschaftlich gut. Doch die Öl- und Gasreserven werden nicht ewig reichen. Der norwegische Außenminister Jonas Gahr Større befürwortet den Beitritt.

Symbolbild Oslo, Landschaftsbild, mit EU-Sternen (DW-Grafik: Peter Steinmetz )

Norweger wollen unabhängig bleiben

Der Himmel über Oslo ist blau, die Sonne scheint, dennoch ist es eisig. Aus dem Osten weht ein kalter Wind. Die Menschen in der Innenstadt ziehen die Kragen ihrer Mäntel hoch und die Schals ins Gesicht. Es ist ruhig in Oslo. Auch die politischen Stürme haben sich gelegt. Der Wahlkampf ist vorüber. Die neue und alte Regierung aus Sozialdemokraten, Sozialisten und Zentrumspartei präsentierte ihren Koalitionsvertrag. Das Thema EU-Beitritt spiel darin fast keine Rolle. Es gibt lediglich den Hinweis, dass es eine Volksabstimmung über einen Beitritt zur EU auch in dieser Legislaturperiode nicht geben wird.

Reiches Land

Zapfhahn Tankstelle, Großaufnahme (Foto: dpa)

Öl wird knapper

Die Norweger selbst zucken gelassen mit der Schulter, so auch dieser Passant: "Ich glaube nicht, dass Norwegen der EU beitreten wird, jedenfalls nicht in absehbarer Zukunft. Und warum auch? Wirtschaftlich gesehen sind wir doch eigentlich schon ein Mitglied." An dieser Haltung ändern auch die Beitrittsbestrebungen Islands nichts. Die Isländer seien in einer besonderen Situation. "Als es ihnen noch gut ging, wollten sie ja auch nicht eintreten", sagt er und fügt hinzu: "Wenn es uns einmal weniger gut geht, können wir das Thema EU-Beitritt ja wieder aufgreifen."

Doch derzeit kennt Norwegen keine Wirtschaftssorgen. Das Land schwimmt in Geld – dank der Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee. Ein staatlicher Fonds, in den die Überschüsse der Energiegeschäfte fließen, verfügt inzwischen über ein Prozent aller Aktien weltweit. Ihr Wert summiert sich auf mehr als 250 Milliarden Euro.

Ölfeld in Norwegen (Foto: dpa)

Ölfeld in Norwegen

Allerdings sind Öl und Gas begrenzte Ressourcen – selbst in Norwegen. 2010 wird die Förderung ihren Höhepunkt erreichen. Wie interne Daten eines führenden Energiekonzerns belegen könnte sich bis 2023 die Fördermenge halbieren, wenn bis dahin keine neuen Felder gefunden werden. Schon in den letzten zehn Jahren wurden 55 Prozent weniger Öl und Gas gefunden, als in den 15 Jahren davor. Ein Ölfeld könne man auch nicht komplett entleeren, erklärt die die Geologin Mona Nyland Berg: "Wenn es einem gelingt, 60 Prozent des Öls zu fördern, dann ist man sehr erfolgreich." Bei vielen Feldern kämen die Norweger aber höchstens an 40 oder 50 Prozent des Öls heran. Dann werde das Verfahren so kompliziert und die Produktion so teuer, dass es sich einfach nicht lohne.

Vorsorgen für die Zukunft

Noch also ist der Himmel blau über Oslo, doch am Horizont sind erste Wolken zu erkennen. Das weiß auch der norwegische Außenminister Jonas Gahr Større. Er steht er dem Thema EU-Beitritt durchaus aufgeschlossener gegenüber, als die norwegische Öffentlichkeit: "Ökonomisch gesehen würde ein EU-Beitritt derzeit keinen großen Unterschied machen. Politisch bin ich jedoch der Meinung, dass Norwegen in allen Gremien vertreten sein sollte, in denen politisch wichtige Entscheidungen für das Land getroffen werden." Deswegen befürworte er die EU-Mitgliedschaft Norwegens.

Zwar werden die Gas-Reserven des Landes wohl weit bis ins 21. Jahrhundert reichen, so dass Norwegen auch in Zukunft ein verlässlicher Energiepartner für Europa sein dürfte. Doch der Außenminister will das Heft des Handelns selbst in der Hand behalten und nicht erst in einer Situation der Schwäche über einen EU-Beitritt seines Landes verhandeln. Denn genau das steht den Isländern bevor. Für Norwegen ist das aber ein eher abschreckendes Beispiel.

Autor: Marc-Christoph Wagner
Redaktion: Heidi Engels

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