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Nahost

Wir sind viele: Die syrischen Oppositionsgruppen

Das Assad-Regime sieht sich einer Vielzahl bewaffneter Oppositionsgruppen gegenüber. Dass die dem Regime nicht gefährlich werden, liegt vor allem daran, dass sie zerstritten sind und unterschiedliche Ziele verfolgen.

400 Millionen US-Dollar. Das ist die Summe, die die USA von 2012 bis zum Spätsommer 2015 in die syrische Opposition investiert haben. In ihren politischen Teil ebenso wie in ihren militärischen, in Grupen außerhalb Syriens ebenso wie in die, die im Land selber aktiv sind. Gebracht haben die Gelder wenig: Der syrische Präsident Baschar al-Assad ist weiterhin an der Macht, Terrorgruppen wie etwa der "Islamische Staat" sind nach wie vor im Land; und nun sind auch die Russen in den Krieg involviert. Mit geballter Feuerkraft bekämpfen sie die Gegner Assads. Auf die Zivilbevölkerung nehmen sie dabei kaum Rücksicht. Allein am letzten Oktober-Wochenende, berichtet die international als glaubwürdig geltende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, wurden nördlich von Aleppo bei Angriffen der syrischen Armee und ihrer russischen Verbündeten 64 Zivilisten getötet, darunter 28 Kinder.

All dies hat die USA bewogen, nun noch einmal weitere 100 Millionen US-Dollar in die Opposition zu investieren. Anders als vorher, berichtet die "Washington Post", sollen die Gelder nun aber vor allem im Land selbst kämpfenden Truppen zufließen – und zwar ausschließlich an solche, die von Kommandeuren befehligt werden, die das Vertrauen der US-Regierung haben. Viele sind das nicht. Christine Wormuth, stellvertretende Staatssekretärin im US-Verteidigungsministerium, bezifferte deren Zahl Ende September auf 100 bis 120 Personen - eine verschwindend geringe Anzahl von Kämpfern also angesichts der rund 100.000

bewaffneten Oppositionellen,

denen sich das Assad-Regime gegenüber sieht.

Junge Rebellen mit Waffen in Aleppo, 27.09.2014 (Foto: AFP/Getty Images))

Jung und bewaffnet: Rebellen in Aleppo

Islamistische Gruppierungen

Der größte Teil von ihnen, insgesamt mehrere zehntausend Kämpfer, gehören zu kleineren islamistischen Gruppen wie etwa der "Harakat Ahrar al-Sham al-Islamiyya", dem "Jaysh al-Islam", oder der "Liwa al-Tawhid" sowie vielen weiteren. Sie verfügen jeweils über mehrere tausend Kämpfer. In oft wechselnden Koalitionen sind sie weniger im Kampf gegen das Assad-Regime als vielmehr im Kampf untereinander engagiert. Mindestens ebenso wie nationale verfolgen sie oft lokale Ziele, häufig beschränkt auf die Macht über ein Viertel oder eine kleinere Stadt. Anders als der "Islamische Staat" streben sie zwar keine Ausweitung des Islam über die Grenzen Syriens hinaus an. Aber auch sie lehnen das Konzept der Demokratie ab. Zahlreiche Kämpfer der "Islamischen Front" kämpften ursprünglich für den "Islamischen Staat".

Die ursprünglich aus Al-Kaida hervorgegangene "Nusrah Front" setzt sich für ein Kalifat in der Levante, der Region südlich der Türkei bis hin zur Arabischen Halbinsel, ein. Schätzungen zufolge kämpfen rund 7000 Personen in ihren Reihen.

Radikaler als alle diese Gruppen ist der

"Islamische Staat" (IS)

. Auch er will nach dem Sieg über das Assad-Regime ein Kalifat in der Levante begründen. Das will er aber nicht auf die Region beschränken, sondern Ableger auch in anderen Teilen der Welt gründen – keineswegs ausschließlich im islamischen Kulturraum. Der IS verfügt über bis zu 30.000 Kämpfer.

Ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee, 16.10.2015 (Foto: Reuters)

Ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee

Säkulare Kräfte

Die größte Kraft unter den bewaffneten säkularen Gruppen ist die "Freie Syrische Armee" (FSA). Sie setzte sich aus bis zu 30 Untergruppen zusammen, die an verschiedenen Orten Syriens kämpfen. Sie kämpft ebenso gegen dschihadistische Gruppen, allen voran den IS, wie gegen die reguläre, Baschar al-Assad unterstehende syrische Armee. Auch die FSA verfügt über tausende Kämpfer.

Weil sie zuletzt von Waffenlieferungen, insbesondere aus den Händen privater saudischer Unterstützer, abgeschnitten war, hatte sie an Schlagkraft verloren.

Vor wenigen Wochen verkündete einer ihrer Kommandeure, Hassan Hamada, allein die Syrer könnten die Dschihadisten besiegen. "Die Regionen, in denen wir den IS bekämpft und vertrieben haben, sind bis heute von dieser Organisation befreit. Die IS-Kämpfer werden auch nicht wiederkehren." Allerdings, fügte er hinzu: "Die Gebiete, in denen die internationale Allianz seit Monaten ihre Bomben abwirft, sind weiterhin ein fruchtbarer Boden für terroristische Gruppen."

Die FSA steht dem größten zivilen Bündnis, dem Syrischen Nationalrat (SNC), nahe. Dieser besteht seit Jahren auf der Abdankung Baschar al-Assads. Diese Forderung hat er auch auf internationalen Konferenzen immer wieder formuliert.

Damit unterscheidet sich der SNC grundlegende vom Nationalen Koordinationskomitee für demokratischen Wandel der syrischen Kräfte. Dieses konsequent auf Gewaltlosigkeit setzende und ausschließlich in Syrien selbst operierende Bündnis mehrerer linker und kurdischer Gruppen ist weiterhin bereit, mit Assad zu verhandeln. Kritiker monieren, diese Position bedeute faktisch einer Anerkennung der Präsidentschaft Assads.

Syrien Russischer Luftangriff in Syrien, 11.10.2015 (Foto: EPA)

Dem Terrorismus förderlich? Russischer Luftwaffenangriff

Die Kurden

Eine eigenständige Gruppe bilden die Kurden. Sie kämpfen in verschiedenen Formationen – allerdings weniger gegen

das Assad-Regime

als gegen Terrorgruppen wie den IS. Aufgrund ihrer undogmatischen Haltung wie auch ihres mutigen Kampfes, wie er sich im Herbst letzten Jahres etwa in der Schlacht um die vom IS umzingelte kurdische Stadt Kobane zeigte, sind die Vertreter der syrischen Kurden privilegierte Ansprechpartner der Westens.

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