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Kultur

"Wir sind erleichtert"

Nach zweieinhalb Monaten Haft ist der regierungskritische chinesische Künstler Ai Weiwei frei. Für den Präsidenten der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, hat damit der weltweite Protest Erfolg gezeigt.

Ein Transparent am 'Gropius-Bau in Berlin fordert Freiheit für Ai 'Wei Wei

Seit zweieinhalb Monaten war er in Haft. Jetzt ist der chinesische Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei gegen Kaution frei gelassen worden. Offiziell heißt es, die Freilassung sei erfolgt, nachdem Ai ein Geständnis wegen Steuerhinterziehung abgelegt habe und weil er chronisch krank sei. Der international renommierte Künstler war am 3. April festgenommen und seitdem an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Die Regierung in Peking hatte lediglich mitgeteilt, dass ihm "Wirtschaftsverbrechen" vorgeworfen werden. Details nannte sie nicht. Die Festnahme von Ai war international scharf kritisiert worden. Mehr als 100.000 Menschen unterzeichneten eine Petition für seine Freilassung, die von dem New Yorker Guggenheim-Museum initiert worden war. Auch deutsche Autoren und Künstler haben protestiert. Im Mai hatte die Akademie der Künste in Berlin Ai Weiwei zu ihrem Mitglied gewählt, um ein Zeichen zu setzen - die Mitgliedschaft aber wird erst gültig, wenn der Betreffende sie auch annimmt. Das aber sei bis jetzt nicht möglich gewesen, sagt Akademiepräsident Klaus Staeck.

Deutsche Welle: Sind Sie nun von der Freilassung überrascht?

Klaus Staeck: Man ist auch über gute Nachrichten überrascht. Und es ist eine gute Nachricht, wir sind erleichtert.

Hat der Protest auch vieler deutscher Künstler zur Freilassung Ai Weiweis beigetragen?

Es gab ja immer den Streit, ob es Ai Weiwei nützt oder schadet, wenn für ihn demonstriert wird. Wir waren der Meinung, wenn jemand verschleppt und totgeschwiegen wird, hat es keinen Sinn, mit zu schweigen.

FILE - In this Nov. 17, 2010 file photo, artist Ai Weiwei arrives at the Wenyuhe court to support fellow artist Wu Yuren during his trial in Beijing. China's Foreign Ministry removed all references to Ai from its official transcript of a news conference on Thursday, April 7, 2011 given by its spokesman, in an apparent sign it wants to stifle discussion of the case. (AP Photo/Andy Wong, File)

Ai Weiwei im Frühjahr 2010

Was können wir denn aus dem Fall Ai Weiwei für die zukünftigen deutsch-chinesischen Kulturbeziehungen lernen? Mehr protestieren?

Auf jeden Fall dann protestieren, wenn wir der Meinung sind, es geschieht Unrecht. China bezeichnet sich ja als Rechtsstaat, und da war die Verschleppung von Ai Weiwei, ohne dass man weiß, wo er sich aufhält, natürlich keine rechtsstaatliche Maßnahme. Man kann daraus lernen, dass die unmittelbare Beziehung zwischen der Eröffnung der Ausstellung "Aufklärung" und seiner Verhaftung 2 Tage danach etwas offen gelegt hat. Dass man mit den großen staatlichen Veranstaltungen eher zurückhaltend sein sollte und mehr darauf setzen sollte, unmittelbare Künstleraustausche und auch Austausch von kleineren Institutionen zu fördern.

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao besucht in der nächsten Woche Deutschland, muss sich die deutsche Politik kritischer äußern, wenn in China Menschenrechte missachtet werden?

Ich glaube schon, dass sie das tun sollte. Aber ich meine auch, die Wirtschaft sollte das. Die Politik hat sich ja in Maßen engagiert, zum Beispiel hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf der großen Solidaritätsveranstaltung in der Akademie der Künste so klare Worte gefunden, wie ich das selten von einem Politiker gehört habe. Aber von der Wirtschaft, die ja nun die besten Geschäfte mit den Chinesen macht, kam nichts – ich glaube auch nicht, dass ein BMW weniger deswegen gekauft wird, wenn der BMW-Konzern sich auch einmal zu diesem Fall geäußert hätte. Nur auf Schweigen zu setzen und auf Diplomatie, die niemand nachvollziehen kann, das ist zu wenig. Das ist schon die Lehre, dass man mit Öffentlichkeit etwas erreichen kann – jedenfalls sehe ich das so.

Das Gespräch führte Günther Birkenstock

Redaktion: Cornelia Rabitz

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