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Wirtschaft

"Wir in Deutschland haben Fehler gemacht"

Das Gezerre um den Opel-Verkauf nimmt kein Ende. Der Mutterkonzern General Motors denkt offenbar darüber nach, Opel doch zu behalten. DW-WORLD.DE sprach mit Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg Essen.

Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR - Center Automotive Research - an der Uni Duisburg Essen (Foto: picture-alliance)

Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer

DW-WORLD.DE: Herr Professor Dudenhöffer, immer neue Entwicklungen im Fall GM Opel, immer neue Wendungen in dieser Hängepartie. Ist es für Sie überraschend, dass die Sache nicht von heute auf morgen entschieden werden kann?

Ferdinand Dudenhöffer: Man hat in den letzten sechs, acht Wochen gespürt, dass General Motors mit einer Verzögerungstaktik und -strategie an die Dinge geht. Und da war eigentlich schnell relativ klar, dass General Motors mehrere Optionen prüft und diese ausschließlich zu seinem eigenen Vorteil umsetzen will. Aber auch wir in Deutschland haben einen sehr großen Fehler gemacht. Wir haben uns rechtzeitig festgelegt auf Magna, alles stand hinter Magna, aber dann -und das darf man nicht machen in Verhandlungen- dann hat das Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftsminister die Verhandlungen von sich aus verzögert. Herr zu Guttenberg hat immer wieder neue Bieter nach dem 31. Mai – dem Tag der GM-Insolvenz - mit ins Spiel gebracht. Er hat von sich aus erklärt, dass eine Insolvenz von Opel nicht das Schlechteste wäre, auch nach dem 31. Mai. Einfacher wäre es gewesen, dann zu verhandeln und den Abschluss zu erzielen. Wenn jemand sehr stark unter Verhandlungsdruck steht - und das war vor der Insolvenz von General Motors am 31. Mail gegeben.

Nun hat ja die deutsche Regierung viel Geld in die Hand genommen, damit Opel überleben kann. Aber auch die US-Regierung hat viel Geld in General Motors investiert. Sollte sich Berlin ein Beispiel an Washington nehmen? Dort sagt man: Das ist eine unternehmerische Entscheidung und die sollte vom Unternehmen getroffen werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem Opel-Logo (Foto: AP)

Kanzlerin Angela Merkel hat Opel zur Chefssache gemacht - jetzt könnte ihr das Gezerre schaden

Dudenhöffer: Wenn man das gemacht hätte, hätte man es von Anfang an machen sollen. Wir haben ja 1,5 Milliarden Euro an Bürgschaften – also Steuergelder schon mit reingegeben, die zurückbezahlt werden sollen. Also, man ist in die Verpflichtung gegangen, Opel eine Brücke zu bauen auch vor dem Hintergrund, dass Opel in sehr strukturschwachen Gebieten ansässig ist. Das ist in Bochum, in Kaiserslautern und in Eisenach. Und Schließungen dieser Werke, die würden zu großen Belastungen in diesen Regionen führen, die sich über mehrere Jahre erst wieder Stück für Stück, wenn überhaupt, erholen könnten. Deshalb hat man von deutscher Seite richtigerweise gesagt: Wir wollen versuchen, da die Brücke zu bauen. Man war bei dem Brückenbau am Anfang schon sehr zögerlich. Aber als die Brücke dann fast schon stand, dann hat man unseeligerweise noch mal verzögert. Also, die Bundesregierung hat sich am Anfang mit Recht darum gekümmert, aber später dadurch, dass sie sehr zögerlich verhandelt hat, die Dinge in Arbeitsebenen gegeben hat, statt selbst umzusetzen, die Dinge laufen lassen, schleifen lassen und das war zum Schaden von Opel.

Nun gibt es nicht wenige, die sagen oder hoffen, in drei Wochen, wenn in Frankfurt die große Internationale Automobilausstellung startet, bis dahin muss im Fall Opel eine Lösung gefunden werden. Weil sich sonst niemand für die Autos interessiert, sondern nur für diesen Bieterwettstreit. Was glauben Sie?

Das Magna-Werk in Graz, Österreich (Foto: AP)

Magna wäre der ideale Partner für Opel, meint Autoexperte Dudenhöffer

Dudenhöffer: Ich glaube nicht, dass man bis zur IAA eine Lösung gefunden hat. Die IAA ist auch nicht das wesentliche Problem. Ich glaube, der viel wichtigere Termin ist der 27. September, der Tag der Bundestagswahl. Wenn bis zum Wahltermin keine Lösung für Opel feststeht, dann müssen wir davon ausgehen, dass General Motors diese Lösung diktiert. Und diese Lösung umsetzt, so wie General Motors das will. Dann hätten die Deutschen sehr stark verloren, dann hätten wir 1,5 Milliarden Steuergelder gegeben für die Finanzierung eines US-Unternehmens und wir hätten die denkbar schlechteste Alternative. Denn die Zukunft von General Motors, die ist sehr sehr fragil. Man ist jetzt aus einer Insolvenz herausgekommen, hat Mitarbeiter entlassen und Fabriken schließen können auf Kosten des Staates. Aber bei General Motors ist ja noch genau das gleiche Management, es sind genau die gleichen Fahrzeuge, ein neuer Ansatz ist überhaupt nicht erkennbar. Deshalb ist die Frage, warum soll der kleinere Kandidat General Motors mit der gleichen Ausrichtung in der Zukunft erfolgreicher sein als der große, der ja grandios gescheitert ist. Also, wir brauchen die Entscheidung vor der Wahl auch für die deutschen Standorte, auch für Opel, denn mit Magna kann man ein Konstrukt aufbauen, was industriell abgesichert ist und was langfristig diese Standorte und Opel in Deutschland und in Europa sichert.

Das Interview führte Henrik Böhme
Redaktion: Zhang Danhong

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