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Wirtschaft

Winterspiele ein wirtschaftlicher Reinfall?

Die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver: Ob sich das Mega-Ereignis für Kanadas Hauptstadt des Westens auch ökonomisch auszahlen wird, ist fraglich.

Beleuchtete Olympische Ringe vor dunklem Hintergrund (Foto:AP Photo)

Im Hafen von Vancouver: Olympische Ringe in voller Pracht

Als Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, im Jahre 2003 verkündete, dass Vancouver den Zuschlag zur Ausrichtung der Winterspiele 2010 erhalten wird, war die Freude in Kanada groß. Rund zehn Milliarden US-Dollar Gewinn, tausende neue Jobs und mehr Tourismus versprachen das Olympische Komitee und Kanadas Regierung.

Weitergabe des Olympischen Feuers (Foto: AP)

Weitergabe des Olympischen Feuers: Zündender Funke für den Tourismus?

Noch im Januar 2009 teilte Gordan Campbell, Premierminister der Provinz British Columbia, dem Fernsehsender CBC mit: "Wir liegen im Budget mit der Planung der Olympischen Spiele. Alle Veranstaltungsorte sind mittlerweile fertig gestellt und betriebsbereit. Die Spiele sind für uns ein ökonomischer Anreiz, der es uns ermöglicht, nach vorne zu schauen und Arbeitsstellen zu schaffen."

Wenige Wochen nach Campells Fernsehauftritt stellte sich jedoch heraus: Die Vorbereitungskosten für die Winterspiele 2010 hatten das Budget bei weitem überschritten.

Schulden in Milliardenhöhe

Arbeiter bauen Zelte neben einem Stadion für Eisschnellläufer (Foto: AP)

Neue Sportstätten für British Columbia: Investitionen in Milliardenhöhe

Anfängliche Kostenkalkulationen für Vancouvers Olympische Spiele von 1,5 Milliarden US-Dollar liegen mittlerweile offiziell bei 5,6 Milliarden. Laut neuesten Studien soll die Regierung statt 9,6 Milliarden US-Dollar im Bestfall nur noch eine Milliarde einnehmen. Damit übersteigen die Kosten für Vancouvers Winterspiele den erwarteten Gewinn um ganze 4,6 Milliarden US-Dollar. Gründe für die enorme Differenz sind laut Meinung der meisten Experten neben der Wirtschaftskrise vor allem Fehlkalkulationen der Regierung und Vancouvers Olympischem Komitee.

Den letzten pessimistischen Gewinnprognosen zum Trotz rechnet Kanadas Regierung jedoch nach wie vor mit einem Aufschwung in Vancouvers Tourismus Industrie als positivem Langzeiteffekt der Winterspiele.

"Über die letzten fünf Jahre hinweg gab es eine jede Menge Bauarbeiten und Stadtentwicklung in Vancouver. Nach den Olympischen Spielen werden wir daher eine weitaus bessere Infrastruktur als vorher haben", sagt Wendy Underwood, Pressesprecherin des Ministeriums für Tourismus. "Daüber hinaus werden wir an internationalem Ansehen durch die Spiele gewinnen, dank der drei Milliarden Menschen, die sich die Olympischen Spiele im Fernsehen anschauen."

Zweifel an Langzeiteffekten

Zwei Kanadische Flaggen im Wind in Vancouver (Foto: dpa)

Kanadische Flaggen: Hoffentlich folgt auf die Spiele keine finanzielle Flaute

Der vom Tourismus Ministerium erwartete Tourismus-Boom im Vorfeld der Spiele blieb jedoch schon einmal aus. Sollte Vancouver seine Winterspiele am Ende mit Schulden in Milliardenhöhe beenden, steht die Stadt zumindest nicht alleine da. Austragungsort für die Olympischen Spiele zu sein, hat sich auch in der Vergangenheit oftmals nicht ausgezahlt.

Athen verschuldete sich für die Olympischen Spiele 2004 mit sieben Milliarden Euro. Montreal zahlte seine Spiele, die bereits im Jahr 1976 stattfanden, noch bis zum Jahr 2002 ab. Der ökonomische Aufschwung im Rahmen der Winterspiele 2010 sei wohl eher beschränkt auf die zwei Wochen, in denen die Spiele stattfinden, vermutet Seth Klein, Direktor des gemeinnützigen "Zentrums für politische Alternativen".

"Ich zweifele stark daran, dass es Langzeiteffekte geben wird", so Klein. "Ich leugne nicht, dass die Spiele einen Einfluss haben werden, sowohl auf das Bruttosozialprodukt als auf den Arbeitsmarkt. Die Frage ist jedoch: ist das sechs Milliarden Dollar wert? Und wenn man diese sechs Milliarden für etwas anderes ausgegeben hätte, wie viel mehr hätte das beim Bruttosozialprodukt und beim Arbeitsmarkt gebracht?“

Kunst- und Kulturbudget um 80 Prozent gekürzt

Andere Dinge für die die kanadische Regierung sechs Milliarden hätte ausgeben können, fallen Chris Shaw, Arzt und Anti-Olympia Aktivist mühelos ein. Für so viel Geld könnte man, so Shaw, zum Beispiel die Alzheimer-Forschung für die nächsten zehn Jahre finanzieren.

Shaw rechnet fest damit, dass aufgrund der hohen Ausgaben für die Olympischen Spiele öffentliche Gelder für medizinische Forschung, soziale Programme und Kultur in Zukunft knapp werden. Die Realität scheint im bisher recht zu geben: Die Landesregierung hat beschlossen, im kommenden Jahr 360 Millionen Dollar weniger für Gesundheitsvorsorge auszugeben. Das Budget des Kunst- und Kulturministeriums von British Columbia wurde sogar um stolze 80 Prozent gekürzt.

Autorin: Dörthe Keilholz

Redaktion: Klaus Ulrich

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