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Wissen & Umwelt

Wind- und Solarstrom-Preise sinken drastisch

Wind- und Solarstrom sind bereits heute konkurrenzfähig. Die Kosten sinken aber nach einem Bericht der International Renewable Energy Agency kräftig weiter. Gewinner ist nicht nur die Umwelt.

In den vergangen sieben Jahren fielen die Preise für Solarmodule um rund 80 Prozent und die Preise für Windkraftanlagen um 30 bis 40 Prozent. Nach dem heute (15.06.2016) in Abu Dhabi veröffentlichten Bericht 'The Power to Change' der Internationalen Renewable Energy Agency (IRENA) werden die Preise weltweit noch weiter kräftig fallen. Die durchschnittlichen Kosten für Strom aus Windkraftanlagen auf dem Land könnten bis 2025 um 26 Prozent sinken - aus Solarmodulen sogar um 59 Prozent.

Bis 2025 würden so die Stromkosten im globalen Durchschnitt für Strom aus Windanlagen an Land und Photovoltaik auf vier bis fünf Eurocent pro Kilowattstunde (kWh) sinken. Damit werden sie deutlich günstiger sein als die Stromerzeugung aus Atomreaktoren und fossilen Kraftwerken.

"Wir hatten bereits drastische Kostensenkungen in den letzten Jahren, und dieser Bericht zeigt, dass getrieben vom technologischen Fortschritt und den Marktentwicklungen die Preise weiter fallen werden", sagt IRENA-Generaldirektor Adnan Z. Amin. "Sonne und Wind sind bereits die günstigste Quelle in vielen Märkten auf der ganzen Welt. Die weitere Kostensenkung wird den Trend verstärken, aus ökonomischen Gründen von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien zu wechseln."

Gewinner Windenergie

Derzeit erzeugen Windturbinen an Land schon sehr günstig Strom. Die Kosten der Stromerzeugung mit Windkraftanlagen an Land liegen dem Bericht nach mit neuen Anlagen im weltweiten Durchschnitt bei sieben US-Cents pro kWh (5,7 Eurocent).

Die IRENA-Autoren gehen davon aus, dass durch weitere Kostensenkungen bei Fertigung, Aufbau und Wartung, der Weiterentwicklung von Know-How vor Ort und durch effizientere Anlagen mit größeren Turbinen, Türmen und Rotoren die Kosten bis 2025 um 26 Prozent sinken könnten. Eine kWh Strom würde dann im globalen Durchschnitt nur noch etwa vier Cent kosten. Zum Vergleich: Strom aus neuen Kohlekraftwerken kostet heute in Europa mehr als doppelt so viel.

Eine große Kostensenkung wird es nach Einschätzung der Autoren auch bei Windparks im Meer geben. Derzeit gibt es vor allem in Europa erste Offshore-Windparks, doch die Technik ist noch vergleichsweise jung, und so liegt ihr Anteil an der global installierten Windkraft bei nur drei Prozent.

Gegenüber der Windkraft an Land ist die Stromerzeugung auf dem Meer noch relativ teuer und kostet mehr als doppelt so viel. Durch größere Anlagen und die Weiterentwicklung der aufwendigen Technik bei Installation und Wartung werden aber auch hier die Kosten kräftig sinken. Nach Ansicht der Experten könnte der Strom aus Offshore-Windparks dann im globalen Schnitt 35 Prozent günstiger sein.

Solarpark Templin in Ostdeutschland

Strom aus Photovoltaik wird unglaublich preiswert. Vielerorts ist sie schon heute günstiger als aus Kohle, Öl und Gas.

Preisbrecher Photovoltaik

Eine fast unglaubliche Dynamik erlebt die Stromerzeugung aus der Photovoltaik: Im Jahr 2010 kostete der Strom aus Solarmodulen noch zwischen 25 und 35 Eurocent pro kWh. Fünf Jahre später, 2015, war der Strom aus neuen Modulen schon zwei Drittel günstiger, im globalen Durchschnitt bei nur noch 10,7 Eurocent pro kWh. Durch eine effizientere Produktion und effizientere Module geht die Kostensenkung weiter zügig voran: Nach Angaben von IRENA könnten die Kosten für Strom aus den Solarmodulen bis 2025 um 59 Prozent sinken. Im globalen Schnitt würde der Strom dann weniger als fünf Eurocent pro kWh kosten.

Wie günstig der Strom aus Solarkraft schon heute sein kann, bemerken die Autoren mit einem Verweis auf einen großen Solarpark, der in den vereinigten Arabischen Emiraten gebaut werden soll. Der Stromversorger in Dubai erhielt im Frühjahr das Angebot, dort Solarstrom für 2,5 Eurocent pro kWh zu produzieren - weltweit gilt dies als Preisrekord.

Solarthermisches Kraftwerk Noor 1 in Marrokko

Solarthermische Kraftwerke im Süden von Marokko. Sie sollen bald für 1,3 Millionen Menschen Strom erzeugen.

Solarthermische Kraftwerke werden konkurrenzfähig

Mit dem Boom der Photovoltaik konnten solarthermische Kraftwerke bislang nicht mithalten. Sie wandeln die Solarenergie nicht direkt in Strom um, sondern erwärmen mit Spiegeln Wasser zu Dampf, der wie in einem konventionellen Kraftwerk einen Generator antreibt und Strom erzeugt.

Solarthermische Kraftwerke stehen vor allem in Wüstenregionen. Der große Vorteil ist, dass sie auch Energie speichern und in der Nacht Strom produzieren können. Nach Angaben des IRENA-Reports könnten die Kosten um rund ein Drittel fallen.

Energieumbau und Klima braucht Politik

Von deutlich sinkenden Preisen für Wind- und Solarkraft gehen auch die Analysten von Bloomberg New Energy Finance aus. In ihrem zwei Tage zuvor veröffentlichten New Energy Outlook 2016 prognostizieren sie bis zum Jahr 2040 eine Kostensenkung für Windstrom an Land von 41 Prozent und für Photovoltaik von etwa 60 Prozent. Sie gehen davon aus, dass bis dahin 7,8 Billionen US-Dollar (6,4 Billionen Euro) in diese erneuerbaren Technologien investiert werden, aber nur 2,1 Billionen US-Dollar (1,7 Billionen Euro) in fossile Kohle- und Gaskraftwerke.

Zugleich betonen die Experten aber, dass diese Investitionen zur Erreichung der Klimaschutzziele nicht ausreichen: Zur Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad müssten die Investiionen in die Erneuerbaren um rund 70 Prozent höher sein.

Im Vergleich zu den Prognosen von Bloomberg könnte nach Einschätzung der IRENA die Kostensenkung von Wind- und Solarkraft schneller gehen. Die IRENA-Experten betonen in ihrem Bericht jedoch auch immer wieder das Wort "können" und die Bedeutung der Politik. "Um mit der Energiewende fortzufahren, müssen wir jetzt den politischen Fokus auf noch größere Kostensenkungen richten und damit die enormen wirtschaftlichen Chancen nutzen", betont Amin und zeigt sich überzeugt, dass das geht. "Die Gewinner dieser Transformation sind die Verbraucher, die Umwelt und die zukünftigen Generationen."

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