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Wissen & Umwelt

Globaler Rekord bei erneuerbaren Energien

Im Jahr 2015 wurden laut Global Status Report 286 Milliarden US-Dollar in den weltweiten Zubau von Erneuerbaren investiert - mehr als jemals zuvor. Aber das reicht Experten zufolge noch nicht.

2015 war ein Rekordjahr. Nach Angaben des Global Status Report, der jetzt in San Diego, USA, vorgestellt wurde, boomt vor allem der Ausbau der Wind-, Solar- und Wasserkraft zur Stromerzeugung. Es wurden Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 147 Gigawatt (GW) weltweit neu aufgestellt. Das entspricht der Kraftwerksleistung von 147 großen Atomreaktoren. Auf die Windkraft entfielen 63 GW, auf die Solarenergie 55 GW und auf die Wasserkraft 16 GW.

Spitzenreiter beim Zubau von erneuerbaren Energien waren im letzten Jahr China, die USA, Japan, Großbritannien und Indien. Bezogen auf die installierte Kraftwerksleistung pro Einwohner hatten Ende 2015 die europäischen Länder Dänemark, Deutschland, Schweden, Spanien und Portugal die Nase vorn. Sie hatten schon in den Vorjahren massiv in die Erneuerbaren investiert.

Sinkende Kosten treiben globale Bewegung

Den alljährlichen Status Report gibt das Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN21) heraus, einem Netzwerk von 700 Experten aus der ganzen Welt. Auf 272 Seiten zeigt er eine

umfassende Übersicht

zur weltweiten Situation von erneuerbaren Energien sowie zu Trends in der Politik und bei Investoren.

Weltweit wurden laut Bericht im letzten Jahr 286 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investiert, 13 Milliarden mehr als im Vorjahr. Der Grund für den weltweiten Boom seien vor allem die sinkenden Kosten. "Der Bericht zeigt, dass erneuerbare Energien wettbewerbsfähig sind, in vielen Ländern mit den Preisen für fossile Energien mithalten können - und das zu einer Zeit, zu der die Preise für fossile Energien einen historischen Tiefpunkt erreicht haben", sagt Christine Lins, Generalsekretärin von REN21 gegenüber der DW.

Erneuerbare Energien seien gut für Umwelt und Wirtschaft, fügt Lins hinzu: "Inzwischen haben fast alle Länder der Welt, nämlich 172, politische Rahmenbedingungen für die Erneuerbaren. Das ist eine Bewegung in Richtung 100 Prozent erneuerbare Energien." Immer mehr Städte und über 2000 Unternehmen auf der ganzen Welt hätten sich dieses Ziel gesetzt.

Mehr Erneuerbare im globalen Strommix

Laut Bericht erzeugen die Erneuerbaren im Jahr 2015 weltweit knapp 24 Prozent des Stroms - etwa ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. "In Europa liegt der Anteil der Erneuerbaren am Strommix schon bei 44 Prozent", unterstreicht Lins. Im Jahr 2010 seien es noch 24 Prozent gewesen. Das Industrieland Deutschland produziert inzwischen über ein Drittel des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien und exportiert zudem einen weiteren Teil in die Nachbarländer.

Mehr Tempo für Klimaziele

Während der Anteil der Erneuerbaren im Strommix weltweit deutlich steigt, ist der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Energieverbrauch, also wenn man auch Heizung, Industrie und Verkehr einbezieht, wesentlich kleiner. Ende 2015 lag dieser Anteil weltweit bei 19,2 Prozent - nur 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Grund seien vor allem die langsamen Fortschritte im Verkehr- und Wärmesektor, sagt Lins: "Da muss noch sehr viel mehr passieren." Der Anteil von erneuerbaren Energien im Straßenverkehr liegt laut Report weltweit bei nur vier und für die Erzeugung von Wärme in Gebäuden und Industrie bei acht Prozent.

Um die

Pariser Klimaziele

zur Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad zu erreichen, müsste bis zur Mitte des Jahrhunderts der vollständige Ausstieg aus den fossilen Energien abgeschlossen sein. Aber: "Hier sind wir noch nicht auf dem richtigen Gleis", sagt Lins.

Trotzdem sieht Expertin Lins Chancen, die Ziele zu erreichen: "Der Zubau der Erneuerbaren muss um den Faktor zehn gesteigert werden, das ist möglich." Man sehe, wie rasch sich die Photovoltaik in den letzten Jahren entwickelt habe. "Daran erkennt man, wie Innovation und Kostendegression alles stark beschleunigen können."

Aufklärung und Hilfe durch Politik

Obwohl sich die erneuerbaren Energien weltweit etablieren und die Schwellenländer im Vergleich zu den Industrieländer schon mehr investieren als noch vor kurzem - zum Erreichen der Klimaziele braucht es eine stärkere Unterstützung der Politik.

Christine Lins (Foto: WWEA/Andreas Birresborn)

Christine Lins fordert mehr Unterstützung von der Politik

Ein sehr wichtiges Instrument ist, so glaubt Lins, der

Subventionsabbau.

"Bisher geben wir weltweit viermal mehr Geld für die Subventionierung von fossilen Energien aus als für die Förderung von erneuerbaren Energien." 2014 wurden laut Lins fossile Energien mit 490 Milliarden US-Dollar subventioniert und erneuerbare Energien mit 135 Milliarden gefördert. "Diese Benachteiligung muss sich ändern."

Aufklärung in Öffentlichkeit und Politik sei ein wesentliches Element, veraltetes Denken zu überwinden. "In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es Irrmeinungen, dass erneuerbare Energien teurer, unzuverlässiger oder sogar schlecht für die Umwelt sind."

Dass eine Stromversorgung mit 100 Prozent erneuerbarer Energie problemlos möglich sei, hätte zuletzt Portugal bewiesen. "Vier Tage lang haben dort die erneuerbaren Kraftwerke die Stromversorgung komplett übernommen." Auch im dänischen Stromsystem übernehmen die Erneuerbaren inzwischen immer öfter die Stromversorgung zu 100 Prozent.

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