1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Wikipedia protestiert und geht offline

Für 24 Stunden ist die englische Version des Online-Lexikon vom Netz - Damit demonstrieren Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und sein Team gegen US-Gesetzespläne. Diese sehen Sanktionen gegen Verstöße im World Wide Web vor.

Screenshot von Wikipedia vom 18.01.2012

24 Stunden ausgeblendet - Protest für ein freies Internet

"Imagine a World Without Free Knowledge" - "Stellen Sie sich eine Welt ohne freies Wissen vor." Mit dieser Aufforderung hat der 24-stündige Internet-Streik der englischsprachigen Version der Online-Enzyklopädie Wikipedia begonnen. Aus Protest gegen zwei geplante Anti-Internet-Piraterie-Gesetze bleibt die beliebte Lexikon-Seite am Mittwoch schwarz. Seit Mitternacht an der US-Ostküstenzeit (6 Uhr MEZ) können Informationen auf tausenden Seiten nicht mehr abgerufen werden. Stattdessen wird auf der dunklen Seite mit dem charakteristischen W folgende Erklärung eingeblendet: "Stellen Sie sich eine Welt ohne freies Wissen vor. Über ein Jahrzehnt haben wir Millionen Stunden damit verbracht, die größte Enzyklopädie in der menschlichen Geschichte aufzubauen. Nun zieht der US-Kongress eine Gesetzgebung in Erwägung, dass das freie und offene Internet auf erhebliche Weise beschädigen kann."

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales (Foto: AP)

Wikipedia-Gründer Wales ruft User auf zu protestieren

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales erklärte dazu: "Heute haben Wikipedianer aus der ganzen Welt ihre Stimme gegen diese zerstörerische Gesetzgebung erhoben." Er hatte diesen "Wikipedia Blackout" am Montag in einer Twitter-Mitteilung angekündigt und US-Bürger aufgefordert, sich ebenfalls bei ihren Abgeordneten gegen die Gesetzesvorhaben zu beschweren. In einem offenen Brief hatten sich neben Wikipedia die Gründer von Internetriesen wie Google und Twitter bereits an Washington gewandt und kritisiert, dass die US-Regierung mithilfe der Gesetze das Internet mit Methoden zensieren könnte wie sie in Staaten wie China und Iran angewandt würden.

Gesetze sollen Internet-Piraterie bekämpfen

Die Internetgemeinde will mit der Aktion Druck auf den US-Kongress ausüben. Sie richtet sich konkret gegen zwei geplante Gesetze, mit denen die Verbreitung von Raubkopien im Ausland unterbunden und geistiges Eigentum geschützt werden soll: gegen den "Stop Online Piracy Act" (SOPA) und den "Protect Intellectual Property Act" (PIPA). Über beide Gesetzesvorhaben berät der US-Kongress zurzeit. Vor allem die Film- und Musikindustrie unterstützt die Pläne. Nach ihrer Ansicht vernichtet der illegale Verkauf ihrer Produkte Arbeitsplätze in den USA.

Kritiker befürchten hingegen, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wírd und langfristig Webangebote willkürlich gesperrt würden. Sie sehen in den Gesetzesinitiativen eine Möglichkeit, das Netz zu zensieren. Stein des Anstoßes ist vor allem die Möglichkeit, durch die Gesetze den Zugang zu ausländischen Webseiten zu sperren, die Raubkopien anbieten. SOPA würde es den US-Behörden erlauben, eine Schwarze Liste mit Websites zu erstellen, die angeblich gegen das Urheberrecht verstoßen. Damit würden US-Bürgern Teile der Online-Welt vorenthalten.

Kritisiert wurden die Gesetzesvorlagen am Wochenende auch von der US-Regierung unter Präsident Barack Obama. In einer Erklärung hieß es, es werde eine Zusammenarbeit mit dem Kongress geben, um Raubkopien zu bekämpfen - gleichzeitig müsse aber die Freiheit des Internets aufrecht erhalten werden.

Autorin: Naima El Moussaoui (dapd, afp, dpa)
Redaktion: Marion Linnenbrink

Die Redaktion empfiehlt