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Kultur

"Wikinger!" Wie waren sie wirklich?

Bekannt sind die Wikinger als rotblonde Plünderer mit Hörnerhelmen und Streitäxten. Was an den Klischees dran ist, zeigen Ausstellungsstücke in der "Wikinger!"-Schau in Rosenheim.

Die Wikinger umgibt eine mythische Aura. Das Image raubender Barbaren mit gehörnten Helmen haftet den Nordleuten des Frühmittelalters hartnäckig an. Doch die historischen Fakten sehen anders aus. Bei einem näheren Blick auf archäologische Funde und alte Niederschriften klärt sich so mancher populärer Irrtum auf: "Die Wikingerhelme hatten keine Hörner! Die wurden später den Wikingern einfach angedichtet", berichtet Dr. Michaela Helmbrecht.

Lokschuppen Rosenheim Ausstellung Wikinger - Pressebild

Plakat zur Ausstellung "WIKINGER!"

Die Archäologin kuratierte die Ausstellung "Wikinger!" im Ausstellungszentrum Lokschuppen im bayerischen Rosenheim. Hier sind zwischen dem 11. März und 4. Dezember über 500 Originale aus der Wikingerzeit zu sehen – zusammengestellt aus diversen namhaften Museen. Das Ziel: ein vielschichtiges, wirklichkeitsnahes Bild der Wikingerzeit zu vermitteln. Stereotype Vorstellungen sollen über Bord gehen.

Männer (und Frauen) des Schwertes

In manchen Klischees steckt jedoch auch ein Fünkchen Wahrheit. Prunkvolle Waffenfunde aus dem Frühmittelalter sprechen dafür, dass die Wikinger tatsächlich mutige, kämpferische Männer waren: Als schlagende Begleiter im Kampf dienten ihnen die berühmten Ulfberht-Schwerter. Mit ihren hochwertigen, in einer fränkischen Edelschmiede gefertigten Stahlklingen gelten sie als die "Superwaffen" des Mittelalters. Ihre erstklassige Qualität war so beliebt und ihre Schlagkraft so gefürchtet, dass die karolingischen Könige in Franken den Waffenexport im 9. Jahrhundert zeitweise verbieten ließen. Schließlich wollten sie von der Kriegspartei der Wikinger nicht mit eigens produzierten, fränkischen Waffen geschlagen werden.

Lokschuppen Rosenheim Ausstellung Wikinger - Pressebild

Eisenschwert mit Silbereinlagen aus dem 10. Jahrhundert

Im Umlauf waren damals auch zahlreiche Kopien des Marken-Schwertes aus dem Frankenland. Bei den maroden Imitaten wurde mitunter der Name falsch geschrieben – wie bei heutigen Marken-Plagiaten.

Auch Frauen durften bei den Wikingern übrigens Schwerter tragen, allerdings nur, wenn sie keinen Vater, Bruder oder Ehemann mehr hatten: "Dann repräsentierten die Frauen die Familie und durften für die Familie sprechen. Das Schwert war damit auch für sie ein Standeszeichen", klärt Kuratorin Dr. Michaela Helmbrecht auf.

Die Wikinger als Strategen und Feingeister?

Wickie, der kleine Wikingerjunge aus der bekannten Kinderserie "Wickie und die starken Männer", ist eher ängstlich und kann nicht mit Muskelkraft punkten. Stattdessen setzt er seinen Verstand ein und rettet der Wikingermannschaft mit seinen raffinierten Ideen immer wieder die Haut. Tatsächlich war strategisches Denken gar nicht so untypisch für die tapferen Nordleute: Sie folgten keineswegs immer nur der Prämisse "Hau drauf!". In der Rosenheimer Ausstellung sollen die Wikinger durchaus auch als "clevere Strategen" gezeigt werden. Statt immer nur blindwütig zu plündern, erhoben sie auch Tribute und handelten unter anderem mit Metallen und Nahrungsmitteln.

Lokschuppen Rosenheim Ausstellung Wikinger - Pressebild

Pferdefibel aus versilberter Bronze aus dem 8. Jahrhundert

Sogar das Kunsthandwerk spielte bei den heute als brandschatzende Krieger verschrieenen Nordleuten eine Rolle. Zahlreiche wertvolle Fundstücke von Goldschmiedearbeiten mit feiner Ornamentik bis hin zu dekorativen Runensteine und Gefäßen belegen die feingeistige Seite der Wikinger.

Auf eine Zeitreise gehen

In der Erlebnisausstellung "Wikinger!" soll die sagenumwobene Vergangenheit des legendären Nordvolkes auf allen Ebenen erfahrbar gemacht werden. Ein Klischee bestätigt die Ausstellung allerdings: Die Wikinger waren überragende Seefahrer und machten als solche über drei Jahrhunderte hinweg die Meere bis nach Grönland unsicher.

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