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Aktuell Amerika

Wikileaks-Informant Manning gesteht

Die Enthüllung vertraulicher US-Dokumente sorgte Ende 2010 weltweit für Wirbel. Nun hat der Soldat Bradley Manning die Weitergabe der Infos zugegeben - offensichtlich um zu verhindern, lebenslang ins Gefängnis zu müssen.

Bei einer Anhörung vor einem US-Militärgericht in Fort Meade im Bundesstaat Maryland verlas Bradley Manning eine lange Erklärung, in der er sein Handeln verteidigte. Die Geheimdokumente stünden für "die nicht sichtbare Realität der Konflikte im Irak und in Afghanistan". Er habe geglaubt, mit der Veröffentlichung eine Debatte über "Außenpolitik und den Krieg allgemein" auslösen zu können. Zwar habe er sich Sorgen wegen der Enthüllung gemacht, aber letztlich geglaubt, "dass diese Depeschen den Vereinigten Staaten nicht Schaden würden. Allerdings glaubte ich, dass diese Depeschen peinlich wären", so der wegen Geheimnisverrats angeklagte US-Soldat.

Manning beschrieb, wie er die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern herunterlud. Dabei brachte er zwei Datenbanken in seinen Besitz, in der die täglichen Zwischenfälle der US-Einsätze im Irak und in Afghanistan aufgeführt wurden. "Damals habe ich geglaubt, und ich glaube es immer noch, dass dies zwei der wichtigsten Dokumente unserer Zeit sind", sagte Manning.

Wie Ameisen quälen

Außerdem kopierte der Obergefreite vertrauliche Depeschen der US-Diplomatie und ein Video, das den tödlichen Beschuss von Zivilisten durch einen US-Kampfhubschrauber zeigt. "Der alarmierendste Aspekt des Videos war für mich der offenkundig genussvolle Blutrausch, den das Luftkampfteam hatte", berichtete Manning. Er verglich die Handlungen der Soldaten mit einem Kind, das unter einer Lupe Ameisen quält.

Sequenz aus Wikileaks-Video (Foto: AP)

Veröffentlicht auf Wikileaks: Zivilisten im Fadenkreuz der US-Armee im Irak

Zunächst habe er vergeblich versucht, die Dokumente renommierten US-Medien wie den Zeitungen "Washington Post" und "New York Times" zuzuspielen - dann aber die Datensätze an Wikileaks geschickt. Die Internet-Plattform des Australiers Julian Assange veröffentliche 2010 und 2011 tausende dieser Dokumente, nannte aber nie die Quelle. Der Fall gilt als die größte Enthüllung vertraulicher Informationen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die US-Regierung hatte erklärt, die Veröffentlichung habe militärische und diplomatische Quellen bedroht und das Verhältnis der USA zu anderen Ländern belastet. Mannings Anhänger sehen in ihm hingegen einen Helden, der Kriegsverbrechen aufgedeckt habe.

10 x schuldig, 12 x nicht schuldig

In zehn von 22 Anklagepunkten bekannte sich Manning schuldig. So räumte er ein, mit der Weitergabe der Dokumente Militärvorschriften gebrochen zu haben. Die besonders schweren Vorwürfe der Spionage und der "Unterstützung des Feindes" wies Manning jedoch zurück. Bei einer Verurteilung in diesen Punkten würde dem Soldaten eine lebenslange Haftstrafe drohen. Doch auch für die Anklagepunkte, in denen sich Manning nun schuldig bekannte, könnte er bis zu 20 Jahre ins Gefängnis geschickt werden. Richterin Denise Lind muss noch entscheiden, ob sie Mannings Schuldeingeständnis akzeptiert.

wa/gmf (ap, afp, dpa)

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