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Politik

Wieviel Atomprogramm hat der Iran?

Die USA sind weiter besorgt über die atomaren Aktivitäten des Irans. Anlass dazu gibt ein vertraulicher Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde. Danach soll der Iran an einer Atombombe bauen.

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Soll bald in Betrieb genommen werden: Kernkraftwerk Bushehr


Der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, Mohammed El Baradei, will nach dem dritten Bericht zum Iran innerhalb von neun Monaten nicht mehr ausschließen, dass Teheran an einem Programm zum Bau einer Atombombe arbeitet. In den USA ist man sich dagegen fast sicher, dass dem so ist. Experten sprechen davon, dass auch der jüngste IAEO-Bericht wieder deutliche Indizien für Proliferation ergeben habe.

Proliferation bezeichnet die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen oder der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte, einschließlich des dafür erforderlichen Know-How. Für den Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, ist die Sache klar: "Es gibt keinen Zweifel, dass der Iran an einem extensiven Nuklearprogramm arbeitet, und dass viel der damit verbundenen Aktivitäten unter gar keinen Umständen als friedlich bezeichnet werden können."

Iran importiert "Zutaten" für die Bombe

Konkret verweist man auf den jüngsten Bericht der IAEO, der den 35 Mitgliedstaaten am 14. Juni zu Beginn einer IAEO-Sitzung offiziell vorgelegt wurde. Darin gibt der Iran zu, dass größere Mengen von Uran Hexaflorid zu Forschungszwecken verwendet worden seien. Das Material ist ein wichtiger Bestandteil zur Herstellung atomarer Brennstoffe. Außerdem räumt der Iran diesem Bericht zufolge auch den Import von wichtigen Bestandteilen für die technisch hochwertigen P2-Zentrifugen ein. Diese Importe hatte Teheran bislang immer bestritten.

Der Proliferationsexperte Jack Wolfthal vom Friedensforschungsinstitut "Carnegie Endowment for Peace" in Washington vermutet, es handele sich um hoch entwickelte Ausrüstung, die der Iran ganz eindeutig aus dem Ausland, wahrscheinlich aus Pakistan importiert habe. Der Iran habe vermutlich derartig große Mengen importiert oder plane solche Importe, dass dies mit reinen Forschungszwecken nicht mehr zu erklären sei.

USA haben Bedenken

Weiterhin stellt der Bericht fest, dass der Iran trotz eines angekündigten Stopps aller Aktivitäten zur Urananreicherung nachweislich in mindestens drei Einrichtungen seine Aktivitäten fortgesetzt hat. Der Iranbericht der IAEO ist der dritte innerhalb von neun Monaten. Im Herbst 2003 hatte sich der Iran freiwillig zu verstärkten Kontrollen seiner Atomanlagen bereit erklärt. Nach Auffassung der IAEO und ihres Leiters Mohammed El Baradei erlaubt auch der jüngste Bericht keinen eindeutigen Rückschluss darauf, ob Teheran sein Atomprogramm zu zivilen oder zu militärischen Zwecken betreibt.

Die USA behalten sich vor, das Thema vor den Weltsicherheitsrat zu bringen. Dazu hätten sie allen Grund, wie zumindest Jack Wolfthal meint: "In allen Berichten hat die IAEO doch feststellen müssen, dass der Iran in seinem Programmen wesentlich weiter voran geschritten war, als man vorher zugegeben hatte."

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