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Politik

Wiederaufbau in Feyzabad

Ein weiteres Provincial Reconstruction Team (PRT) aus Deutschland soll in der nordafghanischen Stadt Feyzabad und Umgebung für Stabilität und Sicherheit sorgen. Aber der Auslandseinsatz ist umstritten.

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Das Wiederaufbauteam (PRT) der Bundeswehr in Feyzabad

Zerstörte Infrastruktur und bettelnde Kinder am Straßenrand prägen das trostlose Stadtbild von Feyzabad im Nordosten Afghanistans. Zwar ist die Region um Badakshan von den Taliban verschont geblieben, doch rivalisierende Banden, fanatische Freiheitskämpfer und korrupte Politiker haben das Land nahezu in den Ruin geführt. Eigenständig ist das Land nicht in der Lage, die Lebensqualität in dieser Region zu verbessern.

Hilfe aus Deutschland

Die Bundeswehr in Feyzabad Afghanistan Karte

Feyzabad liegt abgelegen im Nordosten Afghanistans

Die Bundesregierung hat ein weiteres Provincial Reconstruction Team (PRT) nach Feyzabad im Nordosten Afghanistans geschickt. Ziel des Teams von Aufbauhelfern ist es, die Kabuler Zentralregierung dabei zu unterstützen, Stabilität und Sicherheit in der Provinz zu garantieren. Das dort bereits arbeitende Vorkommando ist dem ISAF-Hauptquartier in Kabul unterstellt und soll in den nächsten Wochen eine Stärke von 85 Soldaten erreichen. Parallel dazu sollen weitere 65 Soldaten nach Feyzabad kommandiert werden, um die Präsidentschaftswahlen am 9. Oktober abzusichern.

Dass die Arbeit der Soldaten nicht umsonst ist, zeigt die Veröffentlichung der Wahlregistrierungsdaten: Insgesamt wurden in den vier nordostafghanischen Provinzen, die in den Verantwortungbereich des deutschen PRT gehören, knapp 1,4 Millionen von 1,5 Millionen Wahlberechtigten erfasst. "Wir haben in Zusammenarbeit mit der United Nation Assistance Mission Afghanistan (UNAMA) Hubschrauber gechartert, um Wahlregistrierungshelfer in die entfernten Provinzen zu schicken", erklärt der Gouverneur der Provinz Badakshan Sayed Mohammed Ekramuddin, wie die Zusammenarbeit funktioniert. Aufgrund der Tatsache, dass militante Gruppierungen immer wieder Anschläge auf Registrierungsbüros verüben, ist dies ein beachtlicher Erfolg.

Wintereinbruch steht bevor

Die Bundeswehr in Feyzabad Afghanistan

Unterkunft des PRT in Feyzabad

Neben der instabilen Sicherheitslage in dieser Region erschwert den Soldaten auch ein anderer Faktor ihren Auftrag: der Wintereinbruch in Afghanistan. Bislang konnte die Versorgung der Soldaten durch Fahrten zu den Außenstellen zum Beispiel in Kundus gewährleistet werden. Doch wie soll der Transport von Lebensmittel und Betriebsstoffen organisiert werden, wenn die Zufahrtswege in die entlegene Provinz am Fusse des Hindukusch unpassierbar sind? Feyzabad ist von Kundus immerhin knapp 250 Kilometer entfernt."Die einzige Möglichkeit wird sein, unsere Truppen aus der Luft zu versorgen, und so können wir gewährleisten, dass der Versorgungsstrang zu keiner Zeit abreißt" erklärt Oberstleutnant Joachim Teichmann, Leiter des Vorauskommandos Feyzabad, in einem Interview.

Kritik aus Deutschland

Die deutschen Oppositionsparteien CDU/CSU und FDP kritisieren des Bundeswehreinsatz in Nordafghanistan. Deutsche Soldaten sollen sich Zeitungsberichten zufolge in ihren Stützpunkt zurückgezogen haben, als zivile Mitarbeiter der schweizerischen Hilfsorganisation Medair von einer aufgebrachten Menschenmenge attackiert wurden. Der Vertreter von Medair, Mark Campbell, hatte in einem Zeitungsinterview erklärt, dass deutsche Soldaten Mitarbeiter seiner Gruppe "nicht aus dem Mob geholt" hätten. Später erklärte er jedoch in einem Fernsehinterview, die Bundeswehr hätte zu keinem Zeitpunkt die Hilfe verweigert. Auch das deutsche Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe zurück. Die afghanische Polizei soll die Unruhe schon beendet haben, bevor überhaupt deutsche Soldaten am Ort des Geschehens eingetroffen waren. Weder Polizei noch die Hilfsorganisation hätten sich an die Bundeswehr gewandt.

Die Bundeswehr in Feyzabad Afghanistan

Ein Jeep der Bundeswehr oberhalb Feyzabads

Politiker von Union und FDP sind sich nicht sicher, ob sie einem weiteren Einsatz der Bundeswehr in Kundus und Feyzabad zustimmen sollen. Der Bundestag stimmt im Oktober über die Verlängerung des Mandats ab. Ein Ende der deutschen Einsätze in Kundus und Feyzabad "wären sehr unglücklich", sagte der stellvertretende Präsidentensprecher Chalik Ahmad unlängst in Kabul. "Die Wiederaufbauteams bringen Sicherheit und Stabilität in die Provinzen. Das ist das letzte, was man den Menschen dort wegnehmen sollte". Die Wiederaufbauteams müssten ausgebaut statt abgezogen werden.

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