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Afghanistan

Wieder wird ein NATO-Soldat in Afghanistan getötet

Bei einem erneuten Selbstmordanschlag auf einen Militärkonvoi in Afghanistan ist ein NATO-Soldat getötet worden. Sechs weitere Menschen wurden bei dem Angriff in der Provinz Kabul verletzt.

Wie die NATO-Mission Resolute Support (RS) mitteilte, befanden sich die Soldaten des westlichen Verteidigungsbündnisses auf einer gemeinsamen Patrouille mit afghanischen Kräften, als der Attentäter im Qarabagh Distrikt in der Provinz Kabul den Anschlag verübte. Zu dem Attentat bekannten sich umgehend die radikal-islamischen Taliban.

Fünf Soldaten und ein Dolmetscher wurden verletzt. Ihr Zustand war den Angaben zufolge stabil, sie wurden auf dem US-Stützpunkt in Bagram behandelt.

Erst am Mittwoch waren bei einem Selbstmordanschlag der radikalislamischen Taliban auf einen NATO-Konvoi in Südafghanistan zwei US-Soldaten getötet und vier weitere verletzt worden. Die Sicherheitslage in dem Land am Hindukusch hat sich zuletzt wieder drastisch verschlechtert. Allein in der Hauptstadt Kabul gab es seit Januar elf große Anschläge, bei denen mehr als 1000 Menschen getötet oder verletzt wurden.

Nicht nur die Taliban wütet im Land

Neben der radikal-islamischen Taliban verübt auch die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Anschläge. Betroffen sind vor allem schiitische Moscheen. Erst vor wenigen Tagen waren in der Stadt Herat im Westen des Landes mindestens 30 Menschen getötet worden, als IS-Kämpfer dort ein schiitisches Gotteshaus angriffen.

Angehörige der schiitischen Minderheit in Afghanistan hatten daraufhin zu Protesten aufgerufen. "Wir werden die Toten begraben und dann werden wir auf die Straße gehen und Gerechtigkeit verlangen", sagte Farhad Dost, der bei dem Anschlag in Herat einen Angehörigen verlor. "Sie haben sogar siebenjährige Kinder getötet", so Dost. "Das war kein Anschlag auf Schiiten, das war ein Anschlag auf alle Afghanen, auf alle Muslime." 

Afghanistan Begräbnis Opfer Anschlag Moschee in Herat (DW/Shoaib Tanha Shokran)

Tausende nahmen an dem Begräbnis für die Opfer in Herat teil

Die Schiiten, die mit rund drei Millionen Angehörigen im mehrheitlich sunnitischen Afghanistan eine Minderheit stellen, sind dabei auch erbost über das Agieren der Behörden. "Der Polizeiposten ist nur hundert Meter von der Moschee entfernt", sagte Dost und fügte deprimiert hinzu: "Sie haben noch nicht einmal versucht, die Angreifer zu stoppen."  

Die NATO hatte Ende Juni die Aufstockung ihrer Truppen in Afghanistan um mehrere tausend Soldaten bekanntgegeben. Ziel ist es nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg, die Taliban an den Verhandlungstisch zu zwingen. 

Im Rahmen der Operation "Resolute Support" bildet die Nato afghanische Sicherheitskräfte aus. Damit soll das Land möglichst unabhängig von ausländischen Sicherheitskräften werden. Deutschland ist mit derzeit rund 1100 Soldaten einer der größten Truppensteller. Die meisten von ihnen sind in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan stationiert; allerdings sind auch mehrere Dutzend Bundeswehr-Soldaten in der Hauptstadt Kabul im Einsatz.

haz/fab (dpa, rtr, afp)