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Wirtschaft

Wieder teure Panne am US-Aktienmarkt

Neuer Börsenunfall in den USA: In weniger als einer Stunde wurde der US-Aktienbroker Knight Capital in tiefe Verluste gestürzt. Der neue Vorfall wirft ein paar grundsätzliche Fragen auf.

Trader Bradley Silverman works on the floor of the New York Stock Exchange Wednesday, Oct. 22, 2008. Wall Street tumbled again Wednesday as investors worried that the global economy is poised to weaken even as parts of the credit market slowly show signs of recovery. (AP Photo/Richard Drew)

Symbolbild New York Börse Wirtschaft Finanzkrise Schuldenkrise Kapitalismus

Pleiten, Pech und Pannen am US-Aktienmarkt: Das Software-Problem im Handelssystem des US-Brokers Knight Capital ist das bislang letzte Desaster in einer langen Reihe. Die Fehler-Serie wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Abhängigkeit der Börsen von Computerprogrammen, die ohne menschliches Zutun in Sekunden-Bruchteilen Tausende Kauf- und Verkaufsorders absetzen. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht und die Regulierer tun sich schwer, mögliche Schäden zu begrenzen. Dabei entfallen Schätzungen zufolge bereits knapp drei Viertel des US-Aktienhandels auf das sogenannte Algo-Trading.

"Vielleicht ist es einfach zu kompliziert", sagt Larry Tabb, Gründer der auf die Kapitalmärkte spezialisierten Beratungsfirma Tabb Group. "Wir sollten darüber nachdenken, die Struktur des Marktes zu verändern, um diese Dinge zu vereinfachen." Bernard Donefer, der an der NYU Stern Graduate Business School und am Baruch College unterrichtet, plädiert für eine stärkere Regulierung. Wenn es Autos gebe, die selbstständig Hindernisse erkennen und stoppen können, dann "brauchen wir derartige Kontrollen" auch für die Finanzmärkte, betont er. Ein Anfang seien die geplanten neuen Grenzwerte zur Aussetzung des Handels bei Kursausschlägen. Diese sollen aber erst im kommenden Februar von den Aufsichtsbehörden getestet werden.

Einzelfall oder bedingtes Problem?

 Andere sehen hingegen keinen Bedarf für strengere Regeln. Für Matt Andresen, Gründer des Hochfrequenz-Wertpapierhändlers Headlands Technology, ist die Causa Knight ein Einzelfall. "Software-Fehler kommen vor", betont er. "Knight hatte ein hausgemachtes Problem und sie sind die einzigen Leidtragenden." Auch Professorin Maureen O'Hara von der Cornell University warnt vor Pauschalisierungen. "Ich bin besorgt, dass Leute sagen werden, es läuft etwas fundamental falsch am Markt. Das ist nicht der Fall."

 Unentschuldbar ist Kritikern zufolge, dass Knight, über dessen Systeme zahlreiche Banken und Fonds ihre Aufträge abwickeln, die Software offenbar nicht ausreichend getestet habe. "Das ist wie ein Atomreaktor oder ein Flugzeug", sagt Roy Niederhoffer, Chef des Hedgefonds R.G. Niederhoffer Capital Management und Kunde von Knight Capital. "Es muss einen Weg geben, den Zustand des Gesamtsystems zu überblicken."

Handelssysteme müssen regelmäßig aktualisiert werden, um sie an veränderte Kunden-Anforderungen oder auch neue gesetzliche Bestimmungen - wie zum Beispiel Transaktionssteuern - anzupassen. Außerdem wurden nach dem "Flash Crash" von 2010 Sicherheitsmechanismen eingebaut. Sie beschützten zwar die Knight-Kunden vor hohen Verlusten, nicht aber das Brokerhaus.

Knight, Facebook, Flash Crash - alles Einzelfälle?

Durch einen Fehler hatte die Knight-Software am 1. August enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Das Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde gestoppt werden. In diesem Zeitraum hatten sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus an den Rande des Zusammenbruchs brachte.

Dem US-Börsenbetreiber Nasdaq ging es bei dem prestigeträchtigen Börsengang des Online-Netzwerks Facebook Mitte Mai kaum besser. Der Andrang überlastete die Systeme. Bereits wenige Minuten nach der Erstnotiz übertraf der Umsatz der Facebook-Aktien denjenigen sämtlicher 30 Dax -Werte am gesamten Börsentag. Die Schweizer Großbank UBS verlor eigenen Angaben zufolge mehr als 350 Millionen Dollar mit Facebook-Papieren und macht die Nasdaq hierfür verantwortlich.

Für BATS Global Markets, den Betreiber der Handelsplattform Chi-X, geriet sogar der eigene Börsengang zum Fiasko: Wegen technischer Problemen scheiterte das Initial Public Offering (IPO) im März komplett. BATS will in den kommenden Monaten einen zweiten Anlauf wagen.

2010 sorgte der sogenannte Flash Crash an der NYSE für Furore. Damals fiel der Kurs des US-Standardwerteindex Dow Jones binnen Minuten um rund 1000 Punkte. Hier lösten Computerprogramme von Hochfrequenz-Händlern eine Verkaufskaskade aus, während deren der Preis für einige Aktien auf null Dollar fiel. Nach etwa einer halben Stunde war der Spuk vorbei, und der Dow fast wieder dort, wo er vor seinem Absturz gelegen hatte.

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