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Wirtschaft

Facebook - Desaster mit Ansage

Der amerikanische Internet-Gigant Facebook war mit großen Hoffungen an die Börse gegangen. Nun hat das soziale Netzwerk das erste Quartal hinter sich und 30 Milliarden Dollar verloren - kein Wunder, meinen Experten.

Bereits der Börsengang von Facebook im Mai dieses Jahres war eine Enttäuschung, das Papier war überbewertet und verlor rasch an Wert. Inzwischen blickt Facebook auf sein erstes Börsenquartal zurück und muss zugeben: Es ist noch schlimmer geworden. Nach dem Quartalsbericht gab die Aktie noch einmal deutlich nach. Ende der vergangenen Woche wurde das Papier noch mit rund 23 Dollar notiert, der Ausgabewert im Mai hatte bei 38 Dollar gelegen.

Hysterie und Herdenbetrieb

Karl-Werner Hansmann, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hamburg, beobachtet den Aktienkurs von Facebook mit großem Interesse. Schon bei der Emission seien die Aktien nicht empfehlenswert gewesen, weil "der Ausgabekurs von 38 Dollar viel zu hoch war. Ein Kurs unter 20 wäre gerechtfertigt gewesen", sagte Hansmann der Deutschen Welle. Den dramatischen Verlust nach Veröffentlichung der Quartalszahlen hält er allerdings für ebenso unangemessen.

Die hysterische Reaktion der Anleger erklärt Karl-Werner Hansmann mit einem Mangel an Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge: Die Käufer entschieden aus dem Bauch heraus und nicht "nach fundamentalen Daten". Es zeige sich, "dass die Leute im Herdentrieb immer das machen, was die anderen auch machen."

Die Aktien kommen Facebook teuer

Der überhöhte Ausgabepreis von 38 Dollar wird dem Unternehmenswert ebenso wenig gerecht wie der massive Kursverlust nach dem zweiten Quartal. Denn die Geschäftsdaten von Facebook sind gar nicht so schlecht, das Unternehmen ist eher zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden.

Im abgelaufenen Quartal konnte Facebook seinen Umsatz auf 1,18 Milliarden Dollar steigern, ein Plus von satten 32 Prozent. Die Werbeeinnahmen kletterten um 28 Prozent auf fast eine Milliarde Dollar, und auch die Zahl der Facebook-Nutzer ist in dieser Zeit um 29 Prozent angewachsen: Inzwischen haben 955 Millionen Menschen einen Facebook-Account.

Enttäuschte Erwartungen

Symbolfoto über Facebook, das den Status des Netzwerks als Marktführer darstellt (Foto: dpa)

Fast eine Milliarde Menschen finden Facebook gut

Dass Facebook trotzdem ein Minus von 157 Millionen Dollar verbuchte, ist eine direkte Folge des Börsengangs. Das Unternehmen hatte seinen Mitarbeitern Aktienoptionen versprochen und musste im vergangenen Quartal dafür Rückstellungen vornehmen. Ohne diesen Posten hätte Facebook im zweiten Quartal einen Gewinn vom 515 Millionen Dollar gemacht.

Von 2010 auf 2011 hatte Facebook seinen Umsatz verdoppeln können, im zweiten Quartal 2012 ist er aber nur noch um ein Drittel angewachsen. Viele Anleger sind davon enttäuscht - sie hatten mehr erwartet. Und vor allem ängstliche Anleger reagieren, so Karl-Werner Hansmann, oft unüberlegt. Sie folgten dem Reflex: "Das ist ja gar nicht so toll, wie ich dachte, und deshalb: Raus aus der Aktie!"

Zwei Haken und ein wunder Punkt

Das Geschäftsmodell von Facebook hat nach Ansicht des Hamburger Professors zwei grundsätzliche Haken: Das Unternehmen könne gar nicht grenzenlos wachsen, wie das viele Leute zu glauben scheinen. Nicht jeder Mensch könne lesen und schreiben und habe einen Internetzugang. Daher sei doch klar, "dass nur eine begrenzte Menge von Leute mitmachen kann, und dann gibt es auch kein Wachstum mehr."

Der zweite Haken sei, dass sich Facebook fast ausschließlich durch Werbeeinnahmen finanziert. Jetzt bekomme das Unternehmen ein Problem, weil der Trend zu immer kleineren Endgeräten gehe: Inzwischen gilt das mobile Internet auf dem Smartphone als Markt der Zukunft. "Das ist der wunde Punkt", so Hansmann. "Bei einem Smartphone ist nicht so viel Platz auf dem Display wie auf einem PC. Da kann man nicht so viel Werbung schalten."

Portrait von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (Foto:AP/dapd)

"Mr. Facebook" - Unternehmensgründer Mark Zuckerberg

Nach Gutsherrenart

Viele Marktbeobachter beklagen, dass Facebook zu sehr von seinem Erfinder und Besitzer, von Mark Zuckerberg, abhängig ist. Das sieht auch Karl-Werner Hansmann so, der sich fragt, ob Mark Zuckerberg sich wenigstens noch mit jenen bespricht, "mit denen er mal angefangen hat". Skeptisch fügt er hinzu: "Ich möchte als Ökonom hoffen, dass er das tut."

Viele Unternehmensentscheidungen, wie jüngst die Investition von 1,2 Milliarden Dollar, um den Konkurrenzdienst Yammer zu erwerben, wirken wie einsame Entschlüsse von Mark Zuckerberg. Den Hamburger Universitätsprofessor Hansmann erinnert das an andere Jungeunternehmer: "Die glauben, nur richtige Entscheidungen zu treffen. Dann machen sie kardinale Fehler und fallen wieder auf Null."

Schlechte Aussichten

Bis heute ist nicht erkennbar, wie Mark Zuckerberg die Anleger mit seinem Geschäftsmodell wieder versöhnen will. Daher hat Karl-Werner Hansmann nicht viel Hoffnung, dass der Aktienkurs einmal deutlich nach oben gehen könnte. Zunächst werde es zwar eine "technische Korrektur" geben, die das gegenwärtige Tief ausgleicht - Hansmann vermutet ein Zwischenhoch von etwa 25 Euro. Dann aber sei das Ende erreicht, die Aktie werde "wieder runtergehen".

Am Ende werde sich, so der Hamburger Ökonom, die wirtschaftliche Vernunft durchsetzen, und die Händler würden das Unternehmen realistisch bewerten. Karl-Peter Hansmann denkt, "dass die Aktie auf 15 Euro runtergehen sollte, weil das ihrem Wert entspricht. In Zukunft würde ich eher pessimistisch sein."