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Wieder schwerer Anschlag in Kundus

Wieder hat sich ein Mann in Kundus selbst in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag auf ein Rekrutierungszentrum starben über 35 Menschen. Fast 40 weitere wurden schwer verletzt.

Mitglieder der Taliban (Foto: dw)

Die Taliban wollen den afghanischen Staat schwächen - mit allen Mitteln

Viele junge Männer standen am Montag (14.03.2011) vor dem Rekrutierungszentrum in Kundus Schlange, um sich für die afghanische Armee zu melden. Unbemerkt mischte sich auch der Selbstmordattentäter unter sie. Mit einem Sprengsatz riss er über 35 Menschen mit in den Tod. Fast 40 weitere Menschen wurden verletzt. Viele von ihnen befinden sich nach Angaben der afghanischen Ärzte in kritischem Zustand. "Unter den Toten sind neue Rekruten, Soldaten und Zivilisten", sagte Hamdullah Danischi, der stellvertretende Provinzgouverneur. Auch vier Kinder kamen bei dem Anschlag ums Leben. Diese hatten sich dort aufgehalten, um Geld als Schuhputzer zu verdienen. Deutsche Soldaten seien nicht betroffen, sagte ein Bundeswehr-Sprecher.

Die Zahl der Anschläge nimmt zu

Präsident Hamid Karsai (Foto: dw)

Verurteilt den schweren Anschlag: Afghanistans Präsident Hamid Karsai

Die Taliban bekannten sich bereits zu dem Attentat: Sie wollten damit verhindern, dass sich junge Männer der Armee oder Polizei anschließen. Präsident Hamid Karsai sprach von "einem unverzeihlichen Terrorangriff gegen jene, die sich der Armee anschließen wollten, um ihre Nation zu schützen." Afghanistan versucht momentan die Zahl der einheimischen Sicherheitskräfte massiv zu erhöhen. Ab 2014 soll das Land ohne ausländische Hilfe für die eigene Sicherheit sorgen.

Mit dem Attenat vom Montag häufen sich die Anschläge in der Region: Erst vergangenen Donnerstag war der Polizeichef von Kundus sowie zwei seiner Leibwächter bei einem Selbstmordanschlag der Taliban getötet worden. 31 Menschen starben vor drei Wochen im Distrikt Imam Sahib, nördlich von Kundus, bei einem Anschlag auf ein Regierungsbüro. Vor drei Monaten wurde auf ein anderes Rekrutierungszentrum der afghanischen Armee in Kundus ein Attentat verübt. Ein Selbstmordkommando, bestehend aus vier Attentätern, tötete damals neun afghanische Soldaten und Polizisten.

Experten warnen schon lange vor Selbstmordanschlägen

Die radikalen Islamisten versuchen mit allen Mitteln den afghanischen Staat zu schwächen. Bis zum Winter letzten Jahres befanden sich noch weite Teile der Provinz unter ihrer Kontrolle. Ausländische Truppen wie die Bundeswehr und einheimische Sicherheitskräfte konnten die Taliban jedoch zurückdrängen. Seitdem kam es zwar zu keinen komplexen Angriffen seitens der Taliban, doch Experten warnten bereits früh vor Selbstmordanschlägen. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 engagiert sich die Bundeswehr in Afghanistan, seit 2003 in Kundus. 4900 deutsche Soldaten sind derzeit in Afghanistan stationiert, die meisten davon in Kundus.

Autorin: Jill Wagner (mit dpa, rtrd)
Redaktion: Sabine Faber

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