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Asien

Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Kundus

Ein Selbstmordattentäter hat in der nordafghanischen Provinz Kundus im Einsatzgebiet der Bundeswehr mehr als 30 Menschen mit in den Tod gerissen. Rund 40 weitere wurden bei dem Anschlag verletzt.

Ein Gebäude im Verwaltungszentrum des Distrikts Imam Sahib, vor dem sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte (Foto: AP)

Viele Menschen standen in einer Schlange, als der Täter sich in die Luft sprengte

Es ist einer der schwersten Selbstmordanschläge im Einsatzgebiet der Bundeswehr überhaupt. Der Attentäter nahm das Verwaltungsgebäude von Iman Sahib ins Visier. Dort standen nach Behördenangaben am Montag (21.02.2011) gerade viele Menschen Schlange, um ihre Ausweise abzuholen. Der Angreifer zündete seinen Sprengsatz im Eingangsbereich, um möglichst viele Menschen mit in den Tod zu reißen.

Viele Nachrichten über Anschläge

Imam Sahib ist die Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts und liegt im äußersten Norden der Unruheprovinz Kundus, an der Grenze zu Tadschikistan. Rund ein Viertel der 200.000 Einwohner sind Paschtunen. Das ist die Bevölkerungsgruppe, in der die radikal-islamischen Taliban ihre Wurzeln haben.

Zerstörtes Gebäude eines Selbstmordanschlags in Dschalalabad (Foto: Saria Nasary)

Ein Selbstmordkommando der Taliban griff eine Bankfiliale in Dschalalabad an

Der Anschlag von Imam Sahib fällt in eine Zeit, in der aus Kundus selber seltener schlechte Nachrichten kommen als noch im vergangenen Jahr, aber in der sich landesweit die Todesnachrichten ballen. Am Sonntagvormittag hatte ein Selbstmordkommando der Taliban eine Bankfiliale in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad angegriffen und mindestens 40 Menschen getötet.

Soldaten nahmen Abschied von Kameraden

Schon am Freitag hatte ein junger Soldat der afghanischen Armee in einem Außenposten der Bundeswehr in der nördlichen Provinz Baghlan plötzlich gezielt das Feuer auf die Deutschen eröffnet, drei Bundeswehrsoldaten erschossen und sechs weitere zum Teil schwer verletzt. Der Angreifer und seine Opfer waren zuvor gemeinsam als Partner im Einsatz gewesen.

Bundeswehrsoldaten mit Trauerflor (Foto: dapd)

Die Leichen der gefallenen Deutschen sind nach Deutschland ausgeflogen worden

Die Leichen der Gefallenen sind inzwischen nach einer stillen Zeremonie im deutschen Feldlager in Mazar-i-Sharif nach Deutschland ausgeflogen worden. Die Männer waren 21, 22 und 30 Jahre alt und gehörten zum Panzergrenadierbataillon 112 im niederbayerischen Regen.

ISAF bedauert Vorfall

Unterdessen lässt die Internationale Schutztruppe ISAF Vorwürfe des Gouverneurs der ostafghanischen Provinz Kunar überprüfen, dass sie für den Tod von mindestens 50 Zivilisten verantwortlich sein soll. Die ISAF-Verantwortlichen selber sprechen von bewaffneten Aufständischen, die dort während der vergangenen Tage getötet worden seien. Aufnahmen aus einem Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Asadabad zeigen allerdings verletzte Frauen und Kinder, die offenbar Opfer von Luftangriffen geworden sind. Ein erzürnter Präsident Hamid Karsai hat sich in den Fall eingeschaltet.

Unbestritten ist, dass bei einem weiteren Luftangriff auf ein Wohnhaus in der östlichen Provinz Nangarhar in der vergangenen Nacht ein Elternpaar mit seinen vier Kindern ums Leben gekommen ist. Die ISAF bedauert den Vorfall. Es sind die vielen zivilen Opfer, die das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in die internationale Schutztruppe zerstören. Fast zehn Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes sind über 130.000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert.

Autorin: Sandra Petersmann, Neu Delhi
Redaktion: Pia Gram / Martin Schrader