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Europa

Wieder schwere Krawalle in London

London hat den dritten Tag in Folge gewalttätige Krawalle erlebt: Jugendliche schmissen wieder Mülltonnen um, brachen in Geschäfte ein und warfen Steine auf Polizisten. Premier Cameron brach seinen Urlaub ab.

Polizisten mit Schutzschilden (Foto: AP)

Londoner Polizei will Randalierer stoppen

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen hat London den dritten Tag in Folge wieder einen Ausbruch zügelloser Gewalt zu verkraften: Im Osten der britischen Hauptstadt griffen am Montag (08.08.2011) Jugendliche die Polizei mit Wurfgeschossen an, sie schmissen Mülltonnen und Supermarkt-Einkaufswagen um. Einsatzkräfte der Polizei gingen mit Schutzschilden gegen die Randalierer vor und versuchten sie abzudrängen. Nach Medienberichten waren die neuerlichen Unruhen ausgebrochen, nachdem die Polizei einen verdächtigen Mann durchsucht hatte. Insgesamt wurden im Zusammenhang mit den Krawallen 215 Menschen festgenommen, mindestens 35 Polizisten wurden verletzt. Die Ausschreitungen hatten nach dem Tod eines Mannes durch eine Polizeikugel in Tottenham ihren Ausgang genommen.

Plünderer auch im Stadtzentrum

Jugendliche auf der Straße (Foto: AP)

Auch Steine wurden auf die Polizisten geschleudert

Plündernde und brandschatzende Banden waren auch in der Nacht zum Montag vom Stadtteil Tottenham im Norden Londons aus in mindestens sieben weitere Stadtteile gezogen. Unter anderem gelangten sie in die Bezirke Brixton, Enfield und Walthamstow sowie nach Islington. Unterwegs waren sie auch auf der Einkaufsmeile Oxford Street im Stadtzentrum. Die Polizei hatte zwar an verschiedene Brennpunkte Verstärkung beordert. Dennoch kam es vielerorts zu Plünderungen.

In Brixton plünderten Hunderte Menschen einen Elektromarkt, ein Geschäft wurde in Brand gesetzt, an anderen Orten wurden Fensterscheiben eingeschlagen. Auch in Enfield wurden Läden geplündert, zudem sollen zwei Fahrzeuge ausgebrannt sein. Unterwegs waren auch Gruppen gewalttätiger Kinder zwischen 10 und 14 Jahren.

Polizei schockiert

Zerstörte Geschäftsfassaden, Polizist (Foto: dapd)

Die Polizei war vom Ausmaß der Verwüstungen überrascht

Die Polizei stockte angesichts der Gewalt ihre Einsatzkräfte auf. Die Londoner Polizeibehörde Scotland Yard, jüngst erst wegen Korruptionsvorwürfen unter Beschuss, geriet dennoch wieder in die Kritik. Die Beamten können nur eingeschränkt etwas gegen die Jugendbanden ausrichten, die sich über Facebook, Twitter und andere elektronische Kommunikationsmittel innerhalb kurzer Zeit in der Stadt verabreden und bewegen. Die Polizei machte Trittbrettfahrer und Plünderer verantwortlich und zeigte sich vom Ausmaß der Gewalt schockiert.

In dem von Krawallen besonders betroffenen Stadtteil Tottenham beträgt die Arbeitslosigkeit mehr als 13 Prozent und ist damit eine der höchsten in London. Die Zahlen für Kriminalität und Drogenmissbrauch liegen dort ebenfalls im Spitzenbereich. Hinzukommen Vertrauensverlust gegenüber der Staatsgewalt und ethnische Konflikte.

Der aus dem Urlaub zurückgekehrte Vizepremierminister Nick Clegg bezeichnete in Tottenham die Randalierer als "opportunistische Kriminelle". Auch Premierminister David Cameron brach seinen Urlaub ab. Ein Sprecher kündigte an, Cameron werde nach seiner Rückkehr aus Italien in der Nacht am Dienstag ein Krisentreffen einberufen. Auch mehrere Minister sowie Londons Bürgermeister Boris Johnson unterbrachen ihren Urlaub.

Autor: Herbert Peckmann (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Martin Schrader/Frank Wörner

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