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Ostmitteleuropa

Wie soll die Ausbildung der deutschen Minderheit in Polen gestaltet werden?

Oppeln, 4.12.2004, NOWA TRYBUNA OPOLSKA, poln.

Interview mit Piotr Baron, dem Vorsitzenden der Bildungsgesellschaft der deutschen Minderheit in Polen

Frage: In Opole (Oppeln) fand eine Sitzung des "Komitees für die Bildung Nationaler Minderheiten" statt, das bei dem Innen- und Verwaltungsministerium tätig ist. Das Team arbeitet derzeit an einer "Strategie zur Entwicklung von Bildung der deutschen Minderheit in Polen". Wozu braucht man jedoch gerade jetzt diese "Strategie"? Die Bildung entwickelt sich doch nicht schlecht und zwar schon seit den 90er Jahren?

Antwort: Ja, wir können zurzeit die Ausbildungsprobleme ziemlich gut lösen, weil wir unsere eigenen Ratsmitglieder und Bürgermeister haben. Das kann sich aber ändern. Die "Strategie" beruht auf einer Initiative des Deutschen Bildungsverbandes. Ziel ist es, alle Angelegenheiten zu ordnen, die mit den Lehrprogrammen, den Lehrbüchern, dem Schulnetz und dem Personal verbunden sind. Außerdem sind auch Regelungen notwenig, die sich auf die ganze deutsche Minderheit beziehen. So haben die Deutschen in der Region Opole andere Probleme als die in der Woiwodschaft Dolnoslaskie (Niederschlesien) oder Warminsko - Mazurskie (Ermland und Masuren), wo die deutsche Minderheit zerstreut ist. Für die Deutschen, die in Ballungsgebieten leben, wird die "Strategie" dazu dienen, die Formen des Lehrens der Muttersprache klarzustellen - wie z.B. zweisprachige Klassen oder Klassen mit Deutsch als Unterrichtssprache. Diejenigen Deutschen, die nicht eng beieinander leben, können dadurch erfahren, wie man Gruppen von Schülern verschiedener Klassen oder sogar Schulen bilden kann.

Frage: Wissen sie das nicht?

Antwort: Nicht immer. Wir haben einen Fall in der Region Warminsko-Mazurskie gehabt, wo sich die dort ansässigen Deutschen an die Bundesregierung gewandt hatten, den Deutschunterricht zu finanzieren. Das wird aber vom polnischen Bildungsministerium gemacht, das nicht nur den Unterricht finanziert, sondern auch ein entsprechendes Unterrichtsniveau garantiert.

Frage: Welche Lösungen wollen Sie zu dieser "Strategie" einführen?

Antwort: Man muss klare Kriterien für die Zuschüsse bezüglich der Finanzierung der Lehrbücher für die deutsche Minderheit einführen. Wir würden es begrüßen, wenn das Bildungsministerium bei der Ausbildung neuer Deutschlehrer helfen und den Lehrern ermöglichen würde, eine Spezialisierung als Deutschlehrer für Minderheiten zu absolvieren. Diese Lehrer sollten auch Geschichte und Erdkunde des Heimatlandes unterrichten können. Ferner sollte das Problem der Lehrprogramme sowie die Frage der Mitgestaltung der Grundlagen des Lehrprogramms für die deutsche Minderheit durch die Vertreter der deutschen Minderheit diskutiert werden. Wir werden aber auch vorschlagen, die Meldepflicht für die Eltern abzuschaffen, die ausdrücklich erklären müssen, dass ihr Kind Deutsch als die Sprache der Minderheit erlernen soll. Wir sind der Meinung, dass das Beispiel von Ungarn und Dänemark hier als Muster dienen soll, wo allein die Anmeldung eines Kindes zu einer Klasse, in der der Unterricht für Minderheiten geführt wird, ausreichend ist.

Frage: Sie haben noch nicht von Geld gesprochen. Sind Sie mit den Formen und dem Finanzierungsumfang der Bildung der deutschen Minderheit zufrieden?

Antwort: Wir werden für eine Änderung der Summe plädieren, mit der die zweisprachigen Klassen gefördert werden. Zu allen Formen des Lehrens werden –vereinfacht gesagt - bisher etwa 20 Prozent der Grundsubvention für jeden Schüler zugerechnet. Wir wollen erreichen, dass die Subventionen für die zweisprachigen Klassen mit Deutsch als Unterrichtsprache auf 50 Prozent angehoben werden, weil die Lehrer in einen zweisprachigen Unterricht viel mehr Arbeit investieren müssen. (sta)

  • Datum 07.12.2004
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5xk7
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