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Sport

Wie gewonnen, so zerronnen

Der deutschen Fußball-Nationalmannschaft droht erneut ein EM-Desaster. Nach einem blamablen 0:0 gegen Euro-Neuling Lettland läuft Deutschland Gefahr, wie vor vier Jahren das Viertelfinale zu verpassen.

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Nur lettische Fans konnten sich über die Nullnummer freuen

Erst der unerwartete Punktgewinn gegen die Niederlande, jetzt der unerwartete doppelte Punktverlust gegen die Balten. Nach der dürftigen Nullnummer gegen Außenseiter Lettland kann dem Vize-Weltmeister nur noch ein Sieg im letzten Spiel der Gruppe D am Mittwoch (23.06.2004) in Lissabon gegen Tschechien die Teilnahme am Viertelfinale bescheren. Vier Tage nach dem hoffnungsvollen Turnierstart beim 1:1 gegen die Niederlande gelang es dem ideenlosen und viel zu zaghaften Team von Rudi Völler am Samstag vor 22.000 Zuschauern im Estadio do Bessa von Porto nicht, das Abwehrbollwerk des kampfstarken EM-Neulings zu knacken, der seinen ersten Punktgewinn bei der EM-Endrunde feierte.

EM 2004 Lettland gegen Deutschland Oliver Kahn

Selten geprüft, aber immer da: Oliver Kahn

Die Sorge vor der Hitze beim einzigen Nachmittagsspiel erwies sich als unbegründet, dafür wurde die Abwehrfestung der Letten zu einem unüberwindlichen Hindernis für die in der erwarteten Besetzung auflaufende deutsche Elf. Bei Temperaturen um 22 Grad fand das Team nicht zu der im Holland-Spiel Erfolg bringenden Aggressivität. Weil die deutsche Mannschaft im Mittelfeld lange Zeit zu bedächtig operierte und zu wenig investierte, um Druck auf die Abwehr der Balten auszuüben, entwickelte sich die Partie zu dem von Völler prophezeiten Geduldsspiel.

Repektlose Letten

Lettland begann mit jener Elf, die sich beim 1:2 gegen Tschechien wacker geschlagen hatte, und machte auch der DFB-Auswahl mit konzentrierter Abwehrarbeit gehörig zu schaffen. Wie angekündigt beschränkten sich die Letten, die in den Playoffs zur Euro den WM-Dritten Türkei ausgeschaltet hatten, auch nicht auf die Defensive. Der 53. der Weltrangliste suchte respektlos den Weg zum deutschen Tor, und holte einige Freistöße aus reichlich gefährlicher Position heraus. Die beiden schnellen Angreifer Maris Verpakovskis und Andrejs Prohorenkovs sorgten stets für Unruhe.

EM 2004 Lettland gegen Deutschland Fußballfan

Über mangelnde Unterstützung konnten sich die Deutschen nicht beklagen

Dem Teamchef konnte nicht verborgen bleiben, dass sein Konzept, mit Fredi Bobic einen zweiten Stürmer neben dem Stuttgarter Kevin Kuranyi aufzubieten, nicht aufging. Der Berliner agierte unglücklich und wurde nach 67 Minuten von Miroslav Klose abgelöst. Eine Schwachstelle des deutschen Teams, das trotz der mäßigen Darbietungen von etwa 15.000 mitgereisten Fans frenetisch angefeuert wurde, war aber auch das Mittelfeld, in dem Bernd Schneider und Torsten Frings nicht die erhofften Impulse gaben. Michael Ballack operierte erst im zweiten Durchgang so offensiv wie zuletzt beim 1:1 gegen die Niederlande, war aber längst nicht so wirkungsvoll. Am Ende war der Münchner noch der einzige, der sich mit effektiven Mitteln gegen den drohenden Punktverlust stemmte.

Judo und Brechstange

Die Schwächen in der deutschen Hintermannschaft wurden vor allem in der 40. Minute offenbar. Nach einem Ballverlust von Bobic, bei dem wenig zusammenlief, stürmte Top-Torjäger Verpakovskis von der Mittellinie aus auf und davon, ließ Dietmar Hamann, Wörns und Baumann wie Schuljungen stehen - scheiterte mit seinem Schuss aber am hervorragend reagierenden Kapitän Oliver Kahn. Großes Glück hatte die deutsche Hintermannschaft kurz vor der Halbzeit, als Wörns mal wieder Fußball mit Judo verwechselte und Verpakovskis umklammerte; über einen Elfmeterpfiff hätte sich die deutsche Mannschaft nicht beklagen brauchen. In der 54. Minute war es erneut Verpakovskis, der die deutsche Abwehr narrte und von Baumann zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Michael Riley (England) sah auch in dieser Szene keine Veranlassung für einen Strafstoß.

EM 2004 Lettland gegen Deutschland Michael Ballack

Michael Ballack war noch einer der besten Spieler in einem Team der Ideenlosen

Auffälligster deutscher Spieler war einmal mehr der Stuttgarter Philipp Lahm, der mit seiner Laufstärke und Risikobereitschaft auf der linken Seite manche Bresche schlug. Als mit Beginn der zweiten Halbzeit der 19-Jährige Bastian Schweinsteiger für Schneider aufs Feld kam und Frings auf seine angestammte rechte Seite wechselte, wurde der Druck auf das Bollwerk endlich größer. Die Chancen blieben jedoch weiter ungenutzt. Frings (56.) und Ballack mit einem Freistoß (63.) fanden keine Lücke. Auch als sie es in der Schlussphase mit der Brechstange versuchten, konnten die Angreifer den gegnerischen Riegel nicht knacken.

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