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Welt

Wie die USA Ausbeutung stoppen wollen

Die USA wollen mit einem Gesetz verhindern, dass die Kriegsparteien im Kongo vom Rohstoffhandel profitieren. Denn das Geschäft mit den Mineralien, die zum Beispiel für Handys benötigt werden, ist einträglich.

Arbeiter im Kongo (Foto: AP)

Der Verkauf von Rohstoffen finanziert Mord und Vergewaltigung im Kongo

Zinn, Wolfram, Tantal und Gold - das sind die Rohstoffe, mit denen die Kriegsparteien im Kongo ihren blutigen Konflikt finanzieren. Und wer ein Handy benutzt, kommt unweigerlich mit ihnen in Berührung. "Jedes Mal, wenn man eine SMS schickt, benutzt man das Tantal in seinem Handy - Tantal ist ein Rohstoff aus dem Kongo", erklärt Sasha Lezhnev vom "Enough Project". "Jedes Mal, wenn das Handy vibriert, geht das nur durch Wolfram, das ist ein weiterer Rohstoff aus dem Kongo", fährt er fort.

Das "Enough Project" ist eine der Nichtregierungsorganisationen in Washington, die versuchen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass mit dem Verkauf von Rohstoffen, wie sie in Handys, anderen elektronischen Geräten, Autos oder Schmuck zu finden sind, oft Mord und Vergewaltigung im Kongo finanziert werden.

Seit 1998 herrscht in der Demokratischen Republik Kongo ein Bürgerkrieg, der über fünf Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Zahllose Frauen wurden und werden vergewaltigt. Die Ausbeutung der Bodenschätze dient zur Finanzierung der Grausamkeiten - und ist mittlerweile ein Grund, den Krieg weiterzuführen. Die USA gehören zu den Ländern, die versuchen, dem einen Riegel vorzuschieben. Hier gibt es inzwischen ein Gesetz, das Firmen verpflichtet, nachzuweisen, dass die Rohstoffe in ihren Geräten nicht aus Konfliktgebieten im und um den Kongo stammen. Es wurde im letzten Juli als Teil des Wallstreet-Reformgesetzes verabschiedet.

Details sind noch offen

Sasha Lezhnev (Foto: DW/Bergmann)

Sasha Lezhnev, vom "Enough Project"

Die Details müssen allerdings noch von der Börsenaufsichtsbehörde, der SEC, festgelegt werden. Etwa, wie detailliert die Firmen die Herkunft ihrer Materialien nachweisen müssen und ob falsche Angaben bestraft werden, wie es das "Enough Project" fordert. Diese Entscheidungen hätten längst gefällt werden sollen, wurden aber auf Ende des Jahres vertagt. Sasha Lezhnev organisierte 26.000 Unterschriften, um Druck auf die SEC auszuüben. "Einige Industrievertreter haben eine Übergangsfrist von drei Jahren gefordert, das würde das Gesetz verwässern und sinnlos machen", sagt er.

Denn auch wenn die Firmen frühestens im April 2012 ihre ersten Erklärungen abgeben müssen, haben sie angesichts der Verabschiedung des Gesetzes bereits jetzt reagiert. Lezhnev zählt auf: "Die Elektronikindustrie hat bereits ein Überwachungssystem für Tantal eingerichtet. Jetzt arbeitet man daran, dies auch für Gold und Zinn umzusetzen."

Die Zinnindustrie habe in einem Pilotversuch einen Mechanismus installiert, mit dem die Quelle des Rohstoffs nachzuweisen ist. Einige Regierungen hätten beschlossen, einen Zertifizierungsprozess einzurichten. "Auch die deutsche Bundesregierung hat geholfen", so der NGO-Vertreter, "bei Minen in Ruanda und Kongo Überwachungsbüros zu eröffnen."

Lückenlose Nachweise sind schwierig

Symbolbild Handy (Foto: picture alliance)

In Handys weltweit finden sich Rohstoffe aus Afrika

Dennoch ist es schwierig, in einer globalisierten Welt die Herkunft der Rohstoffe nachzuweisen, sagt Preet Nagvanshi von der Beratungsfirma KPMG. "Von den Minen im Kongo werden sie in Schmelzöfen auf der ganzen Welt gebracht und dort zu dem Stoff zusammengeschmolzen, der dann in das Endprodukt eingebaut wird."

Dennoch, so Nagvanshis Einschätzung, müsse die Industrie ein Interesse daran haben, die Herkunft der Rohstoffe offenzulegen. Der soziale Druck ist groß. Und die Kosten, die durch den Prozess entstehen, sollten verkraftbar sein, sagen die NGOs. Firmenberater Preet Nagvanshi warnt, dass ein aufwändiger Nachweis kostspielig sein könne. "Aber ich denke, man kann einen vernünftigen Kompromiss finden", sagt er.

NGO-Vertreter Sasha Lezhnev, der gerade erst von einer Reise aus dem Kongo zurückgekehrt ist, nennt Beispiele für Firmen, die bereits gehandelt haben: "Einige Firmen haben veröffentlicht, welche Schmelzöfen sie benutzen, wie die Firma Apple im Februar. HP hat auch alle Zulieferer aufgelistet." Auch in der Region gebe es positive Entwicklungen.

Die UN richteten Handelszentren für Rohstoffe ein, die Regierungen von Ruanda und Kongo würden Systeme aufbauen, mit denen man den Weg der Materialien verfolgen kann. Denn Ziel der Aktion ist nicht nur der Kongo selbst, das Gesetz schließt auch Grenzgebiete mit ein.

Nicht alle Rohstoffe geächtet

Dass sich die Aufsichtsbehörde mit der Festlegung der Details so lange Zeit lässt, kommt nicht von ungefähr - schließlich sind neben der Elektronik- und Kommunikationsbranche auch die Luftfahrt, die Automobil- und Gesundheitsindustrie und die Schmuckwarenbranche betroffen.

Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass der Handel mit Rohstoffen aus dem Kongo nicht grundsätzlich geächtet werden soll. Zehntausend Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in "sauberen" Minen. Das soll auch weiterhin möglich sein. So muss unter anderem festgelegt werden, welche Abbaugebiete im Kongo auf die schwarze Liste gesetzt werden sollen.

Wer wissen will, ob die Rohstoffe in seinem Handy oder Laptop aus dem Kongo stammen, muss sich allerdings etwas Mühe geben. Das Gesetz fordert kein Etikett auf dem Gerät selbst, sondern lediglich, dass die Firmen eine Erklärung auf den Webseiten veröffentlichen oder an die Behörden schicken.

Autor: Christina Bergmann, Washington
Redaktion: Rob Mudge

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