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Welt

Der Beutezug im Kongo geht weiter

Plünderungen und Raub - das sind die zentralen Begriffe in der Geschichte der Demokratischen Republik Kongo. Erst beuteten europäische Kolonialherren, dann Diktatoren und schließlich die Nachbarländer den Kongo aus.

Der Kongo kommt nicht zur Ruhe (dpa)

Der Kongo kommt nicht zur Ruhe.

Im Kongokrieg, dem sogenannten "ersten afrikanischen Weltkrieg" Ende der 1990er, bereicherten sich viele Nachbarländer an den Ressourcen des Kongos. Auch heute ist die Beziehung zu einigen Nachbarn angespannt, im Osten des Landes wird weiter gekämpft. Viele Kongolesen fühlen sich noch immer ausgenutzt.

Die kongolesische Bevölkerung schaut zu, als die ruandische Armee 2009 ihr Land verlässt (dpa)

Die kongolesische Bevölkerung schaut zu, als die ruandische Armee 2009 ihr Land verlässt.

Auch Georges Nzongola wird sauer, wenn er über die Beziehungen zu den Nachbarstaaten seines Landes redet. Der Professor für Afrikastudien lehrt an der Universität in North Carolina und beobachtet aus Amerika das Geschehen in seiner kongolesischen Heimat. Viele Länder haben früher das rohstoffreiche Land ausgebeutet, einige machen es laut Nzongola noch immer, sie nutzen die Schwäche des Kongos aus. "Nur deshalb kann ein Land von einer Liliputanergröße wie Ruanda in ein Land von kontinentaler Größe wie die Demokratische Republik Kongo einmarschieren, um es zu okkupieren und auszuplündern."

Übeltäter Ruanda

Für Nzongola ist Ruanda noch immer der größte Übeltäter. So haben ruandische Rebellengruppen jahrelang die Rohstoffe im Osten des Kongos ausgeplündert. Und noch heute ist nach UN-Informationen der "Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes", kurz CNDP, im Gebiet um Kivu aktiv. Einem Teil der kongolesischen Rebellengruppe werden Verbindungen zur ruandischen Regierung nachgesagt.

Kongos Präsident Joseph Kabila im Gespräch mit Ruandas Staatschef Paul Kagame (ap)

Kongos Präsident Joseph Kabila im Gespräch mit Ruandas Staatschef Paul Kagame

Thierry Vircoulon sieht die Beziehungen zwischen Kigali und Kinshasa trotzdem im Aufwind. Der Zentralafrikadirektor der "International Crisis Group" lobt die verbesserten diplomatischen Beziehungen und das Treffen der beiden Staatschefs im letzten Jahr. Für das schlechte Ansehen Ruandas unter den Kongolesen sieht er andere Gründe. Viele Bodenschätze würden über andere Länder exportiert, auch Ruanda profitiere davon. Zudem werde der gesamte Bergbausektor von ausländischen Firmen beherrscht. Die zwei großen nationalen Bergbaufirmen seien mit dem Ende von Diktator Mobutu zusammengebrochen.

Rebellen, Flüchtlinge, Ressourcen

Auch die Beziehungen zu Uganda sind belastet. Zum einen gibt es Streit über die gigantischen Ölreserven um den Albertsee auf der Grenze der beiden Länder. Außerdem marodieren die ugandischen Rebellen der "Lord's Resistance Army" im Kongo. Hier hat sich die Situation nach Berichten von UN-Mitarbeitern vor kurzem noch verschlimmert. Im Gebiet der Großen Seen sorgen zusätzlich hunderttausende Flüchtige, die aus dem Kongo, Burundi oder Ruanda häufig ohne Papiere vor Konflikten flüchten, für Spannungen.

Flüchtlingslager im Ostkongo 2008 (dpa)

Flüchtlingslager im Ostkongo 2008

Weiter westlich knistern die internationalen Beziehungen des Kongos ebenfalls. Das große Thema hier: Wer darf das Erdöl nutzen, das vor dem kleinen Küstenstreifen des Kongos und Angolas schlummert? Auch auf dem Land gibt es Grenzstreitigkeiten mit Angola, weil die Regierung in Luanda vor drei Jahren ein kleines Gebiet des Kongos annektierte. Beide Länder werfen seitdem gegenseitig tausende Flüchtlinge aus ihrem Land.

Kontrolle der Regierung?

Auf politischer Ebene spricht der kongolesische Botschafter in Luanda trotzdem von exzellenten Beziehungen. Sehr zum Ärger von Georges Nzongola: "Die Menschen im Kongo haben die Nase voll, weil Angola einfach unser Gebiet betreten kann und kongolesisches Land okkupiert. Und unsere Regierung macht nichts!"

Präsident Kabila wurde zwar 2005 in einer international anerkannten Wahl vom gesamten Land gewählt. Tatsächlich kontrolliert er aber nur Teile seiner riesigen Nation. Immerhin konnte Kabila die Beziehungen zu den meisten der neun Nachbarstaaten stabilisieren. Zu Burundi beispielsweise, jenem Land, das im Kongokrieg mitkämpfte.

Dennoch, im Grenzkonflikt mit Angola fordern Experten eine Lösung durch ein internationales Gericht. Im Gebiet der großen Seen gibt es viele Lösungsvorschläge, aber mindestens genauso viele Konfliktherde. Auch 50 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung ist Kongo keineswegs stabil.

Autor: Adrian Kriesch
Redaktion: Carolin Hebig