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Filme

Wie das Kino auf Rechtspopulismus reagiert

Die Berlinale ist seit jeher ein politisches Festival. So zeigt sie auch dieses Jahr viele Filme, die sich mit Antisemitismus, Rassismus und Homophobie beschäftigen - und mit gescheiterten gesellschaftlichen Utopien.

"Hitler ist tot, aber wir leben!", ruft David (Moritz Bleibtreu) in "Es war einmal in Deutschland" (Bild oben). Der Film, der erstmalig auf der diesjährigen Berlinale gezeigt wurde, erzählt auf komödiantische Weise die Geschichte eines jüdischen Geschäftsmannes, der Fremdenhass, Populismus und den Holocaust überlebt hat.

Berlinale-Chef Kosslick: "Die großen Utopien sind gescheitert"

Der Film ist Teil der Sektion "Berlinale Special". Sie zeigt Filme, die "auf Grund aktueller Ereignisse besondere Aufmerksamkeit verdienen", so Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. "Ein Gespenst geht um - nicht nur in Europa: Ratlosigkeit als Folge des offensichtlichen Scheiterns der großen Utopien und der Entzauberung der globalisierten Welt", erklärte Kosslick. Es sei an der Zeit, Filmemacher zu feiern, die nach vorne schauten und etwas verändern wollten.

Der belgische Filmregisseur Sam Garbarski ist in einer jüdischen Familie aufgewachsen und hat zunächst in Deutschland gelebt, bevor er mit 22 Jahren nach Belgien zog. Seine Komödie "Es war einmal in Deutschland" spielt im Jahr 1946 in Frankfurt. Der jüdische Kaufmann David Bermann versucht mit großem Erfindungsreichtum an Geld zu kommen, um seine Ausreise in die USA zu finanzieren. Doch dann holt ihn seine Vergangenheit ein. 

Berlinale: Politisch wie eh und je

Auch die Berlinale kommt in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump und seinem mittlerweile ausgesetzten Einreiseverbot für Muslime, das an Hitlers frühe Rassengesetze erinnert, am Thema Rechtspopulismus nicht vorbei. Mehrere Filme thematisieren die Flüchtlingskrise, den Brexit und das Phänomen der erstarkenden Rechten in Europa. Der finnische Filmemacher Aki Kaurismäki erzählt in der Tragikomödie "Die andere Seite der Hoffnung" die Geschichte eines Syrers und seiner Flucht nach Finnland, die ihn quer durch Europa führt.

Auch der Film "In Zeiten des abnehmenden Lichts", eine Familiensaga über drei Generationen in der DDR, beleuchtet ein autoritäres Regierungssystem. Wilhelm (Bruno Ganz), einst Held der Arbeiterklasse, feiert 1989 seinen 90. Geburtstag. Ihm ist klar, dass ein Umbruch bevorsteht, dass die gescheiterte ostdeutsche Utopie in der Auflösung begriffen ist.

Le jeune Karl Marx | The Young Karl Marx | Der junge Karl Marx (F. Batier)

Zum 100. Geburtstag der Oktoberrevolution: "Der junge Karl Marx"

Ebenfalls in der Sektion "Berlinale Special" läuft die deutsch-französische Produktion "Der junge Karl Marx". Regisseur Raoul Peck beschreibt die Ursprünge der internationalen sozialistischen Bewegung, die Entstehung des Kommunistischen Manifests - und die Vision eines Mannes, der an die revolutionäre Kraft der Ausgebeuteten und Unterdrückten glaubt.

Zeichen gegen Homophobie: Queere Filme auf der Berlinale

Während in den USA ein Mann Vizepräsident wird, der sich offen gegen Homosexuelle stellt, setzten sich auf der Berlinale nicht wenige Filme mit Homophobie auseinander. Der Dokumentarfilm "Mein wunderbares West-Berlin" zeigt die schwul-lesbische Emanzipationsbewegung in West-Berlin und den Kampf um die Abschaffung des Paragraphen 175, der bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte.

Hier winkt der Teddy Award, der queere Filme auszeichnet und in diesem Jahr just jenes Gesetz in den Fokus nimmt. Man wolle sich für eine Entschädigung der homosexuellen Männer einsetzen, die unter den Nazis gelitten haben, im Gefängnis gelandet sind oder Schlimmeres erlebt haben, so Wieland Speck, seit 1992 Kurator der "Panorama"-Sektion der Berlinale und Initiator des Teddy Award.

Das queere Programm auf der Berlinale sei ein Vorgeschmack auf das, was uns noch bevorstehen könnte, warnt er. Die Rechtspopulisten, die sich Jahrzehnte im Verborgenen hielten, würden nun alle Hemmungen verlieren und mit Sprüchen und einem Verhalten vorpreschen, das vor 75 Jahren die Welt in Brand gesetzt habe, meint der deutsche Regisseur und Produzent Wieland Speck.

Repressionen gegen Minderheiten - im Film und im echten Leben

Jüdisches Leben im Nachkriegseuropa untersucht der ungarische Filmemacher Ferenc Török in "1945": Zwei jüdische Männer kehren in das Dorf zurück, das von ihrer Deportation profitiert hat. Der Blick auf antisemitische Strömungen in Ungarn antizipiert den Anstieg rechtsextremer Parteien wie Jobbik, die mit den regierenden Konservativen den Bau eines Zaunes an den Grenzen zu Serbien und Kroatien erwirkt haben, um das Land gegen Flüchtlinge abzuschotten. Europas Regierungen hätten wohl vergessen, dass 60 Millionen Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa Vertriebene waren, sagte Aki Kaurismäki gegenüber Reportern diese Woche in Berlin.

Filmstill: Pokot / Spoor von Agnieszka Holland (Robert Paêka )

"Spoor" - Das Porträt einer Gesellschaft

Der Film "Spoor" der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland - 1990 international bekannt geworden mit dem Holocaustfilm "Hitlerjunge Salomon" - läuft im Wettbewerb. Der Thriller erzählt die Geschichte einer radikalen Umwelt- und Tierschützerin aus Polen. Der Film dient als Metapher für die Repression gegen Minderheiten in Ländern mit rechtsradikalen Regierungen. Er beschreibe die Mentalität von Menschen, "die alles unterdrücken wollen, was schwächer ist, als sie selbst: Frauen, die Natur, andere Männer, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen - jeden", so die Regisseurin.

Als die Idee zu "Spoor" vor vier Jahren entstand, wollte die Agnieszka Holland die Phantasie der Zuschauer anregen, wollte sie sensibilisieren. Doch in der Zwischenzeit ist der Populismus in Europa und den USA erstarkt. Nun ist es "Spoor" zu einem politischem Film geworden.

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