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Aktuell Afrika

WHO startet Ebola-Notprogramm

Bisher waren alle Bemühungen erfolglos, die Ebola-Epidemie in Westafrika unter Kontrolle zu bringen. Nun will die WHO 100 Millionen Dollar in die Hand nehmen, um der Seuche Herr zu werden.

Mit einem 100 Millionen Dollar (75 Millionen Euro) schweren Hilfsprogramm für Westafrika werde der Kampf gegen die bislang schlimmste Ebola-Epidemie "auf ein neues Niveau" gehoben, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Der Startschuss soll bei einem regionalen Krisengipfel mit den Präsidenten Westafrikanischer Staaten am Freitag in Guineas Hauptstadt Conakry fallen, wie die WHO mitteilte. Von der Seuche betroffen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone, hinzu kommt ein erster Todesfall in Nigeria.

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan bekräftigte: "Das Ausmaß des Ebola-Ausbruchs und die davon ausgehende Gefahr machen es notwendig, dass die WHO sowie Guinea, Liberia und Sierra Leone die Gegenmaßnahmen erheblich verstärken." Am dringendsten sei der Einsatz weiterer Ärzte und Krankenschwestern, Seuchenexperten, Logistiker sowie Sozialarbeiter. Laut WHO müssen mehrere Hundertschaften medizinischen Fachpersonals in die Seuchenregion entsandt werden, um dort überforderten Behörden und Hilfskräfte zu unterstützen. Der Aktionsplan sieht auch stärkere Maßnahmen zur Aufklärung vor. Außerdem sollen mit Hilfe des 100 Millionen Dollar-Programms die Grenzkontrollen in der Region verschärft und Erkrankte früher identifiziert werden. "Die Lage ist außer Kontrolle", sagte auch Mariano Lugli, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Genf. Das Virus sei nicht zu stoppen, lokale Gesundheitsbehörden seien überfordert.

Mehrere afrikanische Länder wie Kenia, Äthiopien und die Demokratische Republik Kongo erhöhten die Sicherheitsvorkehrungen an ihren Grenzen und Flughäfen. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO erwägt nach Krisengesprächen mit der WHO mögliche Untersuchungen von Passagieren.

Bisher hat die WHO mehr als 1300 Fälle der gefährlichen Krankheit in Westafrika bestätigt, mindestens 730 Menschen überlebten die Ebola-Infektion nicht. Medikamente gegen die fiebrige Erkrankung gibt es nicht. Die einzigen Gegenmittel sind bisher Aufklärung der Bevölkerung, Isolierung der Kranken und die hartnäckige Überwachung aller Menschen, die mit Patienten Kontakt hatten. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten.

Gefahrengebiet für Reisende

Das deutsche Robert-Koch-Institut und das europäische Seuchenzentrum ECDC stufen die Gefahr einer Ebola-Infektion bei Reisen zwar als sehr gering ein. Dennoch raten inzwischen sowohl Deutschland als auch die USA und Frankreich von verzichtbaren Reisen nach Guinea, Liberia und Sierra Leone ab. Ein Ende der Ausbreitung sei nicht absehbar, heißt es in den neuen Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes.

qu/wl (afp/dpa)