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Europa

Ebola - genug Geld, aber zu wenig Leute

Die EU gibt mehr Geld für die Bekämpfung der Ebola-Seuche in Westafrika. Die Seuche sei "außer Kontrolle", sagt die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen". Wie reagiert Brüssel?

Ärzte ohne Grenzen im Training in Guinea-Bissau

"Ärzte ohne Grenzen" bildet Seuchen-Bekämpfer in Guinea-Bissau aus

"Das Geld ist eigentlich nicht das Problem, sondern der Mangel an Mitarbeitern vor Ort", beschreibt ein hoher EU-Beamter die Schwierigkeiten bei der Eindämmung der Ebola-Seuche aus europäischer Sicht. "Wir versuchen, unsere Partner vor Ort, die Organisation 'Ärzte ohne Grenzen', die Weltgesundheitsorganisation und das Rote Kreuz zu überzeugen, mehr Personal auch aus Europa zu schicken. Doch dort ist man sehr zurückhaltend, weil man die Situation für gefährlich hält." Der Mann sollte es wissen. Er ist Arzt und bei der EU-eigenen Hilfsorganisation ECHO für die Seuchenbekämpfung in Afrika zuständig. Allerdings möchte er anonym bleiben, offiziell äußert sich nur die EU-Kommissarin für Katastrophenhilfe, Kristalina Georgieva. Die Kommissarin hat am Mittwoch mitgeteilt, dass die EU ihre finanziellen Hilfen für die Ebola-Eindämmung in Westafrika um zwei Millionen Euro auf insgesamt 3,9 Millionen Euro erhöht.

EU ist "extrem besorgt"

EU-Politikerin Kristalina Georgieva

Greorgieva: "Wir müssen mehr tun"

"Die Ausbreitung der Seuche vor Ort ist extrem Besorgnis erregend und wir müssen mehr tun, bevor noch mehr Leben geopfert werden", ließ Frau Georgieva in Brüssel mitteilen. Nur mit wem? Nachdem sich nach Erkenntnissen der EU-Kommission allein in der vergangenen Woche mindenstens vier Ärzte und acht Pfleger mit Ebola infiziert haben, wird es immer schwieriger, Helfer aus Europa, aber auch Personal vor Ort, wie Fahrer oder Logistikmitarbeiter zu finden, sagte der EU-Beamte vor Journalisten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in Guinea, Liberia und Sierra Leone ingesamt 1200 Infizierte registriert, von denen 670 bereits verstorben sind. Der Ebola-Virus breitet sich von den Waldgebieten jetzt auch vereinzelt auf Städte aus. In Nigeria wurde ein Fall in der Stadt Lagos registriert. Der ärztliche Mitarbeiter der EU-Organistation ECHO weist aber darauf hin, dass Ebola eigentlich keine leicht übertragbare Krankheit sei, wie etwa das Grippevirus vom Typ SARS oder die Vogelgrippe. Ebola werde nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, nicht über die Luft.

Geringes Risiko für Europa

Die Europäische Agentur für Seuchenkontrolle in Stockholm, die die Risiken für die EU abschätzt, sieht deshalb auch keine schnelle globale Verbreitung des Ebola-Virus voraus und keine konkreten Gefahren für Europa. In der EU seien die Länder mit schnellen Diagnose-Möglichkeiten und speziellen Isolierstationen für Erkrankte gut vorbereitet, heißt es in einer Analyse der Gesundheitsagentur. Die EU hat keine Reisewarnung für die betroffenen Gebiete in Westafrika ausgesprochen. Es gebe auch nur wenige direkte Flugverbindungen in das Seuchengebiet. In der EU gab es bislang zwei Verdachtsfälle in Spanien und Großbritannien, die sich beide als falscher Alarm herausgestellt haben.

Ebola Virus Virion

Tückischer Erreger: Ebola-Virus

"Wichtig ist es, die Infizierten in den betroffenen westafrikanischen Staaten zu finden und so schnell wie möglich zu isolieren", betonte der EU-Beamte. Das sei manchmal wohl recht schwierig, weil in den Waldgebieten in Guinea, aus dem der Ebola-Erreger wohl stamme, sehr traditionelle Gemeinschaften lebten, die sich von außen gar nicht so leicht helfen ließen. "Wenn der Krankenwagen kommt, verstecken sie sich im Wald", beschreibt der Arzt in EU-Diensten die Situation. Das Ebola-Virus habe sich einen sehr unzugänglichen Winkel ausgesucht. "Besser könnte es auch der Sicht von Ebola gar nicht laufen", meinte der EU-Beamte mit einem bitteren Lächeln.

Die EU und auch die USA stellen Überlegungen an, mobile Feld-Lazarette in die Region zu schicken, heißt es aus der EU-Kommission. Ob das viel Sinn haben würde, bezweifeln Experten, denn es gehe nicht so sehr um die Behandlung der Kranken, sondern darum, Infizierte zu finden. Bereits seit April hat die EU ein mobiles Labor in Guinea im Einsatz, um Ebola möglichst schnell nachweisen zu können.

"Seuche ist außer Kontrolle"

Westafrika Sierra Leone Ebola Virus ausgebrochen Krankenwagen

Sierra Leone: Sanitäter transportieren Ebola-Opfer ab

Der Direktor der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", Bart Janssens, warnte eindringlich davor, dass sich Ebola auf weitere afrikanische Staaten ausbreiten könnte. "Wir haben immer noch keine umfassende Strategie, wie wir bei der Eindämmung vorgehen sollen. Diese Epidemie ist ohne Beispiel. Sie ist völlig außer Kontrolle. Die Situation kann sich nur verschlimmern, weil die Fallzahlen, vor allem in Liberia und Sierra Leone, an manchen Schwerpunkten immer noch steigen", sagte Janssens der belgischen Zeitung "La Libre Belgique. Der Direktor von "Ärzte ohne Grenzen" rief die Regierungen der betroffenen Staaten und die WHO auf, mehr zu tun, um die Seuche, die seit dem Frühjahr auf dem Vormarsch ist, unter Kontrolle zu bekommen. EU-Beamte in Brüssel sagten, die Gesundsheitsvorsorge und Pläne zur Seuchenbekämpfung stünden in den betroffenen westafrikanischen Ländern zwar auf dem Papier, die Umsetzung sei ihrer Erfahrung nach aber eine ganz andere Sache.

Mit Ebola-Infizierten richtig umzugehen, sei auch für erfahrene NGOs und Hilfsorganisationen nicht einfach. Man brauche gut geschultes, spezialisiertes Fachpersonal, das in Europa auch wegen der Sommerferien nicht so einfach zu rekrutieren sei. "Wir haben hier eine Menge Krisensitzungen mit Experen, die sehr gute Analysen bereitstellen, aber wir brauchen Menschen im praktischen Einsatz vor Ort", so das Fazit eines EU-Beamten, der mit den Verhältnissen vertraut ist. "Wir benötigen jetzt eine nachhaltige Anstrengung der internationalen Gemeinschaft, damit wir Westafrika helfen können, mit der Plage fertig zu werden," forderte EU-Kommissiarin Kristalina Georgieva in Brüssel.

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