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Fußball

Wettbewerbsverzerrung durch Wintertransfers?

Mitten in der Fußballsaison werden Kader teilweise massiv umgebaut. Die Winter-Transferperiode ist zu einem "Nachrüstwettbewerb" geworden. Die Bundesliga hält sich im internationalen Vergleich zurück.

Die zweite Wechselperiode der Saison ist beendet. Gut 30 Millionen Euro hat die Fußball-Bundesliga für Neuzugänge ausgegeben, damit blieb sie unter den Ausgaben der letzten Jahre und liegt im internationalen Vergleich deutlich zurück: Die Premier League etwa gab über das Dreifache, nämlich gut 100 Millionen Euro, für neues Personal aus, die italienische Serie A lag bei knapp 70 Millionen Euro, die französische Liga 1 bei knapp 59 Millionen Euro. Dort fand auch der teuerste Winterwechsel statt: Der 20-jährige brasilianische Nationalspieler Lucas wechselte für über 40 Millionen Euro vom FC São Paulo zum FC Paris St. Germain. Zudem verstärkten sich die Pariser, hinter denen Katars Scheich Tamim bin Hamad Al Thani steht, kurz vor Ende der Transferperiode auch noch mit Englands Alt-Star David Beckham. Der 37-jährige ehemalige Kapitän der "Three Lions" erhält einen Vertrag bis zum Sommer.

Italiens Star Mario Balotelli kam für 20 Millionen Euro von Manchester City zum AC Mailand, der Niederländer Wesley Sneijder spielt nun bei Galatasaray Istanbul, genau wie der Ivorer Didier Drogba, der aus Shanghai zurückkam. Auch in der Bundesliga gab es große Namen zu vermelden: Nuri Sahin kehrte zu Borussia Dortmund zurück, Ivan Perisic, der mit der Ablöse von 7,5 Millionen Euro der teuerste Winterneuzugang der Liga ist, spielt nun für den VfL Wolfsburg und die Brasilianer Raffael und Michel Bastos heuerten bei Schalke 04 an. Dafür ließen die Königsblauen Lewis Holtby zu Tottenham Hotspur ziehen.

Platini: "Wintertransfers unfair"

Aufsehenerregende Wechsel mitten in der Saison hat es zwar früher auch schon gegeben. So kam zum Beispiel Matthias Sammer im Winter 1992/93 aus Italien nach Dortmund, Frank Rost sattelte während der laufenden Spielzeit 2006/07 von Schalke nach Hamburg um und ein Jahr später wechselte Mesut Özil im Winter von Schalke nach Bremen. Dennoch legten die Vereine früher ihr Geld vor allem im Sommer auf dem Transfermarkt an. Mittlerweile haben sich aber auch die Wintertransfers zu einem blühenden Geschäftsmodell entwickelt. Heikel wird es allerdings, wenn Spieler innerhalb der Liga den Verein wechseln oder ein Team so grundlegend umgebaut wird, dass es mit einem gänzlich anderen Gesicht als zu Saisonbeginn in die Rückrunde geht.

UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino und UEFA-Präsident Michel Platini bei einer Pressekonferenz. (Foto: REUTERS/Valentin Flauraud)

UEFA -Präsident Michel Platini (r.) macht sich Sorgen um den internationalen Fußball.

Genau das ist auch UEFA-Präsident Michel Platini ein Dorn im Auge. "Ich denke, dass viele Trainer damit nicht zufrieden sind, weil sie nicht wissen, ob sie die Saison mit der gleichen Mannschaft beenden, mit der sie in die Spielzeit gestartet sind", sagte Platini. "Meiner Meinung nach ist es unakzeptabel, wenn ein Spieler in der ersten Halbserie für Team A gegen Team B spielt und in der zweiten Hälfte für Team B gegen Team A."

Unterstützung bekam Platini von Trainerikone Arsène Wenger: "Das Transferfenster wurde geschaffen, um kleinere Tätigkeiten für bestimmte Umstände zu erlauben, aber nun schädigt es den Wettbewerb", sagte der Trainer von Lukas Podolski bei Arsenal London und forderte eine Neuregelung des Wintertransfersystems: "Es sollte komplett abgeschafft oder auf zwei Spieler begrenzt werden. Es ist unfair für die Liga."

Leihen statt kaufen

Die Bundesliga setzte übrigens vermehrt auf ein risikoarmes Wintergeschäft: Spieler wurden vermehrt ausgeliehen. Nuri Sahin und Michel Bastos kamen auf Leihbasis in die Bundesliga, teilweise haben die Vereine Kaufoptionen für die Spieler abgeschlossen, so dass sie erstmal prüfen können, ob sie zum Kader passen, bevor viel Geld investiert wird. Um Geld einzusparen, verkleinerte Wolfsburg auf diese Weise mit zahlreichen Ausleihgeschäften seinen aufgeblähten Kader.

Insgesamt kamen 38 neue Spieler in die Liga, zwei Drittel davon auf Leihbasis. Die drei Vereine Bayern München, Hamburger SV und SC Freiburg verzichteten komplett auf Nachbesserungen, am aktivsten waren die vom Abstieg bedrohten Klubs. So investierte der Tabellen-Vorletzte 1899 Hoffenheim rund 10 Millionen Euro in sechs Spieler und gab damit am meisten aus. Auch die beiden Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und Greuther Fürth haben zahlreiche neue Spieler geholt, dafür aber auch nur jeweils eine Million Euro investiert.

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