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Fußball

Kommentar: Tendenz zum Abstieg

In einer Saison voller Misserfolge ist Hoffenheim wieder auf einem Abstiegsplatz angekommen. Im Moment deutet nichts darauf hin, dass die TSG das Ruder noch einmal herumreißt, meint DW-Sportreporterin Olivia Fritz.

Es sind die typischen Symptome bei Mannschaften, die ganz unten in der Tabelle stehen: Der Ball will trotz größter Chancen einfach nicht ins Tor. Am Ende hat man wieder verloren. Im Klub herrscht höchste Unruhe, fast täglich gibt es neue negative Schlagzeilen. Und die Vereinsführung verfällt in wilden Aktionismus.

Inhalt: Portraitfoto Olivia Fritz (DW) Fotograf: Michael Palm, Palm-Pictures, 2011

Olivia Fritz (DW)

Dies alles kann man in diesen Tagen – eigentlich seit Beginn der Saison – bei der TSG 1899 Hoffenheim beobachten. Mit 0:4 ist Hoffenheim vor dem Ligastart gegen einen Viertligisten aus dem DFB-Pokal ausgeschieden und hat daraufhin die schlechteste Hinrunde der viereinhalbjährigen Bundesligazugehörigkeit mit nur zwölf Punkten hingelegt. Danach trennte man sich zum sechsten Mal in nur zwei Jahren wieder einmal vom Trainer und verpflichtete zu Beginn der Rückrunde kurzerhand drei Spieler in vier Tagen. Darunter einen argentinischen Innenverteidiger und einen peruanischen Rechtsaußen. Ein Stürmer soll aber auch noch her, kurz vor Ende der Transferperiode. Und was soll das bringen?

Mit Hand und Fuß hat das alles nämlich nichts zu tun. Wo Kontinuität gefragt ist, herrscht Konzeptlosigkeit. Das Fünkchen Hoffnung nach dem 0:0 zum Trainerdebüt von Marco Kurz gegen Borussia Mönchengladbach ist nach der 1:2-Niederlage in Frankfurt gleich wieder erloschen. Kurz hat zwar wieder ein bisschen Struktur in die Mannschaft gebracht, doch wieder einmal hat sich der Verein unter der Woche selbst demontiert: Die TSG trennte sich überraschend vom "lustlosen" Profi Marvin Compper, der angeblich ein "Motivationsproblem" im Abstiegkampf hatte. Manager Andreas Müller ließ zur Krönung noch eine Wutrede vom Stapel, in der er den Zustand des Vereins nicht gerade beschönigte. Das sind hausgemachte Probleme. Und das alles schmeckt nach Abstieg.

Schießbude der Liga

Die Zahlen sprechen auch eine deutliche Sprache: Nach 19 Spieltagen steht die TSG auf dem vorletzten Tabellenplatz, hat 13 Punkte auf dem Konto und erschreckende acht Zähler Rückstand auf den rettenden Rang 15. Der letzte Saisonsieg liegt zehn Spieltage zurück. Mit 43 Gegentoren ist die TSG die Schießbude der Liga, 18 Gegentreffer kassierte sie – das ist längst bekannt, aber nicht abgestellt – nach Standardsituationen. Nebenbei bemerkt fielen auch etliche Gegentreffer nach Unsicherheiten des eigentlich als Kapitän und Leistungsträger verpflichteten Torwarts Tim Wiese. Vielleicht ist Wiese sogar DAS Sinnbild der Hoffenheimer Krise.

Die glorreichen Zeiten, in denen der Verein aus der Regionalliga in die Bundesliga durchmarschierte und in der Debüt-Saison als Herbstmeister für Furore sorgte, sind längst vorbei. Seitdem man sich unter großem Getöse von Trainer Ralf Rangnick getrennt hat, ist kein sportliches und langfristiges, bundesligataugliches Konzept mehr zu erkennen. Zu viele mischen sich ein, dürfen entscheiden, müssen dann aber auch wieder gehen. Eine typenstarke Mannschaft konnte bisher nicht zusammengestellt werden, viele Spieler nutzen Hoffenheim als Zwischenstopp oder Sprungbrett. Nun hält sich erstmals auch Mäzen Dietmar Hopp, der sich offenbar in der Vergangenheit ein paar Mal zu oft eingemischt hat, auffällig zurück. "Wir sind noch nicht abgestiegen", hat Manager Müller jetzt noch einmal betont. Aber auch er kann nicht verkennen: Die Zeichen stehen auf Abstieg.

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