1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Westirakische Provinzen fordern Waffen

Die internationale militärische Unterstützung für die Kurden in der umkämpften Stadt Kobane weckt auch in anderen Regionen Begehrlichkeiten. Schon rufen die ersten Stämme nach Waffen.

Irak IS-Kämpfe (Foto: Reuters)

Stammenskrieger in der Provinz Anbar im Kampf gegen den IS

Nach der Ermordung von hunderten Mitgliedern eines sunnitischen Stammes durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) werden in der westirakischen Provinz Anbar Rufe nach einer Aufrüstung der dortigen Stämme laut. Ein Vertreter im Provinzrat, Suhaib al-Rawi, sagte, die Bewohner dort bräuchten deutlich mehr Waffen, um sich gegen die Dschihadisten verteidigen zu können. Danach gibt es bereits Beratungen mit der Regierung in Bagdad auch bezüglich der Forderung nach raschen Waffenlieferungen.

Die IS-Extremisten haben nach Behördenangaben im Westen des Landes von Donnerstag bis Sonntag fast 250 Mitglieder des sunnitischen Al-Bu-Nimr-Stammes - darunter auch Kinder - getötet. Allein am Sonntag seien 36 Clan-Mitglieder hingerichtet worden, so Stammeschef Scheich Naim al-Kuoud al-Nimraui. Damit seien seit dem 24.Oktober insgesamt 381 Mitglieder seines Clans getötet worden. Angehörige des Stammes sollen an der Seite schiitischer irakischer Soldaten gegen den IS gekämpft haben. Die sunnitisch-extremistische Miliz verfolgt den Stamm daher mit besonderer Härte. Andere sunnitische Stämme kämpfen im Irak hingegen auf der Seite des IS.

Der IS mordet auch in Syrien

Im benachbarten Syrien exekutierten IS-Kämpfer nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte elf Menschen. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle teilte mit, die Hinrichtungen hätten zum Großteil in der vergangenen Woche stattgefunden. So seien acht syrische Kämpfer, die einer Amnestie-Zusage des IS Glauben geschenkt hätten, in Albu Kamal in der östlichen Provinz Deir Essor enthauptet und dann an Kreuze gehängt worden.

Drei weitere Männer, die in der Stadt Deir Essor enthauptet worden seien, seien ebenfalls an Kreuze gehängt worden. Bei diesen Männern war nicht klar, wann die Exekutionen erfolgten. Zweien von ihnen sei eine Zusammenarbeit mit der Regierung in Damaskus angelastet worden, der dritte habe gegen den IS gekämpft. Die Angaben der Beobachtungsstelle, die über ein dichtes Netz von Informanten vor Ort verfügt, können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Warten auf Deutschland

Die Bundesregierung will in den nächsten Tagen die Möglichkeiten einer Ausbildungsmission für die kurdischen Peschmerga im Nordirak klären. Ein Erkundungsteam aus Vertretern des Verteidigungsministeriums und des Auswärtigen Amts habe bis Sonntag "hochrangige Gespräche" in Bagdad und in der Kurden-Hauptstadt Erbil geführt, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die dreitägige Reise habe aber nicht alle Fragen beantworten können. In den nächsten Tagen sollten daher die Ergebnisse der Reise ausgewertet und nächste Schritte entschieden werden.

Deutschland unterstützt die Peschmerga im Kampf gegen den IS, der weite Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht hat und dort Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begeht. Unter anderem lieferte die Bundeswehr bereits Militärmaterial nach Erbil und wies die kurdischen Kämpfer in dessen Benutzung ein. Bei der Frage einer Ausbildungsmission vor Ort soll der Bundestag "frühzeitig" eingebunden werden, wie die Sprecherin des Außenamts betonte.

Kanada fliegt erste Luftangriffe

Dagegen hat Kanada nach der Ermordung zweier Soldaten durch mutmaßliche Islamisten sein Engagement im Irak verstärkt. Die Luftwaffe seines Landes beteilige sich jetzt an den Bombardements gegen Stellungen des IS im Irak, sagte Verteidigungsminister Rob Nicholson und bestätigte die Angriffe kanadischer F-18-Kampfjets in der Region Falludscha in der Provinz Anbar. Die lasergesteuerten Bomben hätten ihr Ziel erreicht, die Flugzeuge seien sicher zu ihrer Basis in Kuwait zurückgekehrt, heißt es in Ottawa.

Das kanadische Parlament hatte Anfang Oktober grünes Licht für den Militäreinsatz im Nahen Osten gegeben. Kanada unterstützt damit die von den USA geführte Allianz gegen die IS-Terrormilizen, ebenso wie Frankreich, Großbritannien und einige arabische Staaten.

Die US-Luftwaffe teilte mit, sie sei 15 neue Angriffe geflogen, fünf in Syrien und neun im Irak.

gmf/wl (afp, dpa)